Info: Kartenzahlung löst Bargeld ab – doch Deutschland hinkt hinterher

Einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zufolge steigt der Anteil der Kartenzahlungen in Deutschland langsam, aber stetig. Gemessen am Umsatz sind es ein bis zwei Prozent pro Jahr.

Einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zufolge steigt der Anteil der Kartenzahlungen in Deutschland langsam, aber stetig. Gemessen am Umsatz sind es ein bis zwei Prozent pro Jahr. 2017 lagen Bargeld und Karte erstmals gleichauf: Jeder zweite Euro wurde bargeldlos bezahlt, zumeist mit der Girocard (EC-Karte), das elektronische Bezahlsystem der deutschen Banken. Kleinbeträge unter 30 Euro werden aber weiterhin zumeist bar beglichen – oft geht es nicht anders, etwa in Bäckereien oder im Tabakladen. „In zwei bis drei Jahren ist aber zu erwarten, dass so gut wie alle Händler auch die bargeldlose Alternative anbieten“, prognostiziert Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte des Handelsverbands HDE. Auch der Anteil der neuen Girocards, die kontaktlos, also ohne PIN oder Unterschrift, funktionieren, steigt. Ende des Jahres wollen zwei Drittel der Händler die kontaktlose Karte akzeptieren.

Für kleinere Geschäfte wie Zeitschriftenläden sei es nach wie vor zu teuer, das Gerät zu mieten und die Gebühren zu zahlen, sagt Binnebößel. Teuer ist vor allem die Gebühr für den Netzbetreiber, der das Terminal vermietet, installiert und eine monatliche Grundgebühr berechnet. Überdies gehen 0,2 Prozent jeder Transaktion an die Bank. Da können monatlich schon mal dreistellige Summen zusammenkommen. Bei Kreditkarten wird zusätzlich eine Provision fällig, auch Disagio genannt, meist zwischen 1,5 und 2 Prozent der Transaktion. Aufpreise für Kartenzahlungen dürfen Händler aber nicht nehmen. Das ist gesetzlich verboten. Nur beim Online-Bezahldienst Paypal ist eine Zusatzgebühr noch zulässig.

Die deutsche und europäische Gastronomie hänge dem internationalen Bargeldlos-Trend hinterher, räumt der Geschäftsführer des Gaststättenverbands Dehoga, Julius Walter, ein. Dabei erleichtere das digitale Bezahlen, wie es zum Beispiel bei Online-Bestellservices wie Foodora möglich ist, den Zahlungsprozess ungemein. „Es spart Zeit und Personal.“ Abgesehen davon, dass der Gastronom sich das bargeldlose Zahlen leisten können müsse, meint Walter, seien es aber vor allem die Gäste, die das Zahlen mit Bargeld mehr schätzten.

In der Tat bevorzuge mancher das Bargeld, um möglichst wenige Daten preiszugeben oder aus Angst davor, Betrugsopfer zu werden, sagt auch Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. Aber die Kreditkartenzahlung und mobiles Bezahlen seien sehr sicher. Falls man seine Karte verlieren sollte und tatsächlich eine falsche Abbuchung getätigt werden sollte, werde diese von der Bank beziehungsweise dem Kreditkartenanbieter zurückgebucht. „Eine Zahlung muss vom Kartenanbieter autorisiert sein“, weiß Lassek. stw

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