Viel Arbeit

Zahl der Kleinvieh-Züchter geht zurück

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Die Holzhäuser Geflügel- und Kaninchenzüchter sind bei der Kreisgeflügelschau am Wochenende als Sieger hervorgegangen. Im Rahmen des Wettbewerbs konnten in der Turnhalle am Sauerborn 465 gefiederte Schönheiten und 23 Kaninchen bewundert werden.

Dem Erhalt alter, wertvoller Haustierrassen und der Bewahrung der Artenvielfalt haben sich zahllose Kleintierzuchtvereine landauf, landab verschrieben. Und das meist schon seit Generationen. In Burgholzhausen zum Beispiel widmet sich der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein (GKZV) seit 1927 der Kleintierzucht. Doch für den Verein steht die Zukunft in den Sternen.

Denn auch im Friedrichsdorfer Stadtteil schwindet – wie in vielen Kommunen – die Zahl der Hobbyzüchter. Zurzeit verfügt der 72 Mitglieder starke Verein zwar immerhin über 15 aktive Züchter, die mit Engagement und in schöner Regelmäßigkeit Erfolge verbuchen. Trotzdem betrachten der Vorsitzende Uwe Landvogt und sein Stellvertreter Markus Kempf die Entwicklung in Sachen „Nachwuchs“ mit einer gewissen Skepsis. „Kleintierzucht ist zeitaufwendig und teuer. Daher tun sich gerade junge Leute schwer, das Hobby für sich zu entdecken“, bedauern sie im Gespräch mit der Taunus Zeitung.

So müssten die Tiere 365 Tage im Jahr umsorgt, gefüttert und gelegentlich auch geimpft werden. Spontan in den Urlaub zu fahren sei daher schwierig. Hinzu komme, dass für die Kleintierzucht ein geeignetes Grundstück notwendig sei – und zwar möglichst fernab der Wohngebiete. In den Ortslagen werde Geflügel nämlich häufig nicht mehr toleriert. „Während das muntere Hühner-Gegacker früher noch zum Lebensalltag in den Dörfern zählte, stören sich heutzutage viele Menschen daran. Davon berichten uns nicht wenige Züchter.“

Wer sich von alldem nicht beeindrucken lässt, wird mit dem schönen Gefühl belohnt, stolzer Besitzer besonders anmutiger Geschöpfe zu sein. Edle Kreaturen, die auch jetzt bei der Kreisgeflügelschau, an der sich 35 Züchter aus acht Hochtaunus-Gemeinden beteiligten, in großer Zahl zu bestaunen waren.

Da sind zum Beispiel die silberhalsigen, schwarz schimmernden Bantam-Hühner, die farbenprächtigen Zwerg-Wyandotten oder die stolzen Zwerg-New Hampshire mit ihrem goldbraunen Gefieder und den leuchtend roten Kämmen. Deutlich größer und damit auch wirtschaftlich bedeutsamer sind die Exemplare der Haushuhnrasse „Plymouth Rocks“, die wegen ihrer herausragenden Legeleistung ebenso verbreitet ist wie das „Welsumer“-Huhn, das als Fleischlieferant par excellence gilt.

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist die Tatsache, dass sämtliche Hühnerrassen auf das Bankivahuhn zurückgehen. Ohne diese asiatische Vogelrasse gäbe es heute weder Hähnchen-Nuggets noch Chicken Burger.

Doch zurück zur Kreisgeflügelschau, bei der sich auch Sachsen- und Zwergenten den kritischen Blicken der Preisrichter stellten.

Die Juroren mussten das Federvieh nach strengen Vorgaben, den sogenannten „Rassestandards“, beurteilen. Diese Kriterien werden von den Geflügelzuchtverbänden festgelegt und beschreiben die idealen Eigenschaften der Tiere – angefangen bei der Farbe des Gefieders über die Beschaffenheit des Kamms bis hin zu Körperform und Flügelhaltung.

Standards, die neben den Hühnern natürlich auch die Vielzahl von Tauben zu erfüllen hatten. So schauten neben „Thüringer Schnippen“ und Damascenertäubchen unter anderem zahlreiche „Voorburger Schildkröpfer“ aus den Ausstellungskäfigen hervor, die ihren Namen der zu einem Kropf vergrößerten Speiseröhre verdanken.

Außer Konkurrenz gingen die Kaninchen ins Rennen, die lediglich zur Friedrichsdorfer Stadtschau angetreten waren und zudem als Streicheltiere die zahlreichen Ausstellungsbesucher, darunter auch viele Züchter aus der benachbarten Wetterau, begeisterten.

Übrigens: Exemplare, die die Zuchtstandards nicht erfüllen, landen in der Regel im Kochtopf. „Natürlich bauen wir zu unserem Geflügel eine Bindung auf, aber wir können nicht jedes Tier aufheben“, erläuterte Markus Kempf, der sich als Fan von Taubenfrikassee mit roter Beete und Reis outete. Uwe Landvogt schwärmt dagegen von deftigem Taubensüppchen. „Zubereitet nur mit Salz, Pfeffer und Suppengrün“, verriet der Vereinsvorsitzende sein Lieblingsrezept.

Dass ein Tier im Zuchtbetrieb sein Gnadenbrot erhält, ist also eher die Ausnahme. Dieses Glück wurde einer ehemals erfolgreichen Henne zuteil, die bis heute in Kempfs Volieren ihre Kreise ziehen darf. Einen Namen hat das Tier dennoch nicht. Dazu, so scheint es, sind die Geflügelzüchter dann doch zu sehr geerdet.

Weitere Informationen

Informationen rund um die Kleintierzucht in Burgholzhausen gibt es auf Anfrage unter der E-Mail-Adresse uwe.landvogt@web.de

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