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Justitia

Prozess

Zwei Männer überfallen  demenzkranken Rentner - Haftstrafe

Mit Haftstrafen von acht beziehungsweise fünf Jahren ist gestern vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess um den brutalen Überfall auf einen demenzkranken Hausbesitzer aus Ober-Erlenbach zu Ende gegangen. Die beiden 31 und 28 Jahre alten Männer auf der Anklagebank wurden aufgrund der als glaubhaft eingeschätzten Zeugenaussage eines dritten Täters überführt.

Knapp vier Jahre nach einer ganzen Serie von teilweise schweren Straftaten wurden die beiden 31 und 28 Jahre alten Männer jetzt „von ihrer kriminellen Vergangenheit eingeholt“, sagte Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan in der Urteilsbegründung. Im Zentrum des seit Anfang Oktober laufenden Prozesses aber stand eindeutig die Ober-Erlenbacher Tat vom April 2015, bei der sich das demenzkranke Opfer nicht nur 24 Stunden lang – gefesselt und angekettet an eine Rohrleitung – im eigenen Badezimmer ausharren musste, sondern auch noch beraubt, fotografiert und ausgelacht worden war. Danach türmten die drei Täter mit 100 Euro Bargeld und der Scheckkarte des Opfers. „Schäbig und verwerflich“

Richter: „Schäbig“ und „wirklich verwerflich“

Richter Kaiser-Klan fand deutliche Worte zum Charakter dieses Raubüberfalls: „Schäbig“ oder „wirklich verwerflich“ sei allein schon der Gedanke, gezielt ältere und damit vielfach hilflose Hausbewohner in guten Wohngegenden auszugucken, um sich mit ein bisschen Geld zu versorgen. Solche Wohnlagen waren den drei Tätern durchaus vertraut – als Mitglieder einer Drückerkolonne waren sie im Auftrag eines Fensterbauunternehmens gerade in Gebieten mit Einfamilienhaus-Bebauung häufig unterwegs.

Vielfach auch in anderer Weise kriminell aktiv, erwischte es zunächst einen der Täter, der zwischendurch auch bei Raubüberfällen auf Tankstellen und Einbruchsserien beteiligt war. Er wurde in Limburg zu einer hohen Haftstrafe verurteilt und kam auch in Frankfurt wegen der Ober-Erlenbacher Sache vor Gericht, das er am Ende mit einer Strafe von neuneinhalb Jahren Richtung Haftanstalt verließ. Dabei kam er sogar noch in den Genuss der Kronzeugen-Regelung. Er hatte die Namen der beiden Mittäter genannt und damit deren Festnahme und den aktuellen Prozess ermöglicht. Dort machten die beiden Angeklagten recht unbeteiligte Mienen, „eigentlich recht ungewöhnlich, wenn man sich als zu Unrecht verfolgt und angeklagt fühlt“, sinnierte Richter Kaiser-Klan. Mit den Taten wollten sie nämlich nichts zu tun haben, der dritte Mann habe sie nur aus Frust über die eigene Verurteilung „hingehängt“. Zeuge ist glaubwürdig

Doch wenn es sich bei dem Kronzeugen auch um einen erwiesenen Schwerkriminellen handelte – Gericht und Staatsanwaltschaft glaubten ihm, weil seine „lange und intensive“ Vernehmung eben auch in allen Details zur Tat schlüssig gewesen sei und sich darin auch mit manchen Einzelheiten anderer Zeugenaussagen gedeckt habe.

Der demente Mann aus Ober-Erlenbach stand für Ermittlungen und Nachforschungen nicht mehr zur Verfügung – der damals 80-Jährige starb in der Zwischenzeit. Zahlreiche Nachbarn und Bekannte aber mussten sich noch einmal auf den Weg zu dem Frankfurter Gericht machen.

Haus des Rentners stundenlang durchsucht

Ausdruck der besonderen Dreistigkeit, mit der die Täter zu Werke gegangen waren, war auch ein Vorfall eine Woche vor dem Ober-Erlenbacher Überfall, der sich in einem Einfamilienhaus in Schwalbach am Taunus ereignete. Dort hatten die angeblichen Polizisten dem verdatterten Hausbesitzer einen gefälschten Durchsuchungsbefehl unter die Nase gehalten und das Haus eineinhalb Stunden lang auf den Kopf gestellt. Auch hier fielen ihnen zwei Scheckkarten in die Hände, mit denen sie bis zur Sperrung allerhand Schindluder anrichteten – der Schaden belief sich auf 2000 Euro. Einziger Lichtblick: Der Hausherr kam mit dem Schrecken, vermutlich aber auch mit der Erkenntnis davon, dass man an der Haustüre eigentlich niemanden mehr trauen kann.

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