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Zensus: Hotline-Probleme

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Usingen. Der neue Zensus ist nicht unbedingt überall ein geliebtes Kind. Mit der Datenerhebung aus den privaten Haushalten versucht das statistische Landesamt, Grundlagen für künftige Entscheidungen zu erhalten. Die Teilnahme für ausgewählte Personen ist übrigens nicht freiwilliger Natur. Wer ein Anschreiben erhält, muss seiner Auskunftspflicht nachkommen, möglichst wahrheitsgemäß Angaben ans Amt zurücksenden.

Nun hat auch Horst Kerns Familie so einen Fragebogen erhalten, genauer: seine Frau. Die Gattin des ehemaligen Usinger Unternehmers weilt aber noch für fünf Wochen nicht im Haus und kann den Bogen daher nicht ausfüllen. Kern hätte nun dem im Fragebogen genannten Kontakt gerne den Umstand erläutert, denn er wettert nicht gegen den Zensus an sich. Inzwischen wohl schon, auf jeden Fall gegen die Organisation des Ganzen, denn da gibt es offenbar noch Probleme.

Auf dem Fragebogen ist die Hotline-Nummer angegeben. Die hat er auch gewählt und bekam die Auskunft, dass er noch 26 Minuten in der Warteschleife verweilen müsse. »Kein Problem«, sagt Kern. »In der Zeit kann ich gemütlich Zeitung lesen.« Sprach’s, stellte den Hörer auf laut und blätterte sich währenddessen durch die Neuigkeiten.

Nach der Wartezeit kam die Ansage, dass es noch 120 Sekunden seien, bis ein Mitarbeiter Zeit habe. Kern wartete. Um dann eine Stimme zu vernehmen, dass die Leitung nun doch überlastet sei und die Mitarbeiter nicht erreichbar wären. Aufgelegt. Zweiter Versuch - selbes Ergebnis.

Angst vor einem möglichen Bußgeld

Nun weiß Kern auch, dass die Umfrage eben keine freiwillige Sache (mehr) ist und am Ende auch ein Bußgeld stehen kann. »Aber wie soll man denn bitte mitteilen, dass derzeit keiner den Fragebogen ausfüllen kann?«, fragt er.

Die Frage haben wir dann gleich mal ans Statistische Landesamt in Wiesbaden weitergeleitet. Eine Sprecherin des Landesamts kann etwas Licht ins Dunkel bringen. Seit Montag seien insgesamt 1,2 Millionen Anschreiben an hessische Wohnraumeigentümer für die Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus verschickt worden. In den vergangenen Tagen habe es daraufhin an der Hotline ein erhöhtes Anruferaufkommen gegeben. »Trotz allem konnten 95 Prozent der Anrufe durch den Hotline-Dienstleister entgegengenommen werden«, sagt die Sprecherin. Inzwischen sind die Kapazitäten aber noch einmal erhöht worden.

Gedanken über schnelle Geldforderungen wegen nicht ausgefüllter Bögen müsse sich außerdem niemand machen. »Wir lassen natürlich einige Wochen Zeit, senden dann die erste Erinnerung, es folgt nach einer weiteren Wartezeit die zweite, und erst dann wird ein Zwangsgeldverfahren eingeleitet«, erklärt sie.

Und: »Natürlich muss nicht der Angeschriebene selbst und ausschließlich den Fragebogen ausfüllen. Das könnten auch Familienangehörige und Kenner der Materie machen. Gerade wenn der Ehemann Miteigentümer des Hauses oder der Wohnung sei.

Viele Antworten auf der Homepage

Da gebe es keine Vorschrift.« Vorgegeben sei nur, dass die Angaben zutreffend sein müssten. »Wenn jemand noch Fragen hat, kann er sich auch gerne auf unserer Homepage (www.statistik.hessen.de/faq, Anm. d. Red.) umschauen. Dort haben wir die häufigsten Fragen und Antworten gesammelt. Dann erübrigt sich vielleicht sogar ein Anruf. Aber nachdem die Kapazität erhöht wurde, müsste ein Durchkommen bei der Hotline nun kein Problem mehr darstellen«, heißt es aus Wiesbaden.

Da scheint allerdings der Wunsch Vater des Gedanken. Denn Kern hat es am Donnerstag erneut probiert. Nach drei Versuchen und fast 60 Minuten Wartezeit kam er durch. Der Mitarbeiter aber konnte nicht helfen, weil »man nur 45 Minuten Schulung für den Telefonjob gehabt hätte«. Er gab eine weitere Rufnummer an - und auch dort herrschte Ratlosigkeit. Kern hat aufgegeben.

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