+
Wimbledon-Vorturnier in Bad Homburg: Die geschichtsträchtige Anlage im Kurpark wird im kommenden Juni Schauplatz eines weltweit beachteten Tennis-Spektakels.

Fragen und Antworten in Kürze

Wimbledon-Vorturnier in Bad Homburg: Tennis-Stars können kommen

Großes Tennis: Das Stadtparlament von Bad Homburg macht den Weg für das Wimbledon-Vorturnier frei - der Vertrag soll heute unterzeichnet werden.

Bad Homburg - Das Stadtparlament von Bad Homburg hat gestern Abend dem Vertragswerk zur Ausrichtung eines Wimbledon-Vorturniers im Bad Homburger Kurpark zugestimmt. Damit kann die Vereinbarung zwischen Ausrichter, Stadt und diversen weiteren Beteiligten heute unterzeichnet werden. Vorausgegangen war eine wochenlange Diskussion in der Kurstadt - und zum Finale ein leidenschaftliches Plädoyer des Oberbürgermeisters.

Es ist angerichtet. Am Donnerstagabend hat das Stadtparlament mit großer Mehrheit ein Vertragswerk abgesegnet, das die Kurstadt weltweit in die Schlagzeilen bringen wird. Wenn vom 20. bis 27. Juni 2020 mehrere Weltklasse-Tennisspielerinnen im Kurpark aufschlagen werden, dann wird dieses Spektakel in rund 120 Länder gesendet werden. Die Austragung eines Vorturniers für das legendäre Damen-Turnier in Wimbledon dürfte den Bekanntheitsgrad der Taunus-Stadt stark erhöhen - dennoch wurde das Thema in Politik und Bevölkerung über Wochen kontrovers diskutiert.

Gestern Abend dann die Entscheidung: Während drei von sechs Grünen-Abgeordneten gegen das umfassende Vertragswerk stimmten und die BLB-Fraktion sich enthielt, votierten die übrigen Parlamentarier dafür. Schon am heutigen Freitag soll die Vereinbarung von Vertretern des All England Lawn Tennis and Crocket Club (AELTC), der Stadt, der Kur- und Kongreß-GmbH, des Tennis Clubs Bad Homburg und der Homburger Turngemeinde (HTG) unterzeichnet werden. Darin ist festgelegt, dass in Bad Homburg bis 2024 jährlich das Vorturnier zum WTA-Turnier in Wimbledon ausgetragen wird, welche Flächen dafür zur Verfügung gestellt werden und wer welchen Teil der Kosten trägt.

Wimbledon-Vorturnier: „Einmalige Chance“ für Bad Homburg 

In der Sitzung der Stadtverordneten im Bürgerhaus Kirdorf wurde schnell klar, dass in der Homburger Politik eine breite Mehrheit hinter dem Projekt steht. FDP-Fraktionschef Philipp Herbold forderte die Parlamentarier auf, mutig zu sein und die sich bietende Gelegenheit zu ergreifen. Für die SPD machte Jürgen Stamm deutlich, dass die Risiken überschaubar seien und der Benefit „erheblich größer“. Die leidenschaftlichste Rede aber hielt OB Alexander Hetjes (CDU), der von einer einmaligen Chance sprach - zumal die Kurstadt bislang viel zu wenig aus ihrer großen Tennis-Historie gemacht habe. Auch BLB-Fraktionschef Armin Johnert stellte nicht in Abrede, dass sich Homburg eine große Chance biete. Die Enthaltung seiner Fraktion begründete er unter anderem mit offenen Fragen bezüglich der Verkehrslenkung. Die Grünen machten derweil fehlende Transparenz bei den "tatsächlichen" Kosten für ihr uneinheitliches Abstimmungsverhalten geltend.

