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Wie die Pfaffenwiesbacherinnen weiter den Flutopfern im Ahrtal helfen

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Karen Sander (links) und Klaudia Skodnik haben unter anderem einen ehemaligen Zirkuswagen für die Aktion »Mal-Zirkus« organisiert, um den traumatisierten Flutopfern im Ahrtal zu helfen. © Ingrid Schmah-Albert

Die Flutkatastrophe im Ahrtal ist mehr ein halbes Jahr her - und doch wird Hilfe weiter gebraucht. Zwei Pfaffenwiesbacherinnen sind mit unterschiedlichen Aktionen weiter engagiert.

Wehrheim-Pfaffenwiesbach. Seit der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli vergangenen Jahres sind die Pfaffenwiesbacherinnen Karen Sander und Klaudia Skodnik regelmäßig mit verschiedenen Hilfsaktionen vor Ort aktiv. Lag am Anfang der Fokus auf Hilfe für verletzte, heimatlos gewordene und traumatisierte Tiere (und ihre Besitzer), hat sich inzwischen die Flutopferhilfe vermehrt auf die Kinder und Familien konzentriert.

So gab es im Dezember etwa die »Wunschbaumaktion«, bei der Kinder sich etwas zu Weihnachten wünschen durften (wir berichteten). »Es hat uns erschreckt, wie viele Kinder sich statt Spielzeug Winterstiefel gewünscht haben«, erklärt Sander nun gegenüber dieser Zeitung. Die Pfaffenwiesbacherin aktivierte daraufhin ihr privates Netzwerk und sammelte zusammen mit Skodnik unter dem Aktionsnamen »Warme Kinderfüße« Spenden für die Anschaffung von Winterschuhen. Da Skodnik Vorsitzende des Vereins »Fortuna hilft« ist, konnten dafür sogar Spendenquittungen ausgestellt werden.

Rund 550 Paar Winterstiefel gesammelt und verteilt

Rund 550 Paar neue Kinder-Winterstiefel konnten so angeschafft werden und sorgten für viele glückliche Gesichter, zumal dadurch die Weihnachtsgeschenkwünsche trotzdem erfüllt werden konnten. »Die Familien haben im Sommer teilweise wirklich alles verloren und sind seitdem zum Teil mit ihren Sommerschühchen unterwegs gewesen«, so die Beobachtung. Zur Freude der beiden Helferinnen hätten viele Spender zusätzlich zu den Schuhen auch Schals und Mützen gespendet. Die Pfaffenwiesbacherinnen bringen die Waren sets persönlich mit einem Transporter ins Ahrtal. »Wir sprechen uns da immer sehr genau mit den Koordinatoren vor Ort ab, damit wir genau das besorgen können, was wirklich gebraucht wird. Es nützt ja nichts, wenn Hilfsgüter am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen«, sagt Skodnik.

Hier ist vor allem die Versorgungsinsel »ZuvAHRsicht« mit Koordinatorin Natalie Reuscher Dreh- und Angelpunkt. »Die Hilfe ist auch weiterhin dringend nötig, denn inzwischen sind einige offizielle Versorgungsstationen wieder abgebaut. Die Infrastruktur ist aber noch nicht wieder richtig hergestellt, viele Familien haben immer noch kein Auto, um in die Nachbarorte zu kommen, Erledigungen machen zu können und die Kinder haben einen teils irre langen Schul-(Um-)weg, weil es noch keine direkten Straßen, Brücken oder Bürgersteige gibt«, berichtet Sander von den Schwierigkeiten vor Ort.

