1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Wer war beim Rennen dabei?

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schmitten. Der 45-Jährige aus dem Rodgau sagt es eher beiläufig, so wie andere die Titel ihrer Kochbuchsammlung aufzählen: Statt Herdfibeln sammelt er Autos, darunter sehr teure, sehr schnelle und sehr seltene Exemplare. Und ja, wenn er auf Instagram gefragt werde, ob er Zeit für ein Foto-Shooting habe, dann stelle er seine hochmotorisierten Wagen auch gerne mal zur Schau - vorausgesetzt, er hat Zeit.

Am 2. Mai 2021 hatte er Zeit, was ihm eine Anklage vor dem Königsteiner Amtsgericht wegen eines illegalen Autorennens einbrachte. An diesem Sonntag soll er laut Amtsanwaltschaft mit seinem Porsche GT 3 RS (200 000 Euro, 700 PS) gegen Abend am Feldberg einen damals 60-jährigen Schmittener zu einem Ausweichmanöver genötigt haben. Beweisen konnte das Gericht dem Mann das allerdings nicht. Im Prozess gab es nämlich mehr Ent- als Belastendes, weshalb am Ende nur ein Freispruch blieb.

Zum Zeitpunkt der Tat und in den Minuten danach stand der Porsche, von einem Polizisten als »babyblau« bezeichnet, auf demselben Parkplatz unterhalb vom »Sprungbrett« wie das Auto des sich von seinem Schreck erholenden Zeugen. Davon konnte sich das Gericht anhand eines Screenshots eines am Tattag gedrehten Videos überzeugen.

Verteidigerin: »Verwechslung«

Und da der Zeuge angegeben hatte, dass die beiden Boliden, die ihn so sehr in Bedrängnis gebracht hätten, dass er habe ausweichen müssen, um einen Frontalcrash zu verhindern, nach dem Manöver auf der anderen Seite des Bergs auf Nimmerwiedersehen die Talabfahrt gewählt hätten, konnte der Angeklagte gar nicht einer der beiden Raser gewesen sein - jedenfalls nicht für den angeklagten Vorfall um 18.10 Uhr. Dass er zum Club der Eiligen aus dem automobilen Oberhaus gehört hat, das gab der Mann zu. Nie habe er aber jemanden gefährdet. Das müssten dann andere gewesen sein, »sicher eine Verwechslung«, so die Verteidigerin.

Was der Zeuge zu berichten hatte, ließ normal motorisierten Autofahrern schier das Blut in den Adern gefrieren: Als er mit seinem Ford Focus vom Sandplacken in Richtung Kleiner Feldberg gefahren sei und sich dem »Sprungbrett« unterhalb des Plateaus genähert habe, seien ihm in einem wahren Höllentempo zwei nebeneinander fahrende, sich offenbar überholende Porsche entgegengekommen, »sicher mit dem Doppelten des erlaubten Tempos, vielleicht noch schneller«. Der eine Porsche sei ein »komisch blauer« gewesen, der andere sei rot und so schnell weg gewesen, dass er sich nur das Kennzeichen des blauen habe merken können. Im Kennzeichenmerken sei er nämlich ganz gut, erklärte der Schmittener.

Ganz so gut dann aber wohl doch nicht, denn bei der Schilderung im Zeugenstand nannte er zwar auch Kennzeichen, das des Angeklagten war aber nicht dabei, dafür eins mit »MZ« und eins mit »HG«. Und auch der zweite Porsche war nun doch eher ein BMW. Zur Klärung der Schuldfrage konnte der Mann mit dieser Aussage also wenig beitragen.

Dennoch vermittelte er dem Gericht einen Eindruck von dem, was sich an jenem Mai-Sonntag zugetragen hat. Es sei fotografiert, gefilmt und ohrenbetäubend gerast worden, auch eine Drohne habe von oben zugeschaut, und unten auf der Straße hätten »Start/Ziel-Flaggen« und bunte Werbebanner geweht.

Ganz gesittet und ohne Gefährdung

Der Angeklagte indes hatte versucht, all das als eine Art Marketing-Veranstaltung für Autopflegemittel darzustellen, für das man seinen Porsche gebucht habe. Nachdem er die Einladung angenommen habe, sei es erst in den Frankfurter Hafen zum Shooting gegangen, dann habe man auf der Autobahn Richtung Taunus gefilmt - alles ganz gesittet und ohne Straßenverkehrsgefährdung, schließlich vorm Kronberger Schlosshotel und dann vor der Villa Rothschild in Falkenstein, von wo es dann Richtung Feldberg gegangen sei.

Auch interessant

Kommentare