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Würdiger letzter Weg

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Fine (Mitte) ist mit ihren 18 Jahren der Neuzugang auf Melis Tiergnadenhof von Claudia Förster (links) und Raffaela Hanrath. © Sabine Neugebauer

Weilrod-Neuweilnau. In Menschenjahren sind es schon 126 die Fine auf dem Buckel hat. Die Mischlingshündin ist stolze 18-einhalb Jahre alt. Davon hat sie 18 bei ihrer Familie verbracht, nachdem sie von ihr mit einem halben Jahr aus dem Tierheim in Bad Kreuznach geholt wurde. Aber jetzt konnten die Besitzer nach einem Umzug die alte und mittlerweile kranke Gefährtin nicht mehr behalten.

Und so hatten sie sich vor vier Wochen an »Melis Tiergnadenhof« in Neuweilnau gewandt, der von Raffaela Hanrath und Claudia Förster als Verein betrieben wird. Lange haben die beiden mit der Familie gesprochen, um einen Weg zu finden. Und seit zweieinhalb Wochen ergänzt Fine jetzt das Hunderudel von insgesamt 14 Vierbeinern. So langsam lebt sie sich ein. »Heute hat sie sich das erste Mal gefreut«, berichtet Hanrath doch ein wenig stolz, dass die alte Hundedame allmählich Vertrauen fasst.

Kein Körbchen mehr frei

»Jetzt ist aber wirklich kein Körbchen mehr frei«, betont Förster. Immer wieder haben die beiden Anfragen von Hundebesitzern, die sich nicht mehr um ihren alten oder kranken Hund kümmern können. »Wir versuchen immer zu helfen«, sagen die beiden Hundefreundinnen. Aber sie versuchen auch Überzeugungsarbeit zu leisten, dass die Hundebesitzer ihre Tiere doch bis zum Ende behalten und betreuen. Denn solch ein altes Tier noch einmal in andere Hände zu geben, ist für den Vierbeiner doch eine arge Umstellung.

»Wir machen den Hundebesitzern keine Vorwürfe«, sagt Förster. Denn es gebe ja doch oft gute Gründe für diesen Schritt. Und es sei ja auch in gewisser Weise mutig von den Hundehaltern, eine oft lange E-Mail zu schreiben und wildfremden Menschen die Gründe darzulegen, ihren Hund wegzugeben. Vielfach sehe man es ja, dass Hunde einfach vor Tierheimen ausgesetzt würden. Hanrath habe es selbst erlebt, berichtet sie, als sie in jungen Jahren einmal einen Hund fand und ihm beim Tierheim abgegeben habe. Man habe ihr nicht geglaubt, dass sie nicht die Halterin war.

Wenn es gar nicht mehr geht…

Und so freuen die beiden sich eigentlich eher, wenn die Hundebesitzer an sie denken, wenn sie sich nicht mehr zutrauen, den Gefährten bis zum Schluss zu begleiten. Wenn ein Hund sehr krank sei, werde ja oft der letzte Weg zum Tierarzt gewählt.

Auch hier in Neuweilnau muss auch die Tierärztin aus Neu-Anspach immer mal wieder kommen, wenn das Leben eines Tieres allzu beschwerlich wird und es keine Freude mehr am Leben hat. »Die Hunde sagen uns, wenn es so weit ist«, erzählt Hanrath. Die 14 Vierbeiner, die zurzeit hier leben, strahlen aber Zufriedenheit und Ruhe aus. Jedes Tier hat seinen Platz auf einem Kissen im Hof. Nur Lassie bleibt lieber im Haus, kommt nur heraus, um ihr Geschäft zu erledigen. Und Cleo verbringt ihre Ruhezeit gerne im Auto, sie liebt Auto fahren. »Morgens ist es gaaanz wichtig, dass wir die Kissen verteilen, damit jeder seinen Platz in der Sonne findet«, erzählt Hanrath. Wenn nachmittags die Zeit für die Rinderlunge naht, kommt Leben auf das große Grundstück. Denn die Hunde haben ein gutes Zeitgefühl und wissen genau, wann es so weit ist.

Für alle ein Platz an der Sonne

Auch jeder Besucher wird mit Gebell begrüßt und je nach Temperament des Hundes beschnüffelt oder eher mit Misstrauen aus der Ferne beäugt. Jedes Tier kann hier nach seiner Façon glücklich werden, jeder Hund wird nach seinen Bedürfnissen behandelt. Und die sind bei manchen doch recht anspruchsvoll; bei den beiden querschnittsgelähmten Tieren, die Windeln tragen, muss auch die Blase ausmassiert werden. Sharko hat dank seines Rollis seine Vorderbeine und Schultern so gestärkt, dass er sich mit seinen beiden gesunden Vorderbeinen über das Grundstück zieht. Damit die Hinterbeine dabei nicht aufgescheuert werden, sind sie hoch eingewickelt. Als er hier ankam, konnte er nur wenige Meter robben. Und auch die Namenspatronin des Gnadenhofs, Meli, ist mit ihren 14 Jahren, Arthrose und Nierenproblemen noch immer Teil des Rudels.

Wenn ein Tier hier aufgenommen wird, wird zwischen den ehemaligen Hundehaltern und dem Verein ein Tierschutzvertrag unterzeichnet. Es wird darin unter anderem versichert, dass die Hunde nicht für Tierversuche verwendet werden, dass eine gute Fürsorge zugesichert wird und keine Zwingerhaltung erfolgt. »Das ist eine Absicherung für beide Parteien«, betont Förster. Die beiden Frauen freuen sich über Geld- , Futter- oder Sachspenden, aber auch Patenschaften können übernommen werden. Weitere Informationen gibt es online unter https://melis-home.de/.

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