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Zeitreise zu Wilhelms Spielwiese

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Von: Xenia Schein

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Dr. Martin Klöffler (rechts) als Pionier-Offizier und Archäologe Ibrahim Karabed besprechen die archäologischen Funde auf der Saalburg.
Dr. Martin Klöffler (rechts) als Pionier-Offizier und Archäologe Ibrahim Karabed besprechen die archäologischen Funde auf der Saalburg. © JP

Gelebte Geschichte: Thementag „Die Saalburg um 1910“ auf dem Kastellgelände.

Hochtaunus -Da hat der Kaiser auch sich selbst gefeiert: „Wilhelm hat sich in der direkten Nachfolge der römischen Kaiser gesehen“, erläutert Annemarie Quurck die Fotos der Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Saalburg im Jahr 1900. Schauspielerinnen und Schauspieler in römischer Tracht wurden eigens zu diesem Anlass engagiert, das Ereignis ging durch die Weltpresse. Die nahm es nicht nur positiv auf: Karikaturen, die den Griff des Kaisers nach der Erdkugel zeigten, kritisierten dessen Weltmachtanspruch.

Das alles erfahren die Besucher beim Thementag „Saalburg um 1910“: Darsteller ließen den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in historischen Kostümen lebendig werden, das „Musaion“ war geöffnet und informierte zur Geschichte der Kaiser, Papiertheater und Themenführungen komplettierten das Programm.

Museumspädagogisch sei der Ansatz Wilhelm II. zu Bildung und Erlebnis auf dem Römerkastell aber durchaus modern gewesen, befindet Quurck und zeigt ein Modell einer raffinierten Fußbodenheizung aus der Römerzeit, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nachgebaut wurde. Das Experiment scheiterte allerdings, die Bauweise konnte nicht exakt wiederhergestellt werden und so produzierte das System nur Rauch. „Experimentelle Archäologie“ nennt sich das Vorgehen und war für die Beteiligten auch im militärischen Sinne interessant: Nach dem Vorbild der römischen Umwallungen bauten die Soldaten im preußischen Militärstaat sogenannte Schanzen, um ihr Lager zu schützen. „Die brauchten dafür allerdings eine Woche, darüber hätte ein römischer Soldat nur gelacht“, so die Museumsführerin.

Fast so, als wäre man dort

Lebendig wurde die Geschichte der Kaiserzeit nicht nur durch kundige Informationen, sondern ebenso durch die Theaterführungen in historischen Gewändern. Ein Highlight des Thementages, das Zuschauern unmittelbar vor Augen führte, wie selbstverständlich jeder junge Mann Teil der Armee wurde - mit Unterschieden natürlich, denn wer sich eine eigene Ausrüstung leisten konnte, durfte den Militärdienst auf ein Jahr verkürzen. Bis ins Detail ausgearbeitet waren die Kleidungsstücke und Requisiten der Darsteller, bis hin zur Ausstattung der Marktfrau, die Körbe voll Äpfel und Eier anbot. Dabei erzählte sie dem preußischen Polizisten, der ein wenig an Wachtmeister Dimpfelmoser erinnerte, von den Steinen ihrer Scheune, die als der Saalburg zugehörig erkannt wurden; dieser „Steinraub“ war der Grund, warum der Landgraf schließlich das ganze Gelände aufkaufte.

Gouvernante Miss Johnson führt derweil ein etwas privilegierteres Leben und unterrichtet die kaiserliche Tochter in Englisch, letztere hat „schon gute Fortschritte gemacht“.

Eine Zeitreise hat auch Dieter Dressel unternommen, der sich mit der Geschichte der kaiserlichen Autoflotte beschäftigt und im anlässlich des Rücktrittsjubiläums gedrehten ZDF-Film „Kaisersturz“ mitgespielt hat. Faszinierende Einblick in die Vergangenheit bleiben gesichert: Vor zehn Jahren ist man auf der Saalburg dem Beispiel des Kaisers gefolgt, der im Grundstein museumspädagogische Schriften hinterließ und hat dort die für heute lebende Menschen aktuellen Erkenntnisse niedergelegt. Was wohl zukünftige Generationen dazu sagen werden?

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