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„Wilde Raserei“ endet glimpflich

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Von: Alexander Schneider

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Oft sieht so das Ende von Raserei und Autorennen aus, wie hier in Nordrhein-Westfalen. Im Fall eines Grävenwiesbachers ging es glimpflicher aus, doch Probleme hat der Verurteilte genug.
Oft sieht so das Ende von Raserei und Autorennen aus, wie hier in Nordrhein-Westfalen. Im Fall eines Grävenwiesbachers ging es glimpflicher aus, doch Probleme hat der Verurteilte genug. © dpa

Grävenwiesbacher liefert sich Verfolgungsjagd mit der Polizei

Weil er grob verkehrswidrig und rücksichtslos durchs Weiltal gerast ist, um sich einer Polizeikontrolle zu entziehen, stand jetzt ein 55-jähriger Grävenwiesbacher vor dem Königsteiner Amtsgericht. Er hatte sich wegen eines „verbotenen Autorennens“ zu verantworten. Dafür gibt es eine Strafvorschrift nach Paragraf 315d, der e sich vor allem gegen Raser richtet und zur Vermeidung von Wiederholungstaten auch die Einziehung des Autos vorsieht.

Der „315d“ passe nicht so ganz auf den Angeklagten, meinte der Richter, der den Mann für keinen klassischen Raser hielt, sondern eher für einen, dem hoffentlich einmalig der Gasfuß ausgerutscht ist. Er wollte die Sache möglichst auf kleiner Flamme halten, es gebe sicher Schlimmeres. Am Ende stand eine Geldstrafe von 3000 Euro, eine Führerscheinsperre von weiteren fünf Monaten, und das eingezogene Auto gab’s auch zurück.

Der Verteidiger hatte dem Gericht ein Geständnis des Angeklagten angekündigt. Ganz so einfach war es dann aber doch nicht, denn was der Mann dem Gericht über die Tat nur zögerlich zu erzählen bereit war, hatte, so der Richter, mit einem Geständnis wenig zu tun. Er wiegelte immer wieder ab, will die Polizei nicht erkannt und auch kein Blaulicht gesehen haben.

Mit 200 Sachen in Richtung Weiltal

Und überhaupt sei die Strecke zu kurvig, um so schnell zu fahren. Auf Anraten des Anwalts gab er dann aber doch, immer noch zaudernd, zu, dass es so war, wie es in der Anklage steht.

Danach hatte der Grävenwiesbacher am 12. Dezember 2021 gegen 18 Uhr mit seinem Auto zunächst die Talaue in Riedelbach mit 60 statt der erlaubten 30 Stundenkilometer passiert, sei dann auf den Netto-Parkplatz gefahren, wo ihn die dort wartende Polizei einer Kontrolle unterziehen wollte und sich ihm mit eingeschalteten Taschenlampen näherte.

Auf Kontrolle hatte der Mann aber keine Lust. Er raste Richtung B 275 und fuhr mit so hohem Tempo auf diese aus, dass er sich, so die Polizisten, kaum davon überzeugen konnte, dass die Strecke frei war. Nur durch Zufall kam gerade kein Auto.

Mit Tempo 200 soll er dann Richtung Weiltal gerast sein, zu schnell für den Polizei-Vito, weshalb ihn die Beamten, die mit Blaulicht die Verfolgung aufgenommen hatten, kurz aus dem Blick verloren haben. Die „wilde Raserei“, so der Staatsanwalt im Plädoyer, ging weiter über Altweilnau, Ober- und Niederlauken.

Unterwegs soll der Mann, wohl um die Verfolger abzuschütteln, auf einen Feldweg gefahren sein und das Licht ausgeschaltet haben. Die Polizei fuhr zwar vorbei, bemerkte das im Feld stehende Auto aber und drehte um. Der Angeklagte auch, und die Hatz ging weiter zum Sportplatz der SG Niederlauken, wo der Mann dann aufgeben musste.

Depression und Eltern in Not

Durch gutes Zureden des Richters und auch des Verteidigers gab er dann doch zu, dass er die Polizei erkannt hat, keine Kontrolle wollte und deshalb unter Ausnutzung des höchstmöglichen Tempos abhauen wollte. Was ihn dabei geritten hat, konnte er nicht einmal sagen, „Tunnelblick“ vielleicht? Kurzschlussreaktion? Familiäre Probleme daheim? Vermutlich von allem etwas.

Er habe an dem Abend in Riedelbach getankt und danach ein dringendes menschliches Bedürfnis verspürt. Deshalb habe er auf den Netto-Parkplatz fahren wollen, sei dort aber aus einiger Entfernung von zwei Taschenlampen angestrahlt worden.

Als Polizisten will er die Herrschaften nicht erkannt haben, deshalb sei es ihm auch nicht in den Sinn gekommen, dass es sich um eine Verkehrskontrolle handeln könnte. Er erzählte dem Gericht noch etwas vom Besuch an der Schafweide einer Bekannten am Sportplatz und dass er dort nach dem Rechten sehen wollte.

Der Angeklagte ist durch den Vorfall, bei dem sofort der Führerschein einkassiert und auch das Auto sichergestellt wurde, in seinem Leben schwer beeinträchtigt: Probleme im Job, eine Depression und Eltern, die seiner Hilfe bedürfen, die er aber ohne Auto nicht geben könne. Nach diesem „12.12.“ sei nichts mehr so wie es vorher war, sagte er unter Tränen.

Selbst der Staatsanwalt meinte, dass die gravierenden privaten und beruflichen Folgen, die dem Angeklagten aus dieser Sache erwachsen seien, nicht im Verhältnis zu der eigentlich relativ milden Strafandrohung stehen. Mit anderen Worten: Der Mann ist schon genug bestraft. VON ALEXANDER SCHNEIDER

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