Angebot für eine Auszeit an der Ostsee

Es sei herzerwärmend, wie viel Solidarität nach wie vor vorhanden sei. Gleichzeitig sei es erschreckend, dass aber auch Betrüger, Diebesbanden und andere Kriminelle die Notlage ausnutzten, erzählen die beiden Frauen. Daher sei es wichtig, persönlich und vor Ort in engem Kontakt mit den Betroffenen die Hilfsaktionen zu organisieren und umzusetzen, zumal die Unterstützung seitens der öffentlichen Hand bisher noch sehr spärlich fließe und sehr bürokratisiert sei. »Die Menschen, die alles verloren haben, die in den letzten Monaten vor allem mit Aufräumen beschäftigt waren, die sich teils hoch verschulden mussten, um weiterzukommen und den Wiederaufbau stemmen zu können, belastet es sehr, wenn sie dann auch noch solche bürokratische Hürden überwinden müssen und immer noch auf die versprochenen Gelder warten«, erklärt Skodnik. Viele seien daher seelisch »fertig«.

Daher freuen sich Sander und Skodnik über das unbürokratische Angebot einer Besitzerin von Ferienwohnungen an der Ostsee, die den Flutopfern und Helfern eine Auszeit schenken möchte. Unter diesem Aktionsnamen konnten bereits 35 Familien und einige Einzelpersonen ein paar Tage ausspannen und neue Kraft tanken. Allerdings könnten sich etliche Betroffene dies nicht leisten, obwohl die Unterkunft kostenlos sei, weil sie kein Auto haben und das Geld für den Zug nicht aufbringen könnten, berichtet Skodnik.

Tiere unterstützen Hilfe für Kinder mit Traumata

Inzwischen kristallisiere sich immer deutlicher heraus, wie sehr vor allem Kinder gelitten hätten und wie stark traumatisiert sie teils seien. Deshalb unterstützen Sander und Skodnik nun auch die neue Aktion »Kinderseele«. Hier kommt die tiergestützte Therapie mit ausgebildeten Therapeutinnen und speziellen Therapiepferden und -hunden zum Einsatz. Kinder von drei bis 18 Jahren werden behutsam über einen langen Zeitraum begleitet, um die Ereignisse zu verarbeiten.

Auch der sogenannte »Mal-Zirkus« will traumatisierten Kinder bei der Aufarbeitung und Bewältigung ihrer Erlebnisse begleiten und ihnen im wahrsten Wortsinne einen Raum geben, um ihre Gefühle und Gedanken kreativ ausdrücken zu können. Kunstpädagogin Steffi Raths hat dafür ein Konzept entwickelt und hilft den Kindern durch die Kunsttherapie sowohl die Erlebnisse mit der Flut und dem weiterhin zerstörten Umfeld zu verarbeiten. »Um aus dem Gefühl der Hilflosigkeit herauszukommen und in die positive Kraft des Gestaltens zu kommen«, beschreibt Skodnik den Ansatz der Therapie.

Mal-Therapie in einem alten Zirkuswagen

Die beiden Damen unterstützen auch dieses Projekt und haben dafür einen rund zehn Meter langen ehemaligen Zirkuswagen organisiert. Dieser wurde mit einem Tieflader nach Ahrweiler gebracht und steht nun direkt gegenüber der (Schul-)Bushaltestelle, damit die Kinder auch aus den Nachbarorten oder nach dem Schulweg von dem kostenlosen Angebot profitieren können. Aktuell wird der Wagen innen für die Bedürfnisse der Kinder und der Kunsttherapie umgestaltet und gemütlich eingerichtet. Auch die Aktion mit dem »Mal-Zirkus« wurde von Hilfskoordinatorin Reuscher angeregt. Sie ist Stationsleiterin der - ebenfalls zerstörten - Traumaklinik und somit die ideale Ansprechpartnerin, freuen sich Sander und Skodnik über die Hilfe, die sie nun weiter und langfristig unterstützen möchten und hierfür Spenden sammeln.

Hier können sich potenzielle Unterstützer melden

Wer die Flutopfer und/oder die verschiedenen Hilfsaktionen unterstützen möchte, kann sich unter Tel. 01 63-2 89 18 88 oder per E-Mail an info@fortuna-hilft.de an Karen Sander und Klaudia Skodnik wenden. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.fortuna-hilft.de.

Ingrid Schmah-Albert

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