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Wenn Offiziere Schülern Krieg erklären sollen

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Hochtaunuskreis. Sturmgewehre, die bei Hitze nicht richtig schießen, Hubschrauber, die nicht fliegen, ein sich schnell drehendes Postenkarussell an der Spitze der Bundeswehr - all das lässt die einstmals von »Bürgern in Uniform« gebildete Truppe öffentlich nicht im besten Licht erscheinen. Und all das ist auch eher kein Thema für den Kreistag.

Und doch hatte die FDP beim Zustand der Bundeswehr, gerade vor dem Hintergrund des völkerrechtswidrigen russischen Überfalls auf die Ukraine, Gesprächsbedarf. Die Liberalen forderten in der jüngsten Sitzung mit einem Antrag, der Kreis möge der Initiative der Bundesregierung, die Folgen des Ukraine-Krieges im Schulunterricht altersgerecht zu thematisieren, beitreten. Dazu sollten Jugendoffiziere der Bundeswehr in die Schulen eingeladen werden. Kinder und Jugendliche bekämen im Elternhaus zwar durchaus Informationen zum Zeitgeschehen. Es gelte aber, daran zu arbeiten, dass die Bundeswehr wieder als Stütze der Gesellschaft und attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird. Jugendoffiziere hätten genau diesen Auftrag. Am Kreis sei es nun, die dafür nötigen Kontakte aufzubauen, indem junge Offiziere in die Schulen eingeladen werden.

Beratung im Schul-Ausschuss

In der Tat dürfte es dazu kommen, denn auch die Koalition aus CDU, SPD und FW war für den liberalen Vorstoß zu haben, will die Sache aber anders aufziehen, zumal der Kreisausschuss keinen Einfluss auf die Gestaltung der Lehrpläne habe. Zunächst, so ist es Teil eines Änderungsantrags der Koalition, soll ein Jugendoffizier zeitnah in den Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Freizeit eingeladen werden, gleichzeitig aber auch ein Vertreter des staatlichen Schulamtes.

Im Ausschuss könne dann über Kooperationsmodelle zwischen Kreis, Kreisschulamt und Bundeswehr debattiert werden.

Zugleich begrüßt die Koalition die Initiative der Bundesregierung, dafür sorgen zu wollen, den Krieg in der Ukraine und seine Folgen für Deutschland und Europa in altersgerechter Form, im Grundschulbereich unter Einbeziehung der Eltern, zu thematisieren. Wenn Lehrende in den Schulen das Angebot, Jugendoffiziere in ihren Unterricht einzuladen, nutzen wollen, so finde das die Zustimmung der Koalition.

Der Änderungsantrag der Koalition, der den Ursprungs-antrag der FDP überwiegend inkludiert, fand, außer bei der Linken und teilweise bei den Grünen, mehrheitlich Zustimmung. Auch die AfD stimmte zu, hatte aber ebenfalls einen Änderungsantrag gestellt, über den jedoch nicht mehr abgestimmt werden musste. Fraktionssprecher Frank Bücken sagte, Jugendoffiziere in die Schule einzuladen, sei gut, noch besser wäre es aber, auch ukrainische Geflüchtete einzubeziehen. Es sei wichtig, dass in den Schulen bei der Diskussion über den Krieg in der Ukraine auch die Betroffenen gehört werden. Nur so lasse sich die komplizierte historisch geprägte Gemengelage zwischen West- und Osteuropa verstehen, sagte später auch AfD-Sprecherin Ileana Vogel.

Eine andere Sicht der Dinge hatte Werner Frey (Linke). Ein so flammendes Plädoyer für die Bundeswehr habe er lange nicht mehr gehört, dabei sei der FDP-Antrag ein »Schlag ins Gesicht«. Die Bundeswehr gehöre nicht in die Schulen, sagte er und warb für »Friedenspolitik«, die sehr wohl in den Schulen thematisiert werden solle. Wer Wehrdienst leiste, müsse damit rechnen, dass er getötet wird. Dabei sei doch jeder Tote einer zu viel.

Zwischenrufe: »Putinfreund«

Den Antragstellern warf Frey, von Zwischenrufen wie »Putin-Freund«, begleitet, »Politikvergessenheit« vor. Er sagte, als er den Dienst an der Waffe verweigerte, habe es noch die Gewissenprüfung gegeben. Er erinnere sich noch an seine Schulzeit, als seine Klasse ausgerechnet in Geschichte von einem »alten Nazi« unterrichtet worden sei.

Holger Grupe (FDP) nannte Freys Rede, in der er Bezüge zum Nationalsozialismus anklingen lasse und so tue, als sei nur für die Linke jeder Kriegstote einer zu viel, »unverschämt«. Wenn man Frey so reden höre, könne man auch gleich »die russische Fahne raushängen«.

Die Rolle der Bundeswehr in der Gesellschaft mithilfe von Jugendoffizieren zu beleuchten und sie auch in den Schulen zu thematisieren, sei eine Chance, die es zu nutzen gelte, sagte Bernhard Schneider (SPD), der bedauerte, dass das wichtige Thema zerredet werde. Laura Burkart-Gorißen (Grüne) hat keine Bedenken, dass Lehrer Schülern ihre Meinung aufzwingen. Sie verdienten das Vertrauen der Politik. Es solle in der Entscheidung der Lehrer liegen, wen sie sich zur Vertiefung der Lerninhalte einladen.

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