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Wie der Ukraine-Krieg die Landwirte im Hochtaunuskreis trifft

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Von: Matthias Pieren

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Der Bad Homburger Landwirt und Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Stefan Wagner, hat dieser Tage erst sein nach der Ernte eingelagertes Getreide und Korn zur Mühle in den Frankfurter Osthafen geliefert. © Matthias Pieren

Die Preise für Getreide schießen angesichts des Krieges in der Ukraine auf dem Weltmarkt durch die Decke. Die Landwirte im Hochtaunuskreis haben davon allerdings wenig - im Gegenteil.

Hochtaunuskreis. Timo Emmerich aus Wehrheim steuert seinen schweren Lastwagen auf den Kronenhof in Bad Homburg. Sein Landwirtskollege Stefan Wagner hat ihn beauftragt, einen weiteren Teil seines seit der Ernte im August eingelagerten Winterweizens zur Mühle im Frankfurter Osthafen zu fahren.

Insgesamt 50 Tonnen Korn, das im vergangenen Jahr auf den Feldern vor den Toren der Kurstadt reifte und seither auf dem Hof zwischengelagert wurde, transportierte der landwirtschaftliche Fuhrunternehmer zur traditionsreichen Hildebrandmühle, die längst zu einem der führenden Müllereiunternehmen Europas (Good-Mills) gehört.

Getreidepreise teilweise vertraglich schon bei der Ernte festgelegt

Bereits einige Tage zuvor hatte der Landwirt seinen eigenen in Wehrheim eingelagerten Winterweizen nach Frankfurt zum 130 Jahre alten Mühlenbetrieb gefahren. Doch sind die Landwirte keinesfalls Profiteure der sich abzeichnenden Getreideknappheit, die sich durch den Krieg Russlands in der Ukraine auf dem Welt-Ernährungsmarkt abzeichnet. »Der Markt spielt derzeit völlig verrückt. Für mein heute in der Mühle abgeliefertes Getreide habe ich Ende 2020 einen Vorvertrag mit der Mühle abgeschlossen«, berichtet Landwirt Emmerich. »Damals wurde der Verkaufspreis auf 180 Euro pro Tonne fixiert.«

Getreideproduzenten oder -lieferanten, die eher spekulativ wirtschaften und ihr Korn zum jeweiligen Tagespreis anliefern, hätten derzeit mit 380 Euro pro Tonne einen mehr als doppelt so hohen Erlös beim aktuellen Tagespreis erzielt. Doch kein Landwirt hat je einen Krieg in Europa für möglich gehalten und so kühn spekuliert.

Kosten für Dünger steigen seit Ausbruch des Ukraine-Krieges

»Für mich als Landwirt war es bislang sinnvoll, einen Teil der Ernte per Vorvertrag zu verkaufen. Ein anderer Teil wird dann direkt nach der Ernte zum Tagespreis verkauft, der bei der letzten Ernte bei 250 Euro pro Tonne lag«, berichtet Emmerich.

Getreideanbau erweist sich für die heimische Landwirtschaft - anders als für Weltmarkthändler und Spekulanten - also nicht als Goldgrube. Im Gegenteil: Der Getreideanbau wird durch weitere aktuelle Verwerfungen extrem belastet. Da ist es überhaupt kein Trost, dass der Winterweizen bereits auf den Feldern wächst und gedeiht.

Im Gegenteil: Konventionell wirtschaftende Bauern, wie Stefan Wagner vom Kronenhof, erleben derzeit einen nie da gewesenen Engpass und Kostentreiber beim Ankauf von Betriebsmitteln wie Dünger und Pflanzenschutzmittel. »Vor Beginn des Ukraine-Krieges habe ich 19 bis 25 Euro für 100 Kilo Dünger bezahlt«, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. »Anfang März lag der Preis dann bereits bei 65 Euro und Ende vergangener Woche hat mein Händler für den gleichen Dünger dann 90 Euro pro 100 Kilogramm verlangt.« Ein anderer Händler hat von seiner Geschäftsführung sogar ein Verkaufsstopp auferlegt bekommen, weil durch die spekulativen Preissprünge klassische Kalkulation beim Ein- und Verkauf dieser zwingend notwendigen Betriebsmittel nicht mehr möglich sei.

Preise für Sprit und Energie, aber auch für Transport und Futter steigen

Wenngleich der Bio-Landwirt und Schweinezüchter Werner Etzel von besagter Kostenexplosion weniger stark betroffen ist, so tun ihm die dramatisch steigenden Sprit- und Energiepreise natürlich ebenso schmerzhaft im Wirtschaften weh. »Bei allen Betriebsmittel galoppieren die Kosten: Futter-, Transport-, Sprit- und andere Energiekosten werden durch wilde Spekulation getrieben«, sagt der Wehrheimer Landwirt vom Naturkornhof.

Mehr denn je macht er sich Gedanken um die Konzentration der landwirtschaftlichen Veredelungs- und Weiterverarbeitungsbetriebe. So, wie er als Bio-Schweinezüchter seine Tiere mangels regionaler Alternativen in großen Bio-Schlachtbetrieben in Nordrhein-Westfalen schlachten lassen muss, sei die Hildebrandmühle in Frankfurt ebenso die am nächsten erreichbare, wie die Mannheimer Ölmühle für Raps.

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