1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Weizen "vor die Säue" geworfen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

HP_0LOK06TZH-B_171047_4c_2
Hessenpark-Landwirt Volker Weber baut den Weizen im Hessenpark an wie in alten Zeiten. © saltenberger

Hessenpark-Landwirt Volker Weber sieht in Tierfütterung großes Problem

Neu-Anspach -Zur Sache mit dem Weizen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, ist er in aller Munde, zumindest als Problemfeld, denn das überfallene Land kann kein oder weniger Getreide in die Welt liefern, was in anderen Regionen - genannt wird an erster Stelle stets Afrika - zu Hunger führt.

Nach Wikipedia, das sich auf die "Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen" und Zahlen aus 2020 bezieht, ist China der weltweit größte Weizenproduzent, gefolgt von Indien, Russland, den USA, Kanada, Frankreich und Pakistan. Die Ukraine produziert halb so viel wie die Vereinigten Staaten und Deutschland liegt knapp hinter der Ukraine. Noch unter den zehn größten Weizenproduzenten ist die Türkei, und wer mit einheimischen Landwirten spricht, erfährt, dass Deutschland sich, was die Menge betrifft, selbst mit Weizen versorgen kann.

280 Kilo Getreide

bis zum Schlachten

"Das Problem ist die Tierfütterung", sagte der Landwirt im Hessenpark, Volker Weber, wo der Weizen praktisch als Kulturgut eine Sonderrolle spielt. Aber er steht nicht nur zum Anschauen auf dem Acker. Dies sinnfälliger Weise direkt vor der Windmühle, denn der historische Kontext gehört zum Konzept des Freilichtmuseums.

Wie in alten Zeiten wird er angebaut, auf mineralischen Dünger wird verzichtet, und gilt damit als Bioweizen. Im Hessenpark wird die Dreifelderwirtschaft gepflegt, das heißt, der Winterweizen folgt auf eine Brache, die aber mit Hornklee bestellt wird. Das baut den Boden auf und der Klee kann gleichzeitig als Futterpflanze genutzt werden. Auf den Weizen folgt eine Sommerfrucht, beispielsweise Sommerweizen oder Hafer.

Der Winterweizen ist weltweit die vorherrschend angebaute Sorte. Er wird im Herbst gesät, im Hessenpark kommt dabei ein einfacher Traktor zum Zug, auch bei der mechanischen Beseitigung des Unkrauts mittels der Striegel. Weber ist mit dem Weizenjahr 2021/22 zufrieden, die Trockenheit der letzten Wochen wirke sich nicht mehr auf den Ertrag aus, da das Frühjahr genug Regen gebracht habe. Der Winterweizen hat außerdem eine längere Reifezeit als der Sommerweizen. Der spielt im Hessenpark und im gesamten Weizenanbau auch nur eine untergeordnete Rolle. "Im August wird das Getreide geerntet", sagt Weber, dann gibt es wieder etwas zu sehen, denn auch die Dreschtage sind ein besucherträchtiges Spektakel.

Auch im Hessenpark werden Tiere mit dem Weizen gefüttert, aber reduziert, vor allem was die Schweinefütterung angeht. Damit zurück zum Problem Tierfütterung: "Wenn wir weniger Fleisch essen würden, würde das zur Problemlösung erheblich beitragen", erklärt Weber, denn um ein Schwein schlachtreif zu mästen bedürfe es rund 280 Kilogramm Weizen. Was der Hessenpark an Weizen erntet, ist marginal. Er wird außer den Schweinen auch Hühnern, Schafen und Rindern zugefüttert. Der ökologische Anbau ist mit einem geringeren Ertrag verbunden, eine schnelle Schlachtreife der Tiere auf der anderen Seite allerdings auch kein Ziel. Je älter das Schwein, desto weniger bekommt es das eiweißhaltige Getreide

In Deutschland werde zu viel hochwertiger Weizen zur Fütterung eingesetzt, um die Tiere schneller "fett" zu bekommen, weiß Weber. "Schweine sind eigentlich Allesfresser und wurden früher mit dem gefüttert, was man nicht anders verwerten konnte, Küchenabfälle gehörten dazu und sie sind zur Mast in den Wald getrieben worden", so Weber.

Fleischverzicht

könnte helfen

Die Zeit der bäuerlichen Klein- und Kleinstbetriebe mit zwei bis drei Scheinen im Stall sind lange vorbei, auch die Zeiten, wo das Produkt Fleisch selten auf dem Speiseplan stand und geschätzt wurde. Immer mehr Fleischkonsum bedeutet auch, immer mehr hochwertigen Weizen zu verfüttern, respektive, "vor die Säue zu werfen". Aber es gibt in der ökologischen Landwirtschaft und Viehzucht Alternativen.

Weniger Fleisch essen, empfiehlt Hessenpark-Landwirt Volker Weber, dies würde zur Problemlösung beitragen, und zwar über das Problem der Weizenverfütterung hinaus, Gülle, artgerechte Haltung, Tiertransporte sind in diesem Zusammenhang weitere Stichwörter, und weniger Fleisch essen wäre auch leicht umsetzbar, gerade wo es teurer wird.

Auch interessant

Kommentare