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Zwei Storchen-Arten brüten im Hochtaunus

Der Weißstorch ist wieder gelandet

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Im Hochtaunus brüten in diesem Jahr zwei Storchen-Arten. Der seit Jahrzehnten verschollene Weißstorch und sein dunkler Bruder, der Schwarzstorch, sind wieder ansässig. Ob sie auch in Zukunft bleiben, dahinter setzt zumindest Martin Hormann ein großes Fragezeichen. Und der muss es wissen, ist er doch Experte von der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz.

Sie sind wieder da! Die Störche sind zurück im Taunus. Nach fast 100 Jahren hat das erste wildlebende Weißstorchen-Paar wieder ein Nest in Neu-Anspach gebaut. Sein dunkel gefiedertes Pendant, der Schwarzstorch hingegen, ist schon seit ein paar Jahren wieder zurück als heimlicher Gast in den Wäldern.

Weißstorch und Schwarzstorch (Ciconia Ciconia und Ciconia Nigra) sind nicht nur optisch wie Tag und Nacht. Sie könnten auch was die Wahl ihres Brutraumes angeht, kaum gegensätzlicher sein. „Der Weißstorch ist ein Kulturfolger, der sich an der menschlichen Umgebung nicht stört. Im Gegensatz zum Schwarzstorch, der als Kulturflüchter die Abgeschiedenheit und das Verborgene der Wälder sucht“, erklärt Martin Hormann, Fachmann von der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz.

Die Experten haben die Störche im Blick und werten die Rückkehr des Weißstorchs in den Taunus schon als „Sensation“. Nun hat es zwar bis vor einigen Jahren im Hessenpark Weißstörche gegeben und auch der Opel Zoo hat sie im Angebot. Doch handelte es sich dabei nicht um sich frei ansiedelnde Tiere, sondern solche, denen mit einem speziellen Nahrungsangebot der Aufenthalt schmackhaft gemacht wurde.

„Der Hochtaunus ist eigentlich kein klassisches Gebiet für den Weißstorch“, schildert Hormann. Ob er also ein Dauergast wird, sei fraglich. Der Weißstorch will zwischen Schlafplatz und Küche keine langen Wege während der Brutzeit zurücklegen.

Vielmehr sucht er sich seine Nistplätze in der Nähe von Auenlandschaften, Feuchtgebieten, Wiesen und Weideland – offene Flächen und Biotope also, die eine große Artenvielfalt bieten, vor allem aber braucht er Fleisch, zum Beispiel in Form von Mäusen oder kleinen Reptilien. Im Grunde genommen also das Gegenteil von dem, was der Taunus zu bieten hat. „Dessen Untergrund ist doch eher steinig“, weiß der Mann vom Fach.

Warum dann also der Taunus? Haben sich die Gewohnheiten des Weißstorchs verändert oder sind die Bedingungen im Taunus besser als gedacht? „Weder noch“, schätzt Hormann. Der Grund könnte ein anderer sein. Und der ist im angrenzenden Landkreis Wetterau zu suchen. „Die Wetterau ist ein Storchengebiet, das wissen wir“, schildert Hormann. Dort haben sich die Störche wieder sehr gut angesiedelt.

Waren die Störche Anfang des 20. Jahrhunderts in Hessen nahezu ausgerottet, kamen sie erst langsam Anfang der 80er Jahre zurück. Dass sich die beiden Storchenarten, Weiß- und Schwarz, überhaupt wieder verbreitet haben, sei den guten Klima- vor allem aber Nahrungsangeboten in Spanien zu verdanken, so Hormann.

Dadurch, dass die Vögel nicht mehr bis nach Afrika fliegen müssten, sondern sich regelrecht durch die spanischen Müllhalden fressen können, konnte die Population wieder wachsen. Und weil der europäische Luftraum nun mal grenzenlos offen ist, machten sich die Vögel auch wieder auf den Weg gen Hessen.

„Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Storch noch als Schädling, der vor allem die Fischerei bedrohte“, sagt Hormann. Das führte zu einer regelrechten Hetzjagd und Vertreibung der Störche. Hinzu kamen die ungesicherten Hochspannungsmasten, an denen die Tiere während ihres Zugs verendeten. Auch das hat sich per Gesetz geändert und zur Sicherheit beigetragen, wenn auch erst in jüngerer Vergangenheit. In der Wetterau fänden die Vögel auf Grund der geografischen und landschaftlichen Gegebenheit zudem gute Brutbedingungen vor.

So gut, „dass es da einen gewissen Populationsdruck gibt“, sagt Hormann. Deshalb wichen die Tiere mittlerweile auch in den Taunus aus. Allerdings nicht in den Vordertaunus. Der sei zu dicht besiedelt. Dann schon lieber das Usinger Land, so sich auch das erste Weißstorchen-Paar seinen Nistplatz gesucht habe. In der Gegend um Neu-Anspach hat sich das Taunus-Paar auf einem Mast häuslich eingerichtet.

Weite offene Landschaft und feuchte Wiesen, „dort wo sich auch viele Bodenbrüter aufhalten, da fühlt sich der Weißstorch richtig wohl“, weiß Hormann. Im vergangenen Jahr durften sich auch die Harheimer nach über 50 Jahren über ein Weißstorchen-Paar freuen. Auch da kommen die Auen und offenen Landschaften den Störchen zugute.

Doch zurück in den Taunus und zum dunklen Pendant des Weißstorchs. Denn auch der Schwarzstorch ist im Usinger Land zu Hause. Im Gegensatz zu seinem weißen Kollegen ist der Schwarzstorch jedoch ein vergleichsweise heimlicher Vertreter, der vor allem in den Wäldern brütet. „Er ist sehr empfindlich und reagiert äußerst sensibel auf Störungen“, erklärt Hormann. Deshalb gelten die Brutstätten auch als streng geheim. Einzig der Forst wisse um die Horste, damit die Areale in denen der Schwarzstorch sein Quartier beziehe, geschützt werden könne.

Mehrere Zentner schwer werden die Storchennester und nicht selten falle dann auch mal eins hinunter. In einigen Fällen suchen sich die Störche dann ein Ausweichquartier, sofern das Nest noch vor der Eiablage fällt. Im Raum Usingen erfreute sich der Schwarzstorch besonders großer Beliebtheit, vor allem bei den Windkraftgegnern. Denn wo der Schwarzstorch brütet, wird sich nach derzeitigem Stand kein Windrad drehen.

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