Burgspielschar

„Wir rocken das Stück als Team“

Der Regisseur und Theaterpädagoge Georg Bachmann inszeniert für die Burgspielschar Burgholzhausen ein Familienstück, das zwischen Realität und Traumwelt spielt: „Peter Pan“ wird auf der Freilichtbühne in Burgholzhausen aufgeführt.

Von Olivera Gligoric-Fürer

Sofas stehen kreuz und quer, Matratzen stehen kopf und Kissen fliegen wie zufällig fallen gelassene Papierschnipsel überall herum. Nur ein schmaler Teppich, ein Läufer, scheint der Unordnung zu trotzen, er verbindet zwei mächtige Sessel miteinander. Wird am Bühnenbild für das Sommerstück der Burgspielschar „Peter Pan“ noch gearbeitet? Das rund 40-köpfige Schauspielensemble trifft sich in einem großen Kreis zur Nachbesprechung, während am ganz anderen Ende des Freilichttheaters weitere Helfer Laken so groß wie Plakatwände anmalen.

Das der Teambesprechung zugewandte Ohr schnappt den Einwand eines jungen Schauspielers auf: „Das ist doch nur ein Haufen alter Möbel und kein Peter Pan.“ Heißt das etwa, dass das Chaos auf der Bühne nicht etwa auf eine spontan eingelegte Pause der Bühnenbildner zurückzuführen ist, sondern durchaus gewollt? Antje Grösser, eine der wenigen „Senior Schauspieler“, antwortete: „Dann mach’ daraus Peter Pan.“

Wie ein roter Faden zieht sich diese Aussage durch das Stück. „Wir wissen nicht: Ist das die Realität oder ein Traum? Sind wir im Kinderzimmer oder in Nimmerland? In London oder in der Karibik?“, beschrieb Regisseur und Theaterpädagoge Georg Bachmann den Effekt, den die Szenen durch das wandlungsfähige Bühnenbild erfahren. „Die ganze Geschichte spielt nur in Wendys Zimmer“, erklärt Bachmann weiter, da wird aus den Spielzimmer-Requisiten ein Piratenschiff oder die Insel der verlorenen Jungen. Blumengirlanden werden zu Handschellen, Spielzeugschwerter und Fernrohre aus Pappe kommen zum Einsatz. Daher der Auftrag an das Schauspielensemble, aus den vorhandenen Möbeln und Accessoires auf der Bühne eine Fantasiewelt zu kreieren, die für den Zuschauer zur Realität wird.

Außerdem kehren die Kinder immer wieder ins chaotische Zimmer zurück – und können selbst nicht mehr beurteilen, haben sie im Spiel die Möbel durcheinander gewirbelt oder haben sie wirklich mit den Piraten gekämpft? Es ist eben ein Stück (von James Matthew Barriee, in einer Bearbeitung von Andrew Birkin), das von einem Jungen handelt, der nicht erwachsen werden will und der Erwachsenen misstraut.

Die Nachbesprechung aber finden alle Schauspieler gut, hier gibt es wichtiges Feedback zu den einzelnen Rollen, jeder Part wird angehört und ernst genommen. „Ich vermisse ein durchgehendes Lied“, bemängelt jemand. Unverständnis auf Seiten der Schauspieler, sie haben doch ein gemeinsames Lied. Sofort setzen die Mädchen und Jungen munter ein und singen ihr einstudiertes Shanty, mit Sven Göbel als Leadsänger, schön zünftig hört sich das an. Bachmann lacht. Dem erfahrenen Regisseur scheint diese Eigendynamik zu imponieren. „Ich fange immer mit der Ensemblearbeit an“, erklärt er, das Ensemble müsse zusammenwachsen, erst wenn alle sagen „wir rocken das Stück als Team“, dann klappe das auch auf der Bühne.

Außerdem müsse er die Gratwanderung meistern, die einzelnen Schauspieler weder zu unter- noch zu überfordern. Die meisten Akteure befinden sind im Alter zwischen fünf und 25 Jahren, „das Gros der Truppe ist circa 16 Jahre alt“. Noch nicht einmal eine Handvoll Schauspieler sind im „Ü 40“-Alter (also über 40).

Jugendtheater ist Bachmanns Stärke, er betreut verschiedene Kinder- und Jugendtheater-Ensembles, darunter beispielsweise die Jugend-Kultur-Werkstatt Gallus in Frankfurt. Nach der Teamarbeit schafft der Regisseur eine gute Basis durch sorgfältige Charakterarbeit und präzise Szenenarbeit – das emotionale Verständnis müsse für beides vorhanden sein, „erst wenn das Setting im Kopf ist“, sagt Bachmann, „fangen wir mit dem Text an.“

Im Februar haben sie angefangen. Der Text sitzt schon lange. Die Kampfszenen mussten noch ein wenig ausgebaut werden, und vor allem die punktgenaue Landung des Bühnenumbaus musste sitzen – diese feinen Details standen jedenfalls noch vor gut einer Woche im Fokus.

Manfred Fels, Vorstandsmitglied der Burgspielschar, freut sich darüber, dass Bachmann in diesem Jahr wieder Zeit für die Inszenierung des Familienstücks in Burgholzhausen gefunden hat. Mit „Peter Pan“ sind es rund acht Sommerstücke, die Bachmann auf der Freilichtbühne mit gutem Erfolg inszeniert hat. Doch sowohl den Schauspielern als auch dem Regisseur selbst habe die zweijährige Pause gut getan, sind sich beide Seiten einig. Kurzum, die Schauspieler wirkten enthusiastisch und engagiert, die Kostüme sind farbenfroh und fantasievoll, Requisiten und Maske waren stimmig und das Bühnenbild – spricht für sich und bleibt spannend.

Die Premiere beginnt morgen um 17 Uhr auf der Freilichtbühne in Burgholzhausen in der Weinstraße.

Weitere Aufführungen sind am kommenden Sonntag (Beginn um 11 Uhr) sowie an den Wochenenden 4. und 5. Juli, 11. und 12. Juli sowie 18. und 19. Juli. Alle Samstags-Vorstellungen starten um 17 Uhr. An den Sonntagen ist Beginn um 11 Uhr. Informationen gibt es im Internet:

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