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Wir wollen unsere alte D-Mark wieder haben

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In der guten alten Zeit war unser Geld noch weiblich, pflegten die D-Mark und der Dollar eine erfolgreiche internationale Zugewinngemeinschaft. Heute ist die Währung männlich, zeigen sich Risse in der schwierigen Beziehung zwischen dem Euro und dem Dollar. Die Gründe sind mannigfaltig: Corona, Ukraine-Krieg, nicht zu vergessen all die Jahre zuvor das Leben auf Pump, ermöglicht durch Tag und Nacht laufende Notenbankpressen. Knapp 100 Jahre nach ihrem ersten Gastspiel feiert die Inflation ihr Comeback. Das merken wir Konsumenten. Bei Dienstleistungen ebenso wie im Supermarkt, und hier selbst bei den Grundnahrungsmitteln. Demnächst auch beim Heizen; mindestens dreimal so teuer soll das Gas im nächsten Jahr werden. * Die allgemeine Teuerung schickt sich freilich auch an, die von den Kämmerern im Landkreis in mühsamer Rechenarbeit und mit viel Hingabe erstellten Haushaltspläne zu sprengen. Diese Woche in Grävenwiesbach: Der Bau eines vor dem Hintergrund der angespannten Wasserversorgung so dringend nötigen neuen Hochbehälters in Grävenwiesbach hat sich mal eben um 330 000 Euro verteuert. Bereits bekannt: Die vollständige Sanierung des denkmalgeschützten Bürgerhauses mit Brandschutz und allem Trallala ist unbezahlbar. Woher nehmen und nicht stehlen - beziehungsweise an der Steuer- und Gebührenschraube drehen? Da ist guter Rat - in diesem Zusammenhang ein billiges Wortspiel - richtig teuer. * Lieferprobleme und Kostenexplosionen behindern auch den Ausbau der Taunusbahn. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen: Immer mehr kommunale Projekte müssen schlicht und ergreifend aus Kostengründen auf Eis gelegt werden müssen. Die heimischen Bürgermeister werden von Alpträumen geplagt: Marode Gemeinschaftshäuser, trockene Brunnen, frierende Kinder in den Kitas, ein still stehender Bauhof-Fuhrpark. Manchen erscheint Christine Lagarde aus dem Traumgespinst, die EZB-Präsidentin, die zur Eindämmung der Inflation irgendwann - au weia - die Leitzinsen anheben und damit auch über Wohl und Wehe der Kommunen entscheiden könnte. Bürgermeister, die ihre in Form von Kassenkrediten im Kommunalhaushalt schlummernden Bomben noch nicht entschärft haben, schließen Christine in ihr Nachtgebet mit ein. Zwar wurden im Rahmen des Programms "Hessenkasse" diese Kassenkredite landesweit um 95 Prozent abgebaut, aber Schulden werden künftig halt teurer. Und nicht nur das, alles eben, vom Wasserhäuschen über die DGH-Heizung bis zum ÖPNV. * Während Lagarde zu den 20 mächtigsten Frauen der Welt zählt, ist das weibliche Geschlecht auf Führungsebenen nach wie vor unterrepräsentiert, auch in den heimischen Rathäusern. Etwa in der Usinger Verwaltung, wo alle höher dotierten Stellen mit Männern besetzt sind. Den Stadtverordneten ist das ein Dorn im Auge, weswegen sie jetzt einen Frauenförderplan beschlossen haben. Fest in Frauenhand ist der Bereich Sozial- und Erziehungsdienst, wobei in den kommunalen Kitas - kreisweit übrigens - Not am Mann herrscht. Wieder so ein billiges Wortspiel, gewiss. Und: Ja, es könnten auch mehr Männer den Beruf des Erziehers ergreifen. Aber grundsätzlich sind Erzieherinnen Mangelware, wie wir gestern berichteten. Könnte mit der Bezahlung zu tun haben. Die kommunalen Arbeitgeber aber verweisen auf leere Kassen... * Der Euro taumelt in die Zukunft, die D-Mark ruht in der Vergangenheit. In der guten alten Zeit war unser Geld noch weiblich. Heute sind es nur noch die Zinsen. Und die Schulden. © khu

In der guten alten Zeit war unser Geld noch weiblich, pflegten die D-Mark und der Dollar eine erfolgreiche internationale Zugewinngemeinschaft. Heute ist die Währung männlich, zeigen sich Risse in der schwierigen Beziehung zwischen dem Euro und dem Dollar. Die Gründe sind mannigfaltig: Corona, Ukraine-Krieg, nicht zu vergessen all die Jahre zuvor das Leben auf Pump, ermöglicht durch Tag und Nacht laufende Notenbankpressen.

