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Windpark Winterstein soll kommen - nur ohne die Gemeinde Wehrheim

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Von: Ingrid Schmah-Albert

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Auf dem »Mainzer Kopf« hat das Bündnis Windpark Winterstein, hier mit Sprecher Hans-Dieter Wagner, im Juni 2021 symbolisch ein Windrad aufgestellt. Jetzt kommen echte... © Ingrid Schmah-Albert

Der Windpark Winterstein soll kommen. Friedberg, Rosbach und Ober-Mörlen haben die Weichen gestellt, die Ovag soll den Ausbau vorantreiben. Die Gemeinde Wehrheim scheint außen vor.

Wehrheim. Wer in Wehrheim bisher glaubte, mit dem »Nein« zum Windpark Winterstein oder der Ablehnung einer gemeinschaftlichen Absichtserklärung mit den anderen Anrainer-Kommunen die Errichtung von Windkraftanlagen verhindern zu können, hat sich gründlich getäuscht: Der Windpark wird Realität. Nachdem Friedberg, Rosbach und Ober-Mörlen für das Windvorranggebiet Winterstein die kommunalpolitischen Weichen Richtung Ausbau gestellt haben, will die Ovag als ansässiger Energieversorger den Ausbau der Windkraft vorantreiben.

Ovag: Entscheidungen in den Parlamenten wichtiger Schritt in Richtung Akzeptanz

Für die Ovag sei die Entscheidung in den jeweiligen Stadtparlamenten ein wichtiger Schritt in Richtung Akzeptanz des Windparks, äußerten sich die Ovag-Vorstände Joachim Arnold und Oswin Veith gegenüber dieser Zeitung. Die Ovag wolle einen energetisch optimierten Ausbau gemeinsam mit den Kommunen voranbringen. Der Windpark soll dank eines Beteiligungsmodells den Kommunen und ihren Bürgern zugutekommen. Allerdings ist Wehrheim dabei außen vor.

Wie berichtet, hatten sich im Wehrheimer Gemeindeparlament CDU und FDP mit ihrer Stimmenmehrheit für die Ablehnung der Absichtserklärung ausgesprochen, mit der Begründung, dass die Formulierungen in der Absichtserklärung zu vage seien. Die Konsequenz daraus ist aber nun, dass derzeit die Realisierung des Windparks ohne Beteiligung Wehrheims geplant wird.

Die Planungen werden aktuell sehr vorangetrieben. »Wir sehen vor dem Hintergrund des Klimawandels, aber auch der Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern aus dem Ausland sowie die steigenden Energiepreise die Notwendigkeit eines schnellen und energetisch optimierten Ausbaus der Nutzung erneuerbarer Energien wie etwa der Windkraft«, erklären Arnold und Veith.

Bis zu 20 Anlagen geplant auf dem Winterstein geplant

Wie viele Windräder das Unternehmen am Taunuskamm plant, ist unklar. Die Windkraft-Befürworter der breit aufgestellten Bürgerinitiative »Bündnis Winterstein« gehen von bis zu 20 Anlagen auf der rund 414 Hektar umfassenden Gesamtfläche aus. »Dass die Ovag nun mitteilt, sie begrüße die mit unseren Zielen überwiegend deckungsgleichen Bemühungen und dass sie auch noch unsere Beharrlichkeit lobt, ist ein sehr positives Zeichen«, kommentiert Diethardt Stamm vom Bündnis Winterstein. »Das Bündnis wie auch wir wollen aus diesem vom Land Hessen ausgewiesenen und vom Hessen- und Bundesforst unterstützten Vorranggebiet Windkraft die höchstmögliche energetische und regionale Wertschöpfung erzielen«, teilt die Ovag mit. Kontakt zu den Kommunen Friedberg, Ober-Mörlen und Rosbach bestünden seitens der Ovag bereits seit Jahren. Jetzt gelte es, alle Akteure an einen Tisch zu bringen.

Die Ovag erhofft sich zur Begleitung des Prozesses eine Moderation durch die Landes-Energieagentur (LEA), wie dies bereits durch die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) angeboten wurde. »Wir würden es begrüßen, wenn die LEA als objektiver Moderator aller partikularen Interessen eine vermittelnde Rolle übernehmen würde«, so die beiden Ovag-Vorstände weiter. Sie verweisen dabei auch auf ihre Erfahrung: »Das Thema der Nutzung erneuerbarer Energien auf dem Winterstein ist nicht neu. Als regionaler Energieversorger mit festen Wurzeln in der Wetterau liegt das Vorranggebiet quasi vor unserer Haustür. Wir verfolgen, begleiten und befördern auf verschiedenen Ebenen schon lange die Entwicklungen und haben viele gute Ideen im Gepäck. Auf den Tag X, an dem die örtlichen Kommunen nach mehrjährigen intensiven Diskussionen öffentlich grünes Licht signalisiert haben, haben wir uns intensiv vorbereitet«.

Ovag wirbt mit eigener Pionierarbeit im Vogelsberg

Als Versorger mit Hauptsitz in Friedberg habe und behalte man den Winterstein immer im Blick und wisse gerade als kommunal getragenes Unternehmen auch in der heutigen Zeit um seine nicht nur symbolische Bedeutung für die Region. »Die Ovag ist auf dem Gebiet der Windkraft in Hessen unbestrittener Pionier und Treiber. Vor 30 Jahren errichteten wir im Vogelsberg als eines der ersten Energieversorgungsunternehmen in einem deutschen Mittelgebirge unseren ersten Windpark. Diese langjährige Erfahrung wie auch unsere große Nähe zur Region und deren Bewohnern soll gewinnbringend für das Projekt Windpark Winterstein eingesetzt werden«, erläutert Dr. Hans-Peter Frank, Ovag-Abteilungsleiter Energieerzeugung und Geschäftsführer der für sie projektentwickelnden Gesellschaft Hessenenergie, die Motivation der Ovag auf dem Gebiet Erneuerbare Energie aus Windkraft.

Zumal dort im Vorranggebiet nicht nur optimale Rahmenbedingungen herrschten. Auch in technischer Hinsicht habe sich seit den Anfangsjahren mit deutlich optimierten Anlagen viel getan.

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