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Kliems Wochenschau

Zerschlagenes Porzellan

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Eines mal gleich vorweg: Wenn zwei wichtige Personen, die beide der gleichen Sache verpflichtet sind, nicht Hand in Hand arbeiten und kein Vertrauen zueinander haben, dann muss dieser Zustand beendet werden.

Eines mal gleich vorweg: Wenn zwei wichtige Personen, die beide der gleichen Sache verpflichtet sind, nicht Hand in Hand arbeiten und kein Vertrauen zueinander haben, dann muss dieser Zustand beendet werden. Beim Amt des Bürgermeisters von Königstein und bei der Geschäftsführung der Königsteiner Kur GmbH handelt es sich um eine derartige Konstellation. Leonhard Helm und Almut Boller sind, jeder in seiner Funktion, für das Wohl der Kurstadt verantwortlich – haben oder hatten aber offenbar gravierende Probleme miteinander. Da gibt es dann zwei Möglichkeiten: aussprechen und vertragen oder trennen.

Für Ersteres reicht oft ein Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch. In Königstein aber wurde für Donnerstag kurzfristig eine Sondersitzung des Kur-Aufsichtsrates einberufen. Und das roch dann doch stark nach schwerer Krise, unüberwindbaren Differenzen und Abschied. Tags darauf waren, oh Wunder, die Missverständnisse ausgeräumt. Und da fragt man sich schon, ob es dazu eines derartigen Showdown-Szenarios bedurft hätte. Im Aufsichtsrat jedenfalls hat Helm dem Vernehmen nach mit seinem Vorstoß mehr Kopfschütteln als Nicken geerntet.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Königsteiner Rathauschef keine überzeugenden Argumente ins Feld führen konnte und deshalb auch keine breite Unterstützung bekam. Dabei müsste Helm eigentlich wissen: Wenn man als Bürgermeister eine knifflige Entscheidung herbeiführen will, dann ist man gut beraten, den Schritt plausibel zu begründen und sich vor dem geplanten Vollzug die notwendige Unterstützung zu organisieren.

Die Königsteiner Politik war allerdings von der Einladung zur Sondersitzung überrascht worden, zeigte sich mehr als verwundert und hat den Rathauschef heftig ausgebremst. Offiziell sind jetzt alle Missverständnisse vom Tisch – aber der gestern verkündete Burgfrieden ist ein trügerischer. Die ganze Aktion hat reichlich zerschlagenes Porzellan und nur Verlierer hinterlassen.

Aufs Tempo hat dieser Tage auch der Kronberger Magistrat gedrückt. In der letzten Parlamentssitzung dieser Wahlperiode soll die finale Entscheidung über die Neugestaltung des nördlichen Bahnhofareals fallen. Zur Erinnerung: Es geht um jene Fläche, auf der nicht nur ein Businesshotel, sondern auch ein großer Konzertsaal für die Kronberg Academy entstehen soll – also mithin um ein wichtiges Baufeld, das Gegenstand unzähliger Debatten war, aber noch immer nicht verwertet ist.

Aus Sicht von CDU und SPD ist inzwischen alles gesagt. Und deshalb wollen die beiden Parteien den Beschluss ohne weitere Verzögerung endlich auch fassen; am 18. Februar soll das Parlament den Weg für die Neugestaltung freimachen. Natürlich spielt die Kommunalwahl im März dabei eine wesentliche Rolle. Kurz vor Ende der Legislaturperiode will Kronbergs große Koalition liefern. Aber es geht ja nicht nur um Parteipolitik. Vielmehr ist es auch im Sinne der Stadt, wenn ein ebenso richtungsweisendes wie überfälliges Vorhaben auf den Weg gebracht und nicht den Unwägbarkeiten künftiger Machtverhältnisse ausgesetzt wird.

Und dann wurde rechtzeitig vor der Wahl diese Woche auch umgesetzt, was das Land Hessen angekündigt hatte: Die Notunterkünfte für Flüchtlinge in Bad Homburg und Oberursel wurden geräumt, die Sporthallen werden demnächst wieder für Schulen und Vereine zur Verfügung stehen. Ob sie noch einmal als Notquartiere gebraucht werden, weiß man nicht einmal in Berlin.

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