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Paradiesisch: Wie nicht von dieser (Frankfurter) Welt wirkt dieses grüne Idyll.

Grüne Lunge am Günthersburgpark

Initiative bietet Sporttreibenden ihre Gärten an

Dass Parks nicht von kommerziellen Trainingsgruppen genutzt werden dürfen, hat die letzten Wochen viele Sportler verunsichert. Nun können sie sich bei der Initiative „Grüne Lunge“ melden und werden zu Gartenbesitzern vermittelt, die ihr Grün zwischen dem Wasserpark und Günthersburgpark für die Fitnessfreunde öffnen.

Konkrete Vereinbarungen gibt es noch nicht, aber das Angebot steht. Und zwar „für alle“, sagt Peter Beckmann. Er ist der Sprecher der Bürgerinitiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ und was die Initiative anbietet ist Folgendes: Alle Sportgruppen, die ihre Kurse nicht mehr in den Frankfurter Parks durchführen dürften, könnten auf die wilden Gärten zwischen Wasserpark und Günthersburgpark ausweichen. So schreibt es die Initiative auf ihrer Facebook-Seite.

„Tatsächlich haben sich deshalb schon einige Personen bei uns gemeldet“, sagt Beckmann. Wie viele es genau sind, will er nicht sagen. Man stehe noch in Verhandlungen und sei dabei, jene, die angefragt haben, an Besitzer geeigneter Gärten zu vermitteln.

Hintergrund der Geschichte: Anfang des Monats überraschte die Stadtpolizei im Frankfurter Holzhausenpark einige kommerzielle Trainingsgruppen Die Trainer sollten ihren Gewerbeschein vorzeigen und erfuhren so, dass es in den öffentlichen Parks der Stadt nicht gestattet ist, Kurse abzuhalten, wenn damit Geld verdient wird. Bis 1000 Euro Strafe könnten sonst fällig werden. Seit über 20 Jahren steht das so in der Satzung des Grünflächenamts, bislang hatte die Stadt dieses Verbot nur nicht durchgesetzt.

Daran solle sich grundsätzlich auch nichts ändern, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Montagabend während einer Podiumsdiskussion bei der „Europäischen Woche des Sports“ am Mainufer. Wenn es allerdings in kleineren Anlagen wie dem Bethmann- oder dem Holzhausenpark zu Konflikten mit anderen Parknutzern komme, dann werde die Stadt das Verbot durchsetzen. Heiligs Friedensangebot: Die kommerziellen Trainingsgruppen sollten in größere Parks ausweichen. Dennoch waren viele Sportler verunsichert und speziell an sie wendet sich die „Grüne Lunge“.

Die Initiative hatte sich gegründet, als die Stadt bekannt gab, auf dem 16,6 Hektar großen Areal nördlich des Günthersburgparks ein neues Quartier mit 1400 Wohnungen bauen zu wollen. Davon ist auch die 8,6 Hektar große Fläche mit den dicht bewachsenen Gärten betroffen, sie soll dem neuen Wohngebiet weichen. Die Gartenbesitzer gingen auf die Barrikaden. Sie machten in erster Linie ökologische Einwände gegen das geplante Bauvorhaben stark. Sie verwiesen auf die alten Bäume – und die Fledermäuse, die dort lebten. Und betonten vor allem, wie wichtig das Areal für die Frischluftproduktion in der Innenstadt sei.

Ihr Protest stieß bei vielen Frankfurtern auf Zuspruch. Andere kritisierten, dass sich die Kleingärtner an ihr Grün klammerten, obwohl die Wohnungsnot in Frankfurt exorbitant sei. Die Initiative verteidigte sich damit, dass sie die grüne Oase nicht für sich, sondern für alle Frankfurter bewahren wolle – und man sich in Zukunft auch stärker für die Frankfurter öffnen werde, die dort keine Gärten haben.

Damit habe das Angebot an die Sportgruppen allerdings nichts zu tun, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative. Dass es ein menschliches Bedürfnis gebe, sich im Grünen aufzuhalten und dort eben auch Sport zu treiben, sei einfach der Grundgedanke des Vereins. „Darum laden wir die Sportler zu uns ein“, sagt Beckmann. „Weil es uns alle betrifft, wenn immer mehr Grünflächen verschwinden, Frankfurt nachverdichtet und es auf dem wenigen verbleibenden Grün immer enger wird.“

Wer gerne seine Sportkurse in den wilden Gärten abhalten möchte, kann sich bei der Initiative melden unter der E-Mail-Adresse: info@gruene-lunge-am- guenthersburgpark.de

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