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Matthias Hegetö kümmert sich auch um Quessantschafe und Bretonische Zwergschafe.

Verein ist erfolgreich

Zahl der Kleintierzüchter in Niederreifenberg verdreifacht

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Früher hatten viele Familien ein paar Hühner, Kaninchen, Schafe oder Ziegen. Die Tierhalter tauschten Zuchttiere und Erfahrungen aus. In der modernen Gesellschaft ist dafür oft kein Platz. Viele Kleintierzuchtvereine sind vom Aussterben bedroht – nicht jedoch der in Niederreifenberg.

Der Vorsitzende vom Kleintierzuchtverein H 274 Niederreifenberg, Matthias Hegetö, hat eine neue Idee. Er versucht mit einem vom Landesverband unterstützten Konzept, Anfänger für die Hühnerhaltung zu begeistern. Dabei hat er festgestellt, dass das Interesse vorhanden ist, es oft aber am Mut fehlt.

„Viele haben Angst, dass sie die Arbeit nicht schaffen und dass Nachbarn sich beschweren, wenn die Hühner gackern“, sagt Hegetö. Seine Empfehlung ist ganz einfach: „Einfach mal ausprobieren.“ Ein anderes Argument, es mit Hühnern erst gar nicht zu versuchen, ist Platzmangel. Doch aus Erfahrung etlicher neuer Mitglieder weiß er, dass zwei Quadratmeter im Hof oder Garten für einen kleinen Geflügelstamm ausreichend sind. Und genau hier setzt der Vorsitzende mit einem neuen Angebot des Vereins an. „Wir leihen Anfängern für bis zu drei Monaten einen kleinen Hühnerstall, den sie später kaufen können.“

Der Vereinsvorstand setzt aus gutem Grund auf Hobbyzüchter, die sich nur wenige Tiere halten. Im Jahr 2015 hatte der 1964 gegründete Verein gerade noch 20 Mitglieder, inzwischen sind es 67 – und alle sind aktive Tierhalter. In den vergangenen zehn Jahren habe sich in der Kleintierzucht viel verändert und der Verein habe die neuen Strömungen unterstützt. „Die klassischen ambitionierten Züchter, die drei verschiedene Rassen halten und von jeder hundert Tiere im Stall haben, um bei Ausstellungen zu punkten, werden immer weniger.“

Dafür nimmt die Zahl der Hobbyhalter zu. Das sind Tierliebhaber, die nur wenig Platz haben und dennoch ein paar hübsche Tiere halten wollen. „Der Trend geht zum Bio-Ei aus der eigenen Zucht“, konstatiert Matthias Hegetö.

Der Nebeneffekt dieser Vorgehensweise: Vielen Hobbyhalter werden im Laufe der Zeit auch begeisterte Hobbyzüchter. Sie halten sich einen kleinen Rassestamm, züchten diesen mit Hingabe und erzielen auf Ausstellungen sogar Preise.

Wenn es ums Ei gehe, müssten es nicht unbedingt die typischen Legehennen sein. „Es gibt tolles Rassegeflügel, das auch eine gute Legeleistung hat“, weiß Hegetö. Als Beispiel nennt er die Grünleger. Das sind Haushühner, die Eier mit grüner bis türkisfarbener Eierschale und einem traumhaften Geschmack legen. Wenig Platz brauchen auch die Zwerg-Welsumer, deren Eier fast so schwer sind wie die der klassischen Legehühner. „Leider sind die Zwerg-Welsumer etwas nervös“, meint der Vorsitzende. Familien mit Kindern empfiehlt er daher die hübschen Zwerg-Cochins.

Wer unsicher ist, welche Rasse für den „Hausgebrauch“ geeignet ist, dem hilft nicht nur der Vorstand. Bei den monatlichen Treffen im Vereinsraum in der Jahrtausendhalle sind immer genug erfahrene Züchter da, die Ratschläge geben. Im Verein sind nämlich nicht nur viele Geflügelzüchter und die halten nicht nur Hühner, sondern auch Tauben, Enten und Gänse. Auch die Kaninchenzüchter aus Niederreifenberg halten ausgefallene Rassen.

Generell geht es dem Verein darum, einen Beitrag zum

Erhalt der Artenvielfalt

zu leisten. „Unser Ziel ist die Erhaltung des Kulturgutes der Kleintiere und die Verbreitung der verschiedenen Rassen in unserer Region“, so Hegetö. Zu den Kleintieren, um die sich Vereinsmitglieder kümmern, gehören auch Schafe und Ziegen und sogar Bienen. Die Hunde, die viele Mitglieder haben, hat der Vorsitzende nicht einmal mitgezählt.

„Der Verein möchte für seine Mitglieder, alle Züchter und Halter von Kleintieren, ein zuverlässiger Partner und für deren Fragen und Anregungen stets ansprechbar sein“, wirbt Hegetö und sagt: „Unser Anliegen ist es, die Kenntnisse um die Kleintierhaltung durch Kommunikation, Veröffentlichung und Fortbildung zu vertiefen und die Öffentlichkeit aufzuklären.“

Die fachliche Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen, Kreis- und Landesverband ist für ihn besonders wichtig. Im vergangenen Jahr haben die Niederreifenberger zusammen mit ihrer Lokalschau auch die Kreisgeflügel- und Kreiskaninchenschau ausgerichtet und darüber wieder neue Mitglieder auch aus den umliegenden Kommunen gewonnen. Für 2020 hat Hegetö sogar den Jahresverbandstag der Hessischen Geflügelzüchter nach Reifenberg geholt.

Stolz ist der Vorsitzende, dass der Kleintierzuchtverein Niederreifenberg im Landesverband Hessen zu den fünf Vereinen mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt gehört. Dass auch die Gemeinde Schmitten so viel Engagement belohnt hat und in der Jahrtausendhalle einen Vereinsraum zur Verfügung stellt, freut ihn.

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