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Wichtiges Fest der Kelten

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Hier oben liegt noch lange Schnee: Haben die Kelten im Taunus auch das Beltane-Fest in der Nacht zum 1. Mai gefeiert? Möglich wär’s, das Plateau des Altkönigs, umgeben von Ringwällen, erscheint heute wie ein magischer Ort. © Red

Usinger Land. Zwischen der Tagundnachtgleiche um den 20. März und der Sommersonnenwende am 21. Juni liegen die hellsten Tage des Jahres. Das Wachstum der Pflanzen schnellt in die Höhe, Hormone werden aktiv, die Tierwelt sorgt für Nachwuchs, und mittendrin liegt die erste Woche des Wonnemonats Mai, dessen erster Tag seit alters her gefeiert wird. Einen direkten astronomischen Bezug hat der 1.

Mai nicht, und der Ursprung des heute noch verbreiteten Brauchtums, das Aufstellen eines Maibaums beispielsweise oder der Tanz in den Mai sind weitgehend unklar.

Die Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai ist zwar in aller Munde, aber auch hier liegen die Anfänge im Dunkeln - auch wenn ihr Goethe im Faust ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Wobei er auf die »Blockes-Berges Verrichtung« vom deutschen Schriftsteller Johannes Praetorius von 1668 zurückgreift, der die »Hexenfahrt und Zauber-Sabbathe, so auff solchen Berge die Unholden aus gantz Teutschland Jährlich den 1. Maij in Sanct-Walpurgis-Nachte anstellen«, ausführlich beschrieb.

Frivol-schaurig und ekstatisch

Auf dem Brocken im Harz ist die frivol-schaurige und ekstatische Nacht verortet, aber auch ihre Ursprünge sind unklar. Kultische Handlungen auf Berggipfeln lassen an alte Riten heidnischen beziehungsweise vorrömischen Ursprungs denken. »Maia« ist eine altitalische Göttin, deren jährliches Fest im Mai gefeiert wurde und die in keltischen Siedlungsgebieten oft mit Füllhorn dargestellt ist, ihr entspricht in dieser Darstellung die keltisch-germanischen Göttin Rosmerta.

Eine andere Verbindung vom 1. Mai zu den Kelten besteht im Jahreskreis beziehungsweise dem keltischen Kalender, dessen Grundlage das Mondjahr mit zwölf Monaten und 355 Tagen ist, wobei sieben Monate je 30 und fünf Monate je 29 Tage haben. Die Kenntnisse über den keltischen Kalender basieren auf einem archäologischen Fund, der keltische Jahreskreis dagegen ist eine vor allem durch inselkeltisches Brauchtum gespeiste Konstruktion.

Auch Ethnologen sehen im 1. Mai beziehungsweise der Walpurgisnacht neben Halloween ein wichtiges Fest der Kelten, deren Jahr mit dem November begann. Zu Beginn dieses Herbstmonats feierten sie ein Totenfest, das als Allerheiligen in das Kirchenjahr einging. Die Walpurgisnacht hat eine zusätzlich kirchliche Konnotation erhalten, denn es ist der heiligen Walburga gewidmet, die am 1. Mai heiliggesprochen wurde.

Der keltische Jahreskreis, der weitläufig als neopagane Konstruktion betrachtet wird, kennt vier große keltische Mondfeste, darunter das »Beltane«, ein Fruchtbarkeitsfest - gefeiert am 5. Neumond nach der Wintersonnenwende beziehungsweise in der Nacht zum 1. Mai.

Tanzplätze für Hexen

Weitere Feste sind die Nächte zum 1. November (Totenfest), dem 1. Februar (Lichterfest) sowie dem Erntefest in der Nacht zum 1. August. Sie entsprechen den heute noch im bäuerlichen Brauchtum verankerten irischen Festen. »Bealtaine« ist der heutige irische Name des Monats Mai.

Auch um germanische Kulte haben sich fantasievolle Gespinste gebildet. So sollen sich in der Nacht zum 1. Mai Priester mit Hirschgeweihen mit Hexenweibern vereinigt haben, um den Nachwuchs ihres Standes zu zeugen. Das Hirschgeweih findet sich wiederum in der keltischen Symbolik, so auf dem bekannten Druidenkessel von Gundestrup, wo er den keltischen Gott der Fruchtbarkeit, Cernunnos - »der Gehörnte« - mit einem Geweih zeigt. In späteren Walpurgisnacht-Darstellungen, auch bei Praetorius, sind es Böcke, die mit Weibern Unzucht treiben.

In der Walpurgisnacht stehen daher Hexentanzplätze nicht von ungefähr im Fokus der esoterisch durchsetzten Szene, der Brocken im Harz vornweg. Aber es gibt zum Leidwesen der archäologischen Denkmalpflege noch viele »Kraftorte« für paganen Zauber und Neo-Druidentum oder schlichtweg für Romantiker, die sich auf markanten keltischen Siedlungs- oder Kultplätzen in dunkler Nacht ein Stelldichein geben.

Wenn dann der Himmel dazu noch klar und die Nacht mild ist, steht einem Besuch des Hausbergs, des Altkönigs oder dem Glauberg, eigentlich nichts entgegen, und wer nicht auf dem Besen anreist, dem sei ein Fußweg empfohlen. Von einer ausschweifenden Party sollte man allerdings absehen und ekstatische Rituale besser zu Hause ausleben.

In der Walpurgisnacht steht übrigens ein zunehmender Mond in der ersten Phase nach dem Neumond am Westhimmel. Er ist mit Ausnahme des rechten Randes finster.

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