Dass selbst kleinere Flüsschen wie die Weil bei Hochwasserlagen gewaltige Ausmaße annehmen können ist ein Risiko, das aus Sparsamkeit nicht verharmlost werden sollte. Das Foto mit Blick auf die fast überflutete Erbismühle ist erst dieses Frühjahr nah der Schneeschmelze entstanden.
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Dass selbst kleinere Flüsschen wie die Weil bei Hochwasserlagen gewaltige Ausmaße annehmen können ist ein Risiko, das aus Sparsamkeit nicht verharmlost werden sollte. Das Foto mit Blick auf die fast überflutete Erbismühle ist erst dieses Frühjahr nah der Schneeschmelze entstanden.

Usinger Land

Risiko von Elementarschäden wird unterschätzt: „Es kann überall passieren“

  • VonAlexander Schneider
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Viele Hausbesitzer im Usinger Land unterschätzen das Risiko von Elementarschäden - aber es wird auch nicht jeder versichert.

Usinger Land - Noch vor kurzem wusste kaum jemand, wie wichtig eine Elementarversicherung sein kann. Jetzt ist es klar. Aus dem Schaden, auch dem anderer, wird man klug. Bei den Versicherern laufen auch im Taunus die Telefone heiß: Immer die besorgte Frage, ob im Ernstfall der Versicherungsschutz reicht.

Die Agenten sind sich einig: Gebäude- und Hausratsversicherungen sind Standard, Elementarversicherungen eher nicht, das Risiko werde unterschätzt. "Es kann überall passieren, Elementarversicherung tritt ja nicht nur bei Hochwasser ein, sondern auch bei Erdbeben, Erdrutsch und Erdfall", sagen Kirsten Schmidt, Generali-Agentin aus Schmitten, und Christoph Knörr (LVM Versicherungen) aus Grävenwiesbach.

Dass die Risiken bei vielen Kunden verkannt werden, weiß auch der Neu-Anspacher Allianz-Fachmann Florian Reuter, bei dem seit Tagen "jede Menge" Anfragen eingehen: "Hanglagen gibt es überall, auch bei uns, und wo Hänge sind, kann auch Wasser herunterkommen", sagt er. Seine Kunden seien nur etwa zu 50 Prozent "elementar" versichert, bei Schmidt sind es sogar nur 20 Prozent.

Usingen: Elementarversicherung abschließen? Das individuelle Risiko wird berechnet

Grundsätzlich, so sagen alle drei Befragten, lassen sich Gebäudeversicherungen, die Schäden am Gebäude, verursacht durch Brand, Blitz, Sturm, Hagel oder Leitungswasser ersetzen, um eine Elementarversicherung gegen Aufpreis erweitern. Grundsätzlich bedeute aber nicht immer, denn die Versicherer richten sich am individuellen Risiko aus. "ZÜRS" ist das Zauberwort. Es steht für ein Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und dem Starkregen.

Dieses System des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft besagt, wie stark Gebäude durch überlaufende Fließgewässer, also Hochwasser, gefährdet sind. Heißt also mit anderen Worten: Je näher man am Wasser gebaut hat, dann in ZÜRS-Zone 4 (von vier), desto schwieriger wird es sein, einen Versicherer zu finden. "Ausgeschlossen ist es nicht, aber es müssen dann schon sehr gute Bestandskunden sein", sagt Kirsten Schmidt, froh darüber, dass es im heimischen Beritt "eigentlich kaum Objekte in Zone 4 gibt".

Usinger Land: In Schmitten gibt es viele Zonen

Meistens gehe es um die Zonen 1 und 2, sagt Kollege Knörr. In Kommunen, die wie Schmitten in Taleinschnitten liegen, kann es von Straße zu Straße unterschiedliche Zonen geben. Genau hingeschaut werden müsse überall dort, wo im Bereich selbst kleinerer Flüsschen, wie etwa der Weil, Häuser stehen. Dass die Weil "zu Besuch kommt", ist in Rod an der Weil schon passiert, dieses Frühjahr erst. Und auch die Westerfelder können in Lied davon singen. Dank der Freiwilligen Feuerwehr hielten sich die Schäden hier aber in Grenzen.

Überschwemmungsrisiko senken: Klappe verhindert das Aufsteigen von Wasser

Dass Rückschlagklappen, die das Aufsteigen von Schmutzwasser aus der Kanalisation das Überschwemmungsrisiko senken können, davon sind Schmidt, Knörr und Reuter überzeugt, auch dass es sinnvoll ist, solche Klappen gleich mit einzubauen oder nachzurüsten.

Ein Ausschlusskriterium für eine Regulierung seien fehlende Klappen bei ihren Gesellschaften allerdings nicht, sagen alle drei. Während Kirsten Schmidt ihre Kunden stets darauf hinweist, dass Hausratversicherungen in solchen Fällen auch nur dann greifen, wenn Elementarschäden ausdrücklich mitversichert sind, weist Christoph Knörr, beziehungsweise eine Gesellschaft, Bestandskunden grundsätzlich bei Eintreten von Großschadenslagen darauf hin, wie wichtig Elementarversicherungen werden können wenn's doch einmal passieren sollte. Knörr: "Die rund 150 bis 200 Euro Aufpreis, die bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus zusätzlich im Jahr dafür fällig werden, sind auch nach 20 Jahren, in denen nichts passiert, immer noch gut angelegtes Geld." Das müsse sich jeder überlegen, der sein Auto für 1200 Euro im Jahr versichert, bei 500 Euro fürs Haus aber zusammenzuckt.

Einig sind sich Knörr, Schmidt und Reuter aber auch, dass es, je häufiger es solche Katastrophen gibt, kaum zu vermeiden sein wird, dass die Prämien stiegen. Wichtig sei auch, dass Gebäude- und Hausratversicherungen sofort gelten, Elementarversicherungen aber erst nach einem Monat, sagte Kirsten Schmidt aus Schmitten. (Von Alexander Schneider)

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