Bad Homburg sagt Ja zu Wimbledon: Alle Infos in unserem News-Ticker

Die vorangegangene Diskussion in Politik und Bevölkerung hatte sich vor allem an baulichen Maßnahmen und befürchteten Beeinträchtigungen für Anwohner entzündet*. Zwischenzeitlich war geplant, Ersatzplätze für den beeinträchtigten Tennis Club (TC) auf der Spielbank-Garage zu errichten. Dagegen hatten sich Betreiber und Bewohner des angrenzenden Seniorenwohnheims gewandt. Sogar eine Unterschriftenaktion gegen Sandplätze und Traglufthalle auf dem Parkhaus-Dach war gestartet worden. Die Pläne wurden schließlich fallengelassen.

Ein weiteres großes Hindernis war dann am Dienstag dieser Woche aus dem Weg geräumt worden. Die Stadt einigte sich mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Wasserschutzbehörde über die Errichtung zweier zusätzlicher Rasenplätze im Kurparkbereich. Demnach sollen die beiden Plätze, die als Turnierplätze zusätzlich zum Center-Court auf dem Gelände des TC Bad Homburg notwendig sind, nun am Rande des Kurparks angelegt werden (siehe auch Box). Im Gespräch war zuvor auch eine Fläche vor der berühmten Thai-Sala, die vor allem der Denkmalschutz als kritisch betrachtete.

Tennis-Star Angelique Kerber als Botschafterin

Der AELTC ist zusammen mit der Schweizer Agentur Perfect Match und dem Management der deutschen Spitzenathletin Angelique Kerber Veranstalter des Homburger Turniers. Die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste, die Siege in Wimbledon, bei den Australien Open und den US Open vorzuweisen hat, soll denn auch als "Turnierbotschafterin" für die Wettkämpfe in Bad Homburg fungieren und natürlich auch selbst antreten.

Die Kurstadt bietet sich nicht zuletzt aufgrund ihrer großen Tennis-Historie als Austragungsort an. Schon im Jahr 1876 hatten hier englische Kurgäste Bälle über das Netz gespielt. Der Tennisplatz im Kurpark, auf dem sich heute die Anlage des Tennis Clubs Bad Homburg befindet, ist somit der älteste auf dem europäischen Kontinent.

Alle Infos zum Wimbledon-Vorturnier in Bad Homburg  

Wo wird gespielt?

Für das eigentliche Vorturnier werden drei Rasenplätze benötigt. Der Center Court wird sich auf der Anlage des Tennis Clubs im Kurpark befinden, zwei weitere Rasenplätze sollen auf einer Grünfläche zwischen Kisseleffstraße, Paul-Ehrlich-Weg und Kaiser-Wilhelms-Bad angelegt werden.

Wo wird trainiert?

Für das Training der Spielerinnen während des Turniers werden drei weitere Rasenplätze benötigt. Sie sollen auf dem Gelände der HTG am Niederstedter Weg angelegt werden.

Welche Kosten entstehen?

Die Stadt geht für die Errichtung der sechs Plätze von Kosten in Höhe von über 1,4 Millionen Euro aus. Davon trägt der Veranstalter AELTC den Großteil. Der Anteil von Land und Stadt ist auf 550 000 Euro gedeckelt, wobei der städtische Beitrag (maximal 250 000 Euro) aus den Erlösen der Spielbank gezahlt wird. Noch nicht beziffert sind die Ausgaben für die Ersatzplätze für den Tennis Club.

Was hat es mit den Ersatzplätzen für den Tennis Club auf sich?

Weil durch das Turnier der eigentliche Spielbetrieb über mehrere Wochen stark beeinträchtigt ist und zudem ein Spielfeld auf der Anlage des Tennis Clubs dauerhaft in einen Rasenplatz umgewandelt werden soll und damit für den Wettkampfbetrieb (bei dem auf einheitlichem Untergrund gespielt werden muss) ausfällt, soll Ersatz "in fußläufiger Nähe" geschaffen werden. Dafür ist die Fläche vorgesehen, auf der sich zurzeit der Parkplatz von Kur Royal Aktiv und Tennis Club befindet. Die Überlegung, die Ersatzplätze auf dem Dach des Spielbank-Parkhauses anzulegen, wurde ad acta gelegt. 

mak

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare