Der Ober-Erlenbacher Christian Mayer vor seinem Feuerwehr-Einsatzfahrzeug in Abu Dhabi.
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Der Ober-Erlenbacher Christian Mayer vor seinem Feuerwehr-Einsatzfahrzeug in Abu Dhabi.

Christian Mayer ist Feuerwehr-Ausbilder im Emirat

Wenn’s brennt in Abu Dhabi

  • VonClaudia Rundel
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Die Arbeit als Feuerwehrmann gehört schon seit Jahren fest zum Leben von Christian Mayer. Was in der freiwilligen Wehr Ober-Erlenbachs begann, führte ihn in eine Welt, von der einige hier in der Kurstadt träumen: die Arabischen Emirate.

Wenn man Christian Mayer fragt, was ihn an dem Thema Feuerwehr so faszinierte, dass er unbedingt Mitglied werden wollte, kommt gleich eine ganze Liste: „Anderen Menschen helfen, sinnvolle Freizeitgestaltung, Zusammenhalt, Arbeit im Team und natürlich die Technik.“

Lange ist er mittendrin im Feuerwehrleben. Die Begeisterung ist bis heute geblieben. Verändert hat sich seine Arbeit. Aus dem Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Erlenbach wurde vor gut einem Jahr das Leben als Berufsfeuerwehrmann – und das weit ab von Taunus und Erlenbach: Der 24-Jährige lebt und arbeitet in Abu Dhabi.

An die erstaunten Blicke, wenn er daheim im Taunus von seinem Einsatzgebiet erzählt, hat sich der 24-Jährige mittlerweile gewöhnt. Für die Menschen in Abu Dhabi indes ist es nicht ganz so ungewöhnlich, dass ein Deutscher in den Emiraten seinen Dienst tut. „Hier leben und arbeiten rund 300 deutsche Berufsfeuerwehrleute. Die meisten als Ausbilder“, erzählt Mayer. Das kommt nicht von ungefähr. Denn vor einigen Jahren wurde in den Emiraten ein völlig neues Feuerwehrsystem etabliert. Dazu informierten sich die Verantwortlichen weltweit über die unterschiedlichen Systeme. Das deutsche beeindruckte dabei offenbar am meisten. Vieles wurde nahezu 1:1 aus Deutschland übernommen – Ausbildung wie Technik. So fahren in Abu Dhabi etwa Einsatzfahrzeuge, die auch in der Bundesrepublik unterwegs sind. Und deutsche Feuerwehrleute waren von Beginn an beim Aufbau als Ausbilder tätig.

Lange gesucht

Christian Mayer ist einer davon und versieht seinen Dienst als Ausbilder und Gruppenführer des ersten Löschfahrzeugs. Wie aber kommt man vom Erlenbach in den arabischen Raum? „Ich habe einen Bericht über die Arbeit der Feuerwehr in Abu Dhabi gelesen, der mich fasziniert hat“, erzählt er. Lange musste er im Internet suchen, um mehr zu erfahren. Er bewarb sich, wurde engagiert und ist seit gut einem Jahr „Firefighter“ in Ruweis, der „Western Region Abu Dhabi“, mitten im Öl-Mekka.

Einsätze, die direkt mit dem „schwarzen Gold“ zu tun haben, hat er übrigens erstaunlicherweise äußerst selten. Meist geht es um allgemeine Brände, wenn er mit den Kollegen ausrückt. Einer der Gründe liegt auf der Hand: „Wir haben hier im Sommer bis zu 55 Grad.“ Hitze, das beschert natürlich auch Brände. So fremd anfangs Land und Leute waren – die Abläufe im Ernstfall waren dem 24-Jährigen sofort vertraut, weil auch sie übernommen wurden.

Die Akzeptanz der Arbeit der Firefighters in der Bevölkerung ist hoch. Und so gibt es als kleinen Dank für ein gelöschtes Feuer schon einmal kalte Getränke von Anwohnern, die bei der vorherrschenden Hitze gerne angenommen werden. Doch es sind nicht diese Gesten allein. „Die Menschen hier sind insgesamt ausgesprochen herzlich“, hat der Ober-Erlenbacher erfahren.

Kiste Äppler: 50 Euro

Natürlich bleibt gelegentliches Heimweh nicht aus. Auch ein kühles Glas Äppler vermisst Christian Mayer von Zeit zu Zeit schon. Theoretisch wäre auch der zu bekommen. „Aber dafür müsste ich 500 Kilometer weit fahren und dann kostet der Kasten 50 Euro.“

Gerne lange unterwegs ist Mayer, wenn es um die Freizeit geht. „Ich möchte die Region entdecken. Das, was ich bisher kennengelernt habe, ist fantastisch“, schwärmt der Ober-Erlenbacher. Ob riesige Schildkröten, die er beim ersten Tauchgang sichtete, oder die riesigen Luxus-Einkaufszentren – die Emirate haben schon jetzt viele bleibende Eindrücke hinterlassen.

Noch ein paar Jahre möchte der 24-Jährige bleiben, sich weiter qualifizieren und gerne auch auf der Karriereleiter weiter hinaufsteigen. Auch Arabisch lernen steht an, wenngleich die Kommunikation mit den Kameraden größtenteils in Deutsch oder Englisch läuft.

Wie sein Alltag bei den Firefighters aussieht, was er erlebt, das schildert er in einem Blog, den er gleich anfangs eingerichtet hat. „Zum einen mache ich das für meine Familie, Freunde und Kameraden daheim“, erklärt er. Aber er möchte mehr: „Ich möchte Kameraden, die wie ich damals an der Arbeit hier interessiert sind, den Einstieg erleichtern. Sie sollen nicht suchen müssen wie ich, sondern sich ein umfassendes Bild machen können, Erfahrungsberichte lesen und Kontaktadressen finden können.“

Offenbar klappt es, denn Mayer hat mittlerweile Anfragen aus vielen Ländern von Rumänien bis Australien. Und er hat schon neue Kollegen, die über seinen Blog den Weg in die Emirate gefunden haben, sogar den ersten aus dem Hochtaunuskreis.

Hier geht es zum Blog aus Abu Dhabi:

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