Knapp 100 Jahre nach ihrem ersten Gastspiel feiert die Inflation ihr Comeback. Das merken wir Konsumenten. Bei Dienstleistungen ebenso wie im Supermarkt, und hier selbst bei den Grundnahrungsmitteln. Demnächst auch beim Heizen; mindestens dreimal so teuer soll das Gas im nächsten Jahr werden.

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Die allgemeine Teuerung schickt sich freilich auch an, die von den Kämmerern im Landkreis in mühsamer Rechenarbeit und mit viel Hingabe erstellten Haushaltspläne zu sprengen. Diese Woche in Grävenwiesbach: Der Bau eines vor dem Hintergrund der angespannten Wasserversorgung so dringend nötigen neuen Hochbehälters in Grävenwiesbach hat sich mal eben um 330 000 Euro verteuert. Bereits bekannt: Die vollständige Sanierung des denkmalgeschützten Bürgerhauses mit Brandschutz und allem Trallala ist unbezahlbar. Woher nehmen und nicht stehlen - beziehungsweise an der Steuer- und Gebührenschraube drehen? Da ist guter Rat - in diesem Zusammenhang ein billiges Wortspiel - richtig teuer.

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Lieferprobleme und Kostenexplosionen behindern auch den Ausbau der Taunusbahn. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen: Immer mehr kommunale Projekte müssen schlicht und ergreifend aus Kostengründen auf Eis gelegt werden müssen. Die heimischen Bürgermeister werden von Alpträumen geplagt: Marode Gemeinschaftshäuser, trockene Brunnen, frierende Kinder in den Kitas, ein still stehender Bauhof-Fuhrpark. Manchen erscheint Christine Lagarde aus dem Traumgespinst, die EZB-Präsidentin, die zur Eindämmung der Inflation irgendwann - au weia - die Leitzinsen anheben und damit auch über Wohl und Wehe der Kommunen entscheiden könnte. Bürgermeister, die ihre in Form von Kassenkrediten im Kommunalhaushalt schlummernden Bomben noch nicht entschärft haben, schließen Christine in ihr Nachtgebet mit ein. Zwar wurden im Rahmen des Programms "Hessenkasse" diese Kassenkredite landesweit um 95 Prozent abgebaut, aber Schulden werden künftig halt teurer. Und nicht nur das, alles eben, vom Wasserhäuschen über die DGH-Heizung bis zum ÖPNV.

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Während Lagarde zu den 20 mächtigsten Frauen der Welt zählt, ist das weibliche Geschlecht auf Führungsebenen nach wie vor unterrepräsentiert, auch in den heimischen Rathäusern. Etwa in der Usinger Verwaltung, wo alle höher dotierten Stellen mit Männern besetzt sind. Den Stadtverordneten ist das ein Dorn im Auge, weswegen sie jetzt einen Frauenförderplan beschlossen haben. Fest in Frauenhand ist der Bereich Sozial- und Erziehungsdienst, wobei in den kommunalen Kitas - kreisweit übrigens - Not am Mann herrscht. Wieder so ein billiges Wortspiel, gewiss. Und: Ja, es könnten auch mehr Männer den Beruf des Erziehers ergreifen. Aber grundsätzlich sind Erzieherinnen Mangelware, wie wir gestern berichteten. Könnte mit der Bezahlung zu tun haben. Die kommunalen Arbeitgeber aber verweisen auf leere Kassen...

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Der Euro taumelt in die Zukunft, die D-Mark ruht in der Vergangenheit. In der guten alten Zeit war unser Geld noch weiblich. Heute sind es nur noch die Zinsen. Und die Schulden.

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