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Leidenszeit für Allergiker: Diese Frau schnäuzt hinter einer Birkenblüte in ein Taschentuch.

Heuschnupfen

Wenn Pollen zur Plage werden: Apotheker gibt Tipps für Allergiker

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Der Frühling mit seiner Blütenpracht treibt Allergiker oft zur Verzweiflung. Überall in der Luft befinden sich Pollen. Sie provozieren Niesattacken und machen oft genug das Atmen schwer. Manche Betroffene leiden monatelang unter dem sogenannten Heuschnupfen.

Dr. Rudolf Brehm leidet seit seiner Kindheit unter einer Pollenallergie. „Ich wurde im August immer wegen Schnupfen ins Bett gesteckt, bis klar war dass das keine Erkältung, sondern eine Allergie ist“, erinnert sich der Usinger Apotheker. Losgeworden ist er seine Allergie bis heute nicht, aber sie hat sich verändert und er kann damit umgehen.

Was ist überhaupt eine Allergie? Dr. Brehm definiert sie als „extrem ausgeprägte, fehlgeleitete Abwehrreaktion des Körpers auf etwas Unbekanntes“. Das Unbekannte sind in diesem Fall Zellen in der Blüte, die das männliche Erbgut der Pflanzen übertragen. Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, werden vom Wind verweht und machen denen, die darauf reagieren das Leben schwer.

Die Symptome des Heuschnupfens betreffen hauptsächlich die Schleimhäute. Immer mehr Menschen haben damit Probleme, obwohl Pollen im eigentlichen Sinn keine Krankheitserreger sind. Meistens bleibt es bei lästigem Augentränen und Schniefen. Schnelle Linderung tritt ein, wenn man das betreffende Allergen meidet. Bei Regen oder kurz danach befinden sich weniger Pollen in der Luft. In dieser Zeit können Allergiker am besten frische Luft schnappen.

Aber wer bleibt schon bei schönstem Sonnenschein gern in geschlossenen Räumen und lässt alle Fenster zu? Zumal Blütenpollen durch kleinste Ritzen dringen. „Die sind überall, wenn Allergiezeit ist“, weiß Dr. Brehm, der von Luftreinigern nicht viel hält. Wenn die Tür aufgeht, komme der nächste Schwung. Was kann man sonst tun? „Heilbar ist Pollenallergie nicht, aber wer darunter leidet, kann versuchen seinen Körper daran zu gewöhnen, dass dieser die eigentlich harmlosen Pollen nicht mehr als Feind erkennt“, sagt der Fachmann.

Nicht verschreibungspflichtige Medikamente helfen laut Dr. Brehm in den meisten Fällen. Diese sogenannten Antihistaminika beruhen in der Regel auf zwei Substanzen. „Ob Cetirizin oder Loratadin am besten wirkt, muss jeder für sich ausprobieren“, sagt er. Begleitend empfiehlt er antiallergische Augentropfen und Nasensprays. Die unterschieden sich in der Zusammensetzung von herkömmlichen Mitteln gegen Erkältung oder trockene Augen. Allergien dürften nicht unterschätzt werden. Bei anhaltenden und starken Beschwerden, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, rät der Apotheker. Denn es bestehe unter Umständen die Gefahr, dass sich daraus Asthma entwickelt. Im Extremfall könne es zu bedrohlicher Atemnot kommen.

Der Arzt stelle über verschiedene Tests oder eine Blut-Untersuchung fest, gegen welche Pollen ein Patient allergisch ist und könne dann weitere Maßnahmen einleiten. „Wenn auch die gezielte Desensibilisierung nicht hilft, verschreibt der Arzt Cortison-Präparate“, weiß der Apotheker.

Generell gebe es nichts, wogegen man nicht allergisch reagieren könne, sagt Brehm. Der aus Erfahrung weiß, dass sich Allergien verändern können. Bei rund der Hälfte der Pollenallergiker entwickelten sich Kreuzallergien. „Wer auf Birkenpollen reagiert, ist oft auch gegen Äpfel allergisch, weil die Allergene sich stark ähneln und das Immunsystem diese nicht unterscheidet“, nennt er als Beispiel. Aus einer Pollenallergie könne sich auch eine Lebensmittelallergie entwickeln.

Aber letztlich sei jede Allergie und deren Verlauf sehr individuell. „Manchmal bessern sich die Symptome mit den Jahren von alleine, in anderen Fällen verschlimmern sie sich, und manche Allergie tritt erst im Alter zum ersten Mal auf.“ Er persönlich hat folgende Erfahrung gemacht: „Mein Körper hat gelernt, mit der Getreideallergie umzugehen und ich bin im Sommer nahezu beschwerdefrei“, erzählt er. Dafür reagiert er inzwischen immer mal auf Haselnuss und andere Frühblüher.

Wann und wie bei anfälligen Menschen das Schniefen und Augentränen beginnt und wie lange es anhält, ist jedes Jahr unterschiedlich. Aktuell ist laut Dr. Brehm die Pollenlast extrem hoch, weil es lange kalt war und jetzt alles in der Natur explodiert.

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