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Können diese Augen lügen? Oder wird gleich gespuckt? Die Lamas faszinieren Erwachsene wie auch Kinder.

Motto „Lust auf Land“

Innenstadt wird beim Erntefest zum großen Bauernhof

Hausmacher Wurst, Brot, Apfelwein, Honig und Käse: noch bis einschließlich Samstag lockt das Erntefest auf dem Roßmarkt die Besucher mit kulinarischen Spezialitäten aus der Region.

Kühe muhen gegen den Verkehrslärm an, Schweine wälzen sich im Stroh, Ziegen stoßen ihre Hörner gegen das Gatter. In der Luft liegt der Geruch von Bratwurst, Käse und frischem Brot. In der Frankfurter Innenstadt ist der Bauernhof los, zum bereits 35. Mal wird das Erntedankfest auf dem Roßmarkt gefeiert. „Wenn die Sonne lacht“ – mit diesen Worten eröffnet Karlheinz Gritsch, Vorsitzender des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins, fröhlich das Fest.

Während sich die meisten Menschen über den Rekordsommer freuten, haben Landwirtschaft und Nutztiere gelitten. „Die große Trockenheit wird sich noch lange auf die Betriebe auswirken“, sagt Gritsch. Besonders schlimm habe es die Tierhaltung getroffen. Durch die Hitze sind die Weiden zu großen Teilen ausgetrocknet, Tiere finden nicht genug Futter, weshalb viele Bauern bereits die Winterfuttervorräte anbrechen mussten. „Dennoch ist die Ernte eingebracht und dafür möchten wir uns heute bedanken“, sagt Gritsch.

Unter dem Motto „Lust aufs Land“ präsentieren zahlreiche Metzger, Imker, Milchbauern, Brotbäcker sowie Obst- und Gemüsebauern ihre Produkte. Bereits am Vormittag sind zahlreiche Besucher gekommen und probieren sich durch die kulinarischen Spezialitäten aus der Region. Aber nicht nur schmecken soll es auf dem Erntefest, sondern jeder kann sich aus erster Hand über Produktionsweisen informieren. „Die Äpfel werden im Trichter gemahlen und die Maische wird dann in Keltertücher eingelegt“, erklärt Willi Adler einer Kindergruppe die Apfelsaftherstellung. Drei Zentner kann er pro Vorgang pressen. Aus einem Zentner Äpfel gewinnt er rund 30 Liter Saft. „Das schmeckt sehr gut“, lobt ein Besucher und leert sein Glas mit wenigen Schlucken.

Viele Besucher kommen seit Jahren zum Erntefest wegen der regionalen Lebensmittel und Produkte. Aber auch die vielen selbst gemachten Handarbeiten stoßen auf reges Interesse: Stricksocken, Duftbeutel, Besen und Kerzen aus Honig. Die Auswahl ist groß. Oliver Kalb etwa ist gelernter Korbflechter und führt den Familienbetrieb bereits in der vierten Generation. „Mein Vater, mein Großvater und mein Urgroßvater – alle waren Korbflechter“, erzählt er. Alle Produkte flicht er aus Weide. Für einen Stuhl braucht er mindestens einen ganzen Tag, während er die Körbe in zwei bis drei Stunden schafft.

Das Erntefest will mehr sein als ein herkömmlicher Bauernmarkt. Immer wieder stehen kleine Gatter mit Ziegen, Schweinen, Kühen und Schafen zwischen den Verkaufsständen und sorgen für Bauernhofatmosphäre. Kinder stecken begeistert ihre Finger durch die Stäbe, streicheln Tiere und kichern, wenn „Mama Kuh“ ihr Kalb mit einem Muhen beschützen möchte. „Für viele ist das der erste Kontakt mit einer Kuh“, erklären Erzieherinnen. Aber auch Lamas sind zu sehen. „Wir wollen Landwirtschaft vor allem auch für unsere jüngeren Gäste erlebbar machen“, sagt Gritsch. Spielerisch sollen Kinder lernen, wie Milch gemolken wird, wie Käse und Quark hergestellt werden und ein gesundes Frühstück aussieht. Bis zu 4000 Kinder und Jugendliche werden in den nächsten Tagen auf dem Erntefest erwartet – die Tiere können sich also auf ausgiebige Kuscheleinheiten freuen. Aber auch die Erwachsenen sollen unterhalten werden und etwas lernen. Neben Rezeptideen gibt es erstmals die Möglichkeit des virtuellen Erlebens: Durch eine 3D-Brille können Besucher in die Rolle eines Schweine- oder Gemüsebauern schlüpfen.

Großes Rahmenprogramm

Heute und morgen ist das Erntefest auf dem Roßmarkt jeweils von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Kochshows, Quizeinlagen, Auftritte von Volkstanzgruppen und Landtechnik-Vorführungen sowie Schafschuren bieten für jeden Geschmack etwas.

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