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Zur Zahnpflege auch mal eine Eiche geschreddert

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Auch hierzulande heimisch: der Biber. © Red

Usinger Land (sng). Abgeknabberte Weidenäste und -stämme mit den typischen Holzschnitzeln darunter und entrindete Äste mit den markanten Querstreifen weisen auf den neuen Bewohner hin. Nicht wenig weiter findet sich am Gewässerrand auch die Burg. Ein junger Biber hat sich hier niedergelassen. Aus Artenschutzgründen wird der genaue Ort nicht genannt.

Damit ist es im Bezirk des Forstamtes Weilrod mittlerweile das achte bekannte Biberrevier. Dies teilte Bhavana Kaiser mit, seit Anfang November Funktionsbeamtin Naturschutz im Forstamt Weilrod. Zwei der Reviere sind bereits mit jeweils einem Biberpaar besetzt, sodass hier Nachwuchs zu erwarten ist. Das Usinger Land ist vermutlich über die Usa wiederbesiedelt worden. Mitte der 1980er Jahr sind in Hessen 18 Paare von Elbe-Bibern ausgewildert worden.

Heute zählt das Bundesland bereits wieder über 1000 der großen Nager. »Im Winter fressen Biber am liebsten die Rinde von Weiden und Pappeln, aber auch Erle und gelegentlich Hasel«, berichtet Kaiser. Wie man hier sieht, denn am Ufer des Teiches sind einige Weidensträucher gekappt. So kommt der Biber auch an die dünneren Zweige heran, die er ganz verputzt. Im Sommer nimmt er lieber anderes Grünfutter zu sich, er ist reiner Vegetarier. »Ein Biber flieht immer ins Wasser«, erläutert die Forstbeamtin. Und darum gestaltet er sich seinen Lebensraum so, dass seine Nahrungsgründe immer dicht am Wasser liegen.

Dazu kann er durchaus massive Dämme bauen oder er verstopft auch schon mal den Abfluss eines Teiches, um den Wasserspiegel anzuheben. Aber hier scheint er mit dem Wasserstand des Teiches zufrieden zu sein. Seine Biberburg, die dicht am Ufer liegt, hat ihren Ausgang unter der Wasseroberfläche direkt in den Teich. »Ein Biber hat ein großes Sicherheitsbedürfnis«, nennt Kaiser den Grund für diese Bauweise. Natürliche Feinde hat der Nager mit dem dichten Fell hierzulande kaum, allenfalls ein Uhu fängt schon mal einen jungen Biber. Der größte Feind war und ist der Mensch.

Früher beliebt bei den Mönchen

Früher wurde der Biber wegen seines Felles gejagt, aber auch als Fastenspeise der Mönche, die ihn wegen seiner Lebensweise im Wasser als Fisch klassifizierten. Heute sind es vor allem die Straßen mit dem Verkehr, deren Opfer die bis zu 18 Kilogramm schweren Säugetiere werden. Aber trotzdem werde sich der Biber weiter ausbreiten, ist sich die Naturschützerin sicher.

Und sie heißt ihn willkommen. Denn seine Tätigkeiten sind für den Naturhaushalt von Vorteil. Dort, wo er lebt und Dämme baut, steigt auch der Grundwasserspiegel. »Er kann seine Umwelt fast genauso beeinflussen wie der Mensch«, sagt die Försterin, aber dies im positiven Sinn. Denn durch seine Teiche schafft der Biber wiederum Kleinbiotope für andere Tiere und Pflanzen. Eisvögel, Libellen, Schmetterlinge profitieren, wie viele andere, von den entstehenden Feucht- und Gewässerbiotopen.

Und auch die »Pflege« von Gehölzen am Wasser durch den Biber ist dem Forstamt lieb. So müssen sich die Förster nicht auch noch darum kümmern. Sollte es doch einmal Probleme mit der Anlage von Biberdämmen und den dadurch entstehenden Teichen geben, kann man sich über das Forstamt Weilrod an Kaiser wenden.

Info-Stand zum Europatag

Gemeinsam wird dann nach einer für beide Seiten akzeptablen Lösung gesucht. Denn ein Biber kann durchaus schnell einen zerstörten Damm wieder aufbauen, wenn dadurch seine Wasser-Wohlfühlzone beeinträchtigt ist. Ein junger Biber lernt den Dammbau von seinen Eltern, darum suchen sich die Jungtiere auch erst mit etwa zwei Jahren ein neues Revier. Das Forstamt wird auf seinem Stand zum Europatag in Weilrod am 7. Mai in Rod an der Weil nicht nur über seine »normale« Arbeit mit Schwerpunkt Brennholz informieren, sondern auch über den Biber. Und dazu sammelte Kaiser einige Handvoll der vom Biber produzierten Späne und auch abgeschälte Aststücke ein, um diese dann zu verteilen. »Zur Zahnpflege schreddert so ein Biber auch schon mal eine dicke Eiche«, wusste sie zu berichten. Denn zum Dammbau und als Nahrung taugt sie nicht. Aber dies müsse der Forst tolerieren.

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