Zwei widerstreitende Lager

Wird der Förderverein Kinderklinik nun aufgelöst oder nicht?

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Im Förderverein Kinderklinik wird um die eigene Zukunft gerungen. Während der Vorsitzende für eine Auflösung plädiert, gibt es Mitglieder, die weitermachen wollen. Zum Showdown kommt es auf der Mitgliederversammlung Mitte November.

Auf den ersten Blick war die Beteiligung enttäuschend: Nur sechs Mitglieder waren vergangenen Freitag zur außerordentlichen Sitzung des Fördervereins Kinderklinik gekommen. Dabei ging es um ein brisantes Thema: Die mögliche Auflösung des Vereins war der einzige Tagesordnungspunkt. Um einen solchen Entschluss zu treffen, hätte aber mindestens die Hälfte der aktuell 55 Mitglieder erscheinen müssen. Doch der Vorsitzende Riklef von Schüssler hatte wohl schon mit einer solch geringen Teilnahme gerechnet, musste aber, um der Satzung gerecht zu werden, zu diesem Treffen außer der Reihe laden. Zur regulären Sitzung am 16. November ist dann kein Quorum mehr notwendig – dann müssten nur noch drei Viertel der anwesenden Mitglieder dafür stimmen und der Förderverein wäre Geschichte.

Keine Frage: von Schüssler ist enttäuscht von der Politik. Der Verein habe in den vergangenen Jahren alles in seiner Macht stehende getan, um zumindest eine Notfallversorgung an den Hochtaunus-Kliniken zu etablieren. Vor vier Jahren hatte man mit der Initiatorin der Initiative, Trude Sommer, einen Verein gegründet, der dem Anliegen über bürgerschaftliches Engagement mehr Durchschlagskraft verschaffen sollte. Man sammelte über 15 000 Unterschriften, lud zu 35 Veranstaltungen. Doch geholfen, so von Schüssler, habe all das nicht. Man sei keinen Schritt weitergekommen. Es sei daher unredlich, weiterhin so zu tun, als stünde ein Erfolg in unmittelbarer Nähe. „Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Die Politik will sich das aber nicht eingestehen“, so der Vorsitzende weiter. So gebe es letztlich keine Anzeichen dafür, dass der in der Satzung festgehaltene Vereinszweck in absehbarer Zeit erreicht werden könnte. Das sahen die anderen Vorstandmitglieder auch so und beschlossen, den Mitgliedern die Auflösung des Vereins zu empfehlen.

Auch die vergangenen Freitag veröffentlichte Pressemitteilung aller am Prozess Beteiligten – darin hieß es, dass bis Ende des Jahres ein belastbares Konzept erstellt werden soll – änderte nichts an von Schüsslers Meinung – im Gegenteil: „Das ist doch die Bestätigung, dass sich in den all Jahren nichts getan hat.“ Man sei nach wie vor eine „Mondreise“ von einem Resultat entfernt.

Allerdings gibt es im Verein und sogar im Vorstand durchaus auch Mitglieder, die die Auflösung verhindern wollen – allen voran Vorstandsmitglied Yvonne Velten. Die Ober-Eschbacherin hatte sich schon am vergangenen Freitag vehement dafür eingesetzt, den Verein am Leben zu erhalten. Um ihr Engagement zu dokumentieren, bot sie sich auch an, für den Vorsitz zu kandidieren. Von Schüssler hatte zuvor erklärt, dass er – unabhängig vom weiteren Schicksal des Vereins – nicht mehr für einen Vorstandposten zur Verfügung stehe.

„Der Druck durch unseren Verein hat doch erst für Bewegung in der Politik gesorgt“, argumentierte Velten. Und auch das jüngste Treffen aller Entscheidungsträger wertet sie als ein positives Zeichen, „da ist man ein deutliches Stück vorangekommen“. Es wäre ein „frustrierendes Signal“ an die Bevölkerung, wenn man jetzt die Flinte ins Korn werfen würde. Man verfüge über etablierte Vereinsstrukturen, habe etliche Mitglieder. Zur Not müsse man halt das Satzungsziel dem aktuellen Stand des Projekts anpassen. Warum man einen Verein auflösen sollte, wenn es doch noch Mitglieder gibt, die sich engagieren möchten, leuchtet ihr nicht ein. Velten: „Ich bin Marathonläuferin, ich habe die Kraft und die Ausdauer weiterzumachen.“

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