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Lore Bäuscher verkauft auf Frankfurts größtem Wochenmarkt, dem Erzeugermarkt auf der Konstablerwache, Obst und Gemüse.

Neue Studie

Immer mehr Gastrostände auf Frankfurts Wochenmärkten

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Frankfurts Wochenmärkten geht es gut. Das ist das Fazit einer neuen Studie, die die Stadt präsentierte. Die Händler leben vor allem von Stammkunden, dem Angebot regionaler Produkte und Gastroständen.

Ganz bewusst wurde schon vor vielen Jahren ein eindeutiges Konzept für Frankfurts Wochenmärkte ausgegeben: Lebensmittel werden dort verkauft, und zwar regionale Produkte, denn „regional schlägt Bio“, sagt Michael Lorenz von den städtischen Marktbetrieben (HFM). Mittlerweile kommen immer mehr gastronomische Angebote hinzu. Kein Markt kommt ohne sie aus. „Darüber hinaus gibt es höchstens noch Blumen“, sagt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Vereinzelte Stände mit Textilien wie beim Gallusmarkt seien die Ausnahme. Denn gemischte Wochenmärkte wie in Köln oder dem Ruhrgebiet will die Stadt nicht haben.

 

Eine Studie der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) bestätigt diesen Kurs. „Im Vergleich mit anderen Großstädten hat Frankfurt schöne und gute Wochenmärkte“, sagt Monika Kollmar (GMA). Die meisten der 27 städtischen Märkte, die an 22 Standorten stattfinden, funktionieren. Nur bei wenigen wie in Seckbach mit zwei Ständen sei das anders.

Alle verkaufen Lebensmittel, dann ähneln sie sich alle, könnte man meinen – doch weit gefehlt! Einige wie etwa der Markt in Bornheim-Mitte haben immer noch die klassische Nahversorgungsfunktion: Drei von vier Kunden kaufen Lebensmittel, etwa 20 Prozent der Besucher bummeln oder treffen Freunde, nur vier Prozent kommen wegen der gastronomischen Angebote.An den Ständen des Erzeugermarkt auf der Konstablerwache, dem größten Wochenmarkt der Stadt, kaufen nur die Hälfte der Besucher um Lebensmittel. Ein Drittel isst und trinkt hier etwas. Damit liegt der Markt etwa im Frankfurter Durchschnitt. „Eine Sonderstellung hat der Markt am Celsiusplatz in der City-West. Hier gibt es fast nur gastronomische Angebote“, sagt Lorenz. Die werden mittags vor allem von Mitarbeitern umliegender Firmen genutzt. „Sehr viele Bewohner hat das Quartier nicht. Es gab schon mehrere Bäcker und Gemüsestände, die gaben aber schnell wieder auf“, fügt Lorenz an.

Wochenmärkte als Treffpunkt für die Nachbarschaft – diese Funktion werde immer wichtiger. „Ein Café- oder Weinstand etwa führt dazu, dass die Leute sich dort treffen. Manchmal wollen sie dann abends gar nicht mehr gehen“, nennt Lorenz den Friedberger Platz. Dort wird noch gefeiert, wenn die Marktbeschicker längst verschwunden sind. Die Nachbarn ärgerten sich, die Stadt musste eingreifen. „Manch einer sagt kritisch, das sei ein Heiratsmarkt. Aber wieso nicht? Zum urbanen Leben der Großstadt gehören auch Orte an denen die Menschen sich wohlfühlen“, meint Lorenz.

Dass Frankfurts Märkte vor allem der Nahversorgung dienen, lässt sich laut Kollmar an der Kundschaft ablesen. Nur neun Prozent kommen mit dem Auto, 16 Prozent mit dem Rad, 24 Prozent mit Bus oder Bahn und die Hälfte zu Fuß. Mit 57 Prozent überwiegen Frauen, alle Altersgruppen sind gleichmäßig vertreten, nur bei den unter 25-Jährigen sind Märkte weniger beliebt. Vor allem lebten die Händler von Stammkunden, die zwischen 50 und 75 Prozent ausmachen. „Kontinuität ist wichtig. Deshalb tauschen wir selten Marktbeschicker aus“, sagt Lorenz. Im Durchschnitt seien diese ihrem Standort seit 17 Jahren treu.

Kritik gibt es wenig, meist seien es Kleinigkeiten wie mangelnde Sauberkeit oder fehlende Parkplätze. Die meisten befragten Händler seien mit ihrem Umsatz zufrieden. Oft würden neue Märkte gefordert, sagt Frank. „Aber nicht überall funktioniert ein Wochenmarkt. Das hängt von vielen Faktoren ab.“ Seit 1980 würden Wochenmärkte in Frankfurt immer beliebter, die meisten entstanden seitdem, sagt HFM-Betriebsleiter Herbert Janicke. „Inzwischen ist aber einen gewisser Sättigungsgrad erreicht. Neue Märkte drohen, bestehenden die Kundschaft wegzunehmen. Das wollen wir nicht.“

Welcher Markt wann wo ist

Eine Liste der Wochenmärkte gibt es unter www.frankfurt.de, im Internet. Dort sind auch jene anderer Veranstalter aufgeführt.

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