In den Bunkern im Munitionslager Köppern lagern auch Raketen des Typs LARS 110 Millimeter. Die Bundeswehr widerspricht nun aber Darstellungen, dass diese sich selbst entzünden könnten.
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In den Bunkern im Munitionslager Köppern lagern auch Raketen des Typs LARS 110 Millimeter. Die Bundeswehr widerspricht nun aber Darstellungen, dass diese sich selbst entzünden könnten.

Bundeswehr widerspricht

Gefahr der Selbstentzündung? „Schwitzende“ Raketen im Hochtaunus

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Einem Bericht zufolge haben die bei Köppern im Hochtaunus gelagerten Raketen eine hohe Gefahr der Selbstentzündung. Die Bundeswehr widerspricht.

Friedrichsdorf – Dass die Bundeswehr im Munitionsdepot Köppern nicht nur kleine Kaliber lagert, ist bekannt. Doch einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" zufolge soll für die 110-Millimeter-Raketen für das Leichte Artilleriesystem (LARS) eine hohe Gefahr der Selbstentzündung bestehen. Die Bundeswehr widerspricht.

Rund 33 000 der inzwischen ausgemusterten Raketen lagern in sechs Munitionslagern in Deutschland, darunter im Depot Köppern. Dort, auf einem Areal im Wald zwischen Wehrheim und Rosbach, befindet sich das zweitgrößte Munitionsdepot der Bundeswehr. Wie viele Raketen dort genau lagern, darüber machte Oberst Thomas Scheibel von der Pressestelle des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr aus sicherheitstechnischen Gründen keine Angaben.

Er bestätigte aber, dass eine Art Ölfilm am Raketenmotor austrete, der das hochexplosive Nitroglyzerin enthält. Allerdings zu einem Anteil von unter fünf Prozent, der Rest sei größtenteils Öl und Fett. Zum Vergleich führte Scheibel an, dass jeder mit einem Chemiker-Nachweis Lösungen von bis zu zehn Prozent Anteil an Nitroglyzerin einfach per Post bestellen könne.

"Kurzschuss" löste Untersuchungen im Munitionsdepot in der Nähe von Bad Homburg aus

Der Autor des "Spiegel"-Artikels habe dies auch in einem Gespräch erläutert bekommen. Warum er nun von einer hohen Gefahr der Selbstentzündung spreche, sei für das Bundesamt nicht nachvollziehbar. Die Gefahr der Selbstentzündung sei für die nächsten Jahre auszuschließen.

"Da wir täglich mit hochexplosiven Stoffen umgehen, nehmen wir immer zunächst den denkbar schlimmsten Fall an", erläutert Scheibel die Vorgehensweise der Experten. Die derzeit laufenden Gutachten ergäben aber inzwischen ein anderes Bild. Sie sollen bis Ende dieses Quartals abgeschlossen sein.

Zur Vorgeschichte: Die zwischen 1981 und 1989 gefertigten Raketen wurden ursprünglich für LARS beschafft. Das letzte System LARS II wurde 2000 außer Dienst gestellt. Die Bundeswehr nutzte im Anschluss die verbliebenen Bestände dieser Raketen zur Ausbildung der Besatzungen des Mittleren Artillerieraketensystems MARS II. Nachdem im März 2019 während einer Übung ein sogenannter "Kurzschuss" erfolgte (die Rakete erreichte nicht die vorher berechnete Zielkoordinate), wurden alle Raketen dieses Typs für Übung und Ausbildung gesperrt.

Munitionslager in Köppern im Hochtaunus: Raketen für Transport gesperrt

Bei einer Untersuchung wurden Ausschwitzungen einer ölartigen Substanz an der Oberfläche der Raketenmotor-Isolierung festgestellt. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Raketen bis zum Abschluss weiterer Untersuchungen auch für die Handhabung und den Transport gesperrt.

Ein Raketenwerfer der Bundeswehr: Bei Übungen mit dem Raketensystem LARS kam es zu einem "Kurzschuss". Bei Untersuchungen stellte die Bundeswehr Schäden an den Raketen fest.

Aufgrund des Alters der Raketen könne es zu nitroglyzerinhaltigen Ausschwitzungen aus den Raketenmotoren kommen. Das langfristige Phänomen des Ausschwitzens sei aufgrund physikalischer und chemischer Vorgänge nicht vermeidbar und werde daher neben anderen Aspekten regelmäßig überprüft. Eine Selbstentzündung der Raketenmotoren sei aufgrund eines ausreichenden chemischen Schutzes durch einen enthaltenen Stabilisator für die kommenden Jahre ausgeschlossen.

Raketen in der Nähe von Bad Homburg: Abtransport zu erwarten

Oberst Scheibel sagt: "Die Lagerung von Munition unterliegt strengen Sicherheitsauflagen. Sie erfolgt in speziellen und gehärteten Munitionslagerhäusern, die sich in gesicherten militärischen Sicherheitsbereichen befinden. Aufgrund dieser strengen Sicherheitsauflagen werden Gefahren für die Bevölkerung sowie das Personal bei Einhaltung der Vorgaben ausgeschlossen. Meldungen zu Schließungen von Munitionsdepots entsprechen nicht den Tatsachen."

Derzeit werde bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen mit besonderer Dringlichkeit chemisch und mechanisch geprüft, ob die Artillerieraketen zum Zwecke der Entsorgung sicher transportiert werden können. Nach den bisher vorläufigen Ergebnissen sei die Munition als lager- und transportsicher zu bewerten. Bestätigen sich die Ergebnisse, wird der Abtransport freigegeben werden können. Angesichts des Umfangs der in Rede stehenden Munition ist eine Entsorgung durch gewerbliche Unternehmen vorgesehen.

Eine Ausschreibung dafür sei schon im Dezember vorgenommen worden, Dringlichkeit habe nach Prüfung nicht bestanden, sagte Scheibel. Die Entsorgung soll dann im zweiten Quartal beginnen. Die Raketen sollen nicht gesprengt, sondern so entsorgt werden, dass wertvolle Teile recycelt werden können. (Thomas Kopp)

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