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Wider das Betteln der »Stromer« und »Tagediebe«

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Usingen, 15. Januar 1872

Ich habe wahrgenommen, daß im Laufe der letzten Monate die Bettelei s. g. Handwerksburschen (welche indes meistens nicht Handwerker, sondern Tagediebe und Stromer sind) in ungewöhnlicher Weise zugenommen hat. Die Schuld davon liegt theils daran, daß das Publikum, um die lästigen und unverschämten Gäste möglichst rasch los zu werden, fast regelmäßig Almosen gibt, welche von den Stromern in dem nächsten Wirthshause vertrunken zu werden pflegen, während man richtigerweise diesen Leuten niemals Geschenke geben sollte; theils aber in der zu großen Nachsicht der Polizeiorgane. Wenn die s. g. armen Reisenden erst die Erfahrung machen, daß ihnen Geschenke nicht verabfolgt, daß sie vielmehr durch die Ortspolizeidiener scharf controlirt, und im Betretungsfalle der unterfertigten Stelle unnachsichtig zur weitern Veranlassung zugeführt werden, so werden sie bald aufhören, ihre Schritte vorzugsweise in den hiesigen Amtsbezirk zu lenken.

Die Herren Bürgermeister veranlasse ich, ihre Ortseingesessenen bei sich darbietenden Gelegenheiten auf die erwähnten Übelstände aufmerksam zu machen, besondern aber die Polizeidiener anzuweisen, auf die Bettler mit Eifer zu fahnden, und event. dieselben mir zuzuführen.

Königliches Amt v. Hugo

Aus dem Usinger Anzeiger vom 18. Januar 1872

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