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Facharbeiter wie dieser Industriemechaniker, der an einer Drehbank arbeitet, sind knapp. Immer mehr Experten befürchten, dass das die Konjunktur im Taunus massiv abbremsen wird.

Arbeit im Taunus

Wirtschaft bleibt optimistisch: IHK glaubt an ein moderates Wachstum

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Wirtschaftlich geht es dem Taunus so gut wie lange nicht mehr. Die Arbeitslosenquote ist bemerkenswert niedrig und soll in diesem Jahr noch weiter sinken. Doch ein Problem bereitet den Experten Sorgen.

Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind bemerkenswert. Firmen befürchten massive Folgen, wenn ein harter Brexit eintritt, der Handelsstreit zwischen China und den USA wirken sich auf die exportorientierte Wirtschaft in Deutschland und im Rhein-Main-Gebiet aus. Und nicht zuletzt die jüngst fallenden Börsenkurse treiben Experten die Sorgenfalten ins Gesicht treibt. Dennoch vermeldet der Arbeitsmarkt ständig steigende Beschäftigungszahlen. Die Firmen freuen sich über volle Auftragsbücher und blicken optimistisch in die Zukunft.

Info: Weniger offene Stellen im Dezember

Der Arbeitsmarkt hat sich im Dezember als äußerst ruhig gezeigt. Insgesamt waren im Hochtaunuskreis im Dezember 3829 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind fünf weniger als noch im November. Entsprechend verharrt die Arbeitslosenquote bei 3,2 Prozent. Im vergangenen Jahr war die Arbeitslosenquote noch deutlich höher und lag bei 3,5 Prozent.

Ein Großteil der gemeldeten Arbeitslosen, nämlich 2233 Personen, werden dem Rechtskreis Sozialgesetzbuch II (Harz IV) zugeordnet.

Der Zugang offener Stellen lag im Dezember mit insgesamt 245 Stellen deutlich unter dem Niveau des Vormonats. Es waren 453 Stellen weniger gemeldet worden. Auch im Vorjahr waren der Arbeitsagentur fast 100 Stellen mehr gemeldet worden. Entsprechend ist der Bestand an Jobangeboten mit 1175 gemeldeten Stellen im Vergleich zum November leicht gesunken. Damals waren es 1215 Stellen gewesen. Dennoch gab es im gesamten Jahr für den Hochtaunuskreis insgesamt 5088 Stellenausschreibungen, das sind 535 Stellen mehr als noch zum Jahresende 2017. Auch das ein Zeichen, dass die Wirtschaft weiterhin brummt. aw

Die Arbeitslosenquote für den Hochtaunuskreis liegt stabil bei 3,2 Prozent. Zum Jahresende 2017 hatte sie noch bei 3,5 Prozent gelegen. Kein Wunder, dass Norbert Meier, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bad Homburg, ein positives Fazit für das abgelaufene Jahr zieht. Und auch er reiht sich in die Schar derjenigen ein, die optimistisch in die Zukunft schauen. „Mit Blick auf das neue Jahr erwarte ich ein stabiles, wenn auch langsamer steigendes Wirtschaftswachstum und dadurch einen weiteren Beschäftigungszuwachs“, prognostiziert er. Gut ausgebildete Fachkräfte würden auch weiterhin stark nachgefragt.

Allerdings könnte das Thema Fachkräftemangel der Wirtschaft im kommenden Jahr stark zusetzen. „Die Stellenbesetzung in den Mangelberufen wird eine zentrale Herausforderung für das neue Jahr darstellen“, räumt dann auch Meier ein. Er fordert daher ein Umdenken bei Schülern und ihren Eltern. „Wir benötigen mehr junge Menschen in Ausbildung als in Studienberufen, um auch in den nächsten Jahren die Wirtschaft stabil zu halten.“

Denn wer jetzt eine Ausbildung im technisch-handwerklichen Bereich beginne, habe sehr gute Zukunftsaussichten. Zumal ein Aufbaustudium und eine berufliche Weiterbildung im Anschluss nicht ausgeschlossen seien. Im Gegenteil: Dies werde – Stichwort „lebenslanges Lernen“ – ausdrücklich gewünscht. Mit dieser Einschätzung liegt die Arbeitsagentur auf einer Linie mit der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK), die auch den Hochtaunuskreis betreut.

Für die IHK wiegt dieser Fachkräftemangel schwerer als alle geopolitischen Störungen wie Brexit und Handelsstreitigkeiten. „Bereits jetzt fehlen im gesamten IHK-Bezirk 71 000 Fachkräfte“, sagt Sebastian Trippen, Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung der IHK. „Tendenz steigend.“ Man gehe davon aus, dass sich dieser Mangel auch bis 2030 nicht beheben lassen werde. Es spricht für die Stärke der Metropolregion, dass die IHK trotzdem von einem „moderaten Wirtschaftswachstum“ von 1,6 Prozent ausgeht. Sie glaubt sogar, dass in ihrem Bezirk im nächsten Jahr rund 49 000 neue Stellen geschaffen werden können.

Eine Umfrage der IHK habe gezeigt, dass fast jedes zweite Unternehmen im Hochtaunuskreis (45 Prozent) derzeit die wirtschaftliche Lage als gut einschätzt. 41 Prozent sind zumindest zufrieden, und nur 11 Prozent bewerten die Lage als schlechter als vor einem Jahr, sagt Trippen. Fast ein Viertel erwartet für dieses Jahr sogar eine bessere Geschäftsentwicklung, 64 Prozent erwarten eine konstante Entwicklung, nur 13 Prozent eine schlechtere Entwicklung. Nach den Ergebnissen der IHK muss man sich um die lokale Wirtschaft also derzeit wenig Sorgen machen. Fragt sich nur, wie man den Fachkräftemangel in den Griff bekommen will.

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