Multitalent in Sachen Ehrenamt

Wenn engagiert, dann richtig

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Patricia Ehl beherrscht das ehrenamtliche Multitasking aus dem Effeff. Für ihr vielseitiges Engagement in Kirche und Gesellschaft wurde die Falkensteinerin jetzt mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen bedacht.

Nimmt man die Zahl der Gratulanten als verlässlichen Anhaltspunkt dafür, wie verdient eine Auszeichnung ist, dann war die für Patricia Ehl längst überfällig. Familie, langjährige Weggefährten aus Vereinen wie Kirche und Verantwortliche der Stadt hatten sich am Dienstagnachmittag in großer Zahl im Magistratszimmer eingefunden, um der Falkensteinerin für ihr langjähriges wie vielfältiges Engagement zu danken und ihr zur Verleihung des Landesehrenbriefs zu gratulieren.

Gründe, ihr diesen zu verleihen, gab und gibt es viele. Schließlich ist Ehl so etwas wie ein „ehrenamtliches Multitalent“ im Stadtteil und darüber hinaus, wie Gerhard Hablizel (FDP), stellvertretend für den Falkensteiner Ortsbeirat, feststellte. Langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe des Bundes der Vertriebenen in Falkenstein und Königstein, überzeugte wie tatkräftige Katholikin und neuerdings zudem stellvertretende Vorsitzende von „Lukas 14“, einem Verein, der sich die Integration und Kultur für Menschen mit Behinderungen auf die Fahnen geschrieben hat – die Liste ist lang und ließe sich noch verlängern, zum Beispiel um das Mitwirken im Vereinsring.

„Frau Ehl ist oft die Erste, die ich treffe, wenn ich zu einer Veranstaltung nach Falkenstein komme“, konstatierte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) mit einem Augenzwinkern, sitze sie doch meist am Eingang, verkaufe die Karten und habe einen achtsamen Blick auf die Kasse. Für Helm ein Sinnbild der Überzeugung, mit der Ehl ans Werk geht, für sie selbst eine Selbstverständlichkeit. Wenn engagiert, dann richtig. Zumal die neue Trägerin des Landesehrenbriefs von sich selbst sagt, dass sie „gerne Verantwortung“ übernimmt.

Eine Aussage, die man so hierzulande immer seltener hört. Was sie dabei antreibe? Ganz sicher nicht die Suche nach persönlichen Vorteilen, betont Ehl. Die würde sie im Ehrenamt auch vergeblich suchen. „Es war mir schon immer ein Bedürfnis, Menschen zu helfen, die am Rande der Gesellschaft stehen, und ihnen das Gefühl zu geben dazuzugehören.“

Dieses Ziel verfolge sie nicht nur mit ihrem Engagement bei „Lukas 14“, von dessen Arbeit sie vom Fleck weg begeistert gewesen sei, als sie 2009 erstmals in Frankfurt dessen Evangelienspiel gesehen habe, sondern seit vielen Jahren auch in der Ortsgruppe des Bundes der Vertriebenen.

Gerade heute, da die Zahl der Vertriebenen einerseits zwar immer kleiner, die Verbliebenen aber andererseits auch immer älter würden, sei es ihr wichtig, für diese Menschen da zu sein.

„Wir dürfen diese Leute nicht allein lassen“, betont Ehl, die zunehmend die Erfahrung macht, dass diese Generation sich nach langem Schweigen heute sehr intensiv mit ihrer Vertreibung beschäftigt und dem, was sie in dieser Zeit erleben und erdulden musste. Hier zuzuhören, so die Falkensteinerin, sei für sie auch persönlich ein Gewinn, bekomme sie doch ein Gefühl dafür, was es für diese Menschen bedeute, die eigene Heimat verloren zu haben.

„Meine Familie stammt selbst aus Schlesien und fand nach dem Krieg hier Aufnahme. Viel weiß ich aus unserer eigenen Vergangenheit allerdings nicht“, unterstreicht die gebürtige Falkensteinerin. Rückblickend bedauere sie es doch sehr, dass ihr Vater, der vor ihr den Vorsitz des Vertriebenenverbandes führte, nur sehr selten von dem erzählt habe, wie es ihm und der Familie nach 1945 ergangen ist. Vor diesem Hintergrund sei ihr Engagement im Vertriebenenverband – seit wenigen Wochen gehört Ehl sogar dem Vorstand der „Landsmannschaft der Schlesier“ an – auch der Suche nach den eigenen Wurzeln geschuldet.

Wie sie in den vergangenen gut 25 Jahren ihr vielfältiges Engagement samt Familie mit Ehemann und drei Kindern unter einen Hut gebracht habe? Rückblickend betrachtet, frage sie sich das selbst manchmal, unterstreicht Patrizia Ehl schmunzelnd. Irgendwie sei eben das eine zum anderen gekommen – gerade in der Christkönig-Gemeinde.

Über die Gründung des Fördervereins für den katholischen Kindergarten führte ihr Weg in den Pfarrgemeinderat, an dessen Spitze und bis hin zur Initiierung des Fördervereins der Kirche, dem sie ebenfalls nach wie vor angehört.

Sogar ihr Bemühen, den eigenen Einsatz in der katholischen Kirchengemeinde ein wenig zurückzufahren, habe sich letztlich ins Gegenteil verkehrt.

„Nach 12 Jahren als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats in Falkenstein dachte ich eigentlich, dass ich mit meinem Wechsel in den Bezirkssynodalrat etwas kürzer treten könnte. Doch es ist sogar noch wesentlich mehr Arbeit geworden“, lacht Patrizia Ehl.

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