Evangelische Kirche

Weniger Pfarrer für die Gemeinden

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Pfarrerinnen und Pfarrer gehen, wie andere Arbeitnehmer auch, irgendwann in Rente. Was, wenn diese Stellen nicht mehr besetzt werden? Wie gehen die Kirchen damit um? Darüber – und noch viel mehr – informierten sich die Synodalen der Evangelischen Kirche Hochtaunus auf einer Tagung in Oberursel.

Die Kirche verliert Mitglieder, Pfarrer gehen in Rente, Nachfolger gibt es nicht genug. Keine Frage: Die Kirchen stehen vor großen organisatorischen Aufgaben. Eine davon fußte für die Protestanten in einem Beschluss der Kirchensynode der evangelischen Landeskirche EKHN in Sachen Pfarrstellenbemessung. Um dem Rückgang der Mitgliederzahlen – das Dekanat Hochtaunus zählt aktuell 55 500, vor zehn Jahren waren es noch knapp 65 000 – in der Personalplanung Rechnung zu tragen, soll demnach die Anzahl der Pfarrstellen jedes Jahr um 1,4 Prozent reduziert werden. Denn die Vorgabe der EKHN lautet: eine Pfarrstelle für 1500 bis 2500 Gemeindemitglieder. Bei einer halben Pfarrstelle entsprechend 750 bis 1250 Mitglieder.

Für das Dekanat Hochtaunus bedeutet der Rückgang der Mitglieder eine Verringerung der 40,5 Pfarrstellen bis zum 31. Dezember 2022 um 0,5 Stellen und bis zum 31. Dezember 2024 um zwei weitere Stellen. Wie das organisatorisch gestemmt werden kann, darum ging es bei einer Tagung der Evangelischen Kirche Hochtaunus in der Oberurseler Kreuzkirche.

Gleich vorweg: Wie das Stellenkontingent auf die Gemeinden konkret verteilt werden soll, wurde auf dieser Synode nicht diskutiert, heißt es in einer Pressemitteilung des Dekanats Hochtaunus der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und weiter: „Darüber entscheiden muss die Synode bis Ende 2019. Grundlage wird ein von der Steuerungsgruppe erarbeiteter Sollstellenplan sein.“

Dekan Michael Tönges-Braungart und Pfarrer Christoph Gerdes aus Ober-Erlenbach, beide Mitglieder der von der Dekanatssynode eingesetzten Steuerungsgruppe zur Pfarrstellenbemessung, erläuterten aber die erarbeiteten Kriterien, nach denen vorstellbar wäre, wie die Pfarrstellen im Dekanat Hochtaunus auf die einzelnen Kirchengemeinden verteilt werden können: „Die Kooperation in Nachbarschaftsregionen erscheint der Steuerungsgruppe in Zukunft als notwendig“, sagte Gerdes. „Stellenkürzungen sollten nicht von den betroffenen Gemeinden allein gestaltet werden. Schließlich gibt es innerhalb der Region Aufgaben wie zum Beispiel die Betreuung von Altenheimen, die zwischen den Pfarrpersonen aufgeteilt werden können. Dadurch kann Schwerpunktsetzung ermöglicht werden und ein gewisser Ausgleich zwischen Pfarrstellen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen stattfinden.“

Jens-Markus Meier, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Dekanats Hochtaunus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, erklärte auf Anfrage dieser Zeitung: „Die Sommerkirche im Usinger Land ist ein gutes Beispiel für solche Aufgabenteilung. Wir haben das den ,Kanzeltausch‘ genannt, wenn der Pfarrer aus Arnoldshain den Gottesdienst in Neu-Anspach gestaltete oder die Pfarrerin aus Eschbach den in Usingen. Und das kam und kommt gut an.“ Man kann also davon ausgehen, dass der „Kanzeltausch“ fortgesetzt wird.

Handlungsspielraum über die Art der Kooperation verleiht den Kirchengemeinden das neue Kirchengesetz über die regionale Zusammenarbeit in der EKHN. Das Gesetz bietet einen Rahmen, innerhalb dessen Gemeinden ihre Zusammenarbeit in verschiedenen Formen regeln können. Im Einzelnen sind diese Formen: Pfarramtliche Verbindung, Arbeitsgemeinschaft, Kooperationsraum, Kirchlicher Verband, Gesamtkirchengemeinde und Gemeindezusammenschluss.

Die Entscheidung darüber, welche der Kooperationsformen eine Gemeinde wählt und ob sie überhaupt eine Kooperation eingehen möchte, fällt natürlich jede Kirchengemeinde selber. „Aber Kooperation wird im Taunus bereits jetzt groß geschrieben. So teilen sich zum Beispiel die Christuskirchengemeinde und die Auferstehungsgemeinde in Oberursel bereits ein Gemeindebüro. Und unsere beiden Jugendreferenten organisieren Jugendfreizeiten für die Gemeinden im ganzen Kreis. Wenn das nicht mehr jeder Pfarrer selbst machen muss, hat er mehr Zeit für anderen Aufgaben“, sagt Meier.

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