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»WG 60 +« will Wohngemeinschaft in Neu-Anspach gründen

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Die Runde um Ursel Oestreich (rechts) kann sich eher eine Hausgemeinschaft als eine Wohngemeinschaft vorstellen und hat sich zum ersten »Probewohnen« in einem Hotel verabredet. © Evelyn Kreutz

Bei ihrem Vorhaben, eine Wohngemeinschaft in Neu-Anspach zu gründen, sucht die »WG 60+« nun ein geeignetes Haus. Gar nicht so leicht angesichts der Marktlage...

Neu-Anspach. Die Kinder sind aus dem Haus, das Haus ist viel zu groß. Der Freundeskreis schrumpft, weil immer mehr gute Bekannte nicht mehr leben. Mangelnde Mobilität macht zunehmend einsam. Initiiert von Ursel Oestreich, der Projektleiterin des Café Hartel, hat sich seit dem vergangenen Jahr die Gruppe »WG 60 +« gebildet. Elf von ihnen, nicht nur aus Neu-Anspach, trafen sich am Montagabend in dem Begegnungscafé.

Diese Senioren wollen nicht warten, bis sie nicht mehr selbst bestimmen können, wie sie im Alter leben wollen. Sie suchen nach einer alternativen Lebensform und einer dafür geeigneten Immobilie. »Seit meinem 50. Lebensjahr bin ich überzeugt, dass im vorgerückten Alter gemeinsame Wohngruppen das Beste sind«, sagte eine Teilnehmerin.

Zwischen eigenem Bereich für sich und Aktivitäten in der Gemeinschaft

Sich vom Haus, in dem man sich viele Jahre wohl gefühlt hat, zu trennen, scheint für manche noch nicht vorstellbar. Andere tun sich damit leichter, möchten aber in ihrem Umfeld bleiben.

Eine aus der Gruppe hat ihr Haus inzwischen verkauft und weiß noch nicht genau, wo sie nach dem Auszug hin will. Sie hat von früher Erfahrung mit Wohngemeinschaften (WG) und schätzt es, mit anderen etwas gemeinsam zu tun. Aber sie setzt auch Grenzen beim Teilen: »Ich hätte gerne eine eigene kleine Küche und ein eigenes Bad.«

Eine Witwe weiß, dass sie sich nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten kann. Eine andere Rentnerin berichtet: »Ich habe mich schon wohnlich verkleinert, aber ich vermisse die Gemeinschaft.« Klar ist allen, dass eine Rentner-WG eine geeignete Immobilie braucht. Objekte für ein solches Projekt liegen aber nicht auf der Straße. Neben Einzelzimmern müsste es einen großen Gemeinschaftsraum, etwa eine Wohnküche, geben.

Erster Test in einer Ferienwohnanlage in Cleeberg

Die ursprüngliche Idee, eine Etage im ehemaligen Hochtaunusstift zu nutzen, hat sich erledigt. »Es ist verkauft und wird abgerissen, die Stadt hat aber die Hand drauf, dass es dort seniorengerechtes Wohnen geben wird«, berichtete Oestreich. Eine ehemalige Pension in Neu-Anspach sei inzwischen ebenfalls verkauft.

Ob im Usinger Land Hotels, die nicht mehr in Betrieb sind, in Frage kommen, will Oestreich abfragen. Mit dem Betreiber einer Anlage mit Ferienwohnungen in Cleeberg hat sie schon Kontakt aufgenommen. Dort will ein Teil der Gruppe einmal zum »Probewohnen« übernachten und schauen, ob es dort nicht zu abgelegen ist. Außerdem soll das ein erster Test sein, wie man miteinander auskommt.

Brief mit Appell an den Neu-Anspacher Bürgermeister verfasst

In Usingen und Neu-Anspach geplante Neubauten sind den Senioren bei den ausgerufenen Mietpreisen zu teuer. Eine Chance könnten geplante Objekte der Gemeinnützigen Wohnungsbau GmbH Hochtaunuskreis sein. In einem Brief an Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) appellieren die Senioren an die Politiker, die über 4300 Bürger über 60 Jahren, ein Drittel der Bevölkerung, nicht zu vergessen.

»Das Thema ›Leben im Alter‹ hat viele Aspekte wie Wohnraum und Pflegeplätze für Senioren, die Teilhabe am sozialen Leben und müsste in jeder Sitzungsrunde auf der Agenda stehen«, so Oestreich. Bis eine geeignete Immobilie mit mindestens 300 Quadratmetern Wohnraum gefunden ist, will sich die künftige Wahlfamilie regelmäßig treffen und klären, wem es beim Zusammenleben auf was ankommt.

Nächstes Treffen der »WG 60+« für 18. Mai geplant

Wie viele Bewohner sich ein Haus teilen können, wird von der Größe der Immobilie abhängen. Bei Projekten in anderen Kommunen hat sich laut Oestreich eine Größe von zehn bis zwölf Personen bewährt. Jeder soll ein eigenes Zimmer als Rückzugsort haben. Im Gesellschaftsraum könnte man zu Lesungen, Musik oder politischen Diskussionen auch Gäste ins Haus holen. In einem Fragebogen ermittelt Oestreich nun Bedürfnisse und Interessen, Hobbys, Essgewohnheiten oder Allergien der möglichen Mitbewohner. »Die Chemie muss stimmen«, hieß es.

Der nächste Austausch findet am 18. Mai ab 19.30 Uhr im Café Hartel, Taunusstraße 9, in Anspach statt. Weitere Infos unter Telefon (0 60 81) 9 12 73 15 oder per Mail an ursel.oestreich@basa.de.

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