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Gute PR ist wichtig: Die Mitglieder der Friseurinnung freuen sich über die positive Berichterstattung in der Presse.

Friseurhandwerk

Innung kritisiert hohe Zahl an Ausnahmegenehmigungen

Gibt es im Friseurhandwerk zu viele Ausnahmegenehmigungen für Betriebe ohne Meister? Eine eher laxe Genehmigungspraxis attestieren jedenfalls Teilnehmer der gestrigen Jahreshauptversammlung der Friseur-Innung Limburg-Weilburg der zuständigen Handwerkskammer in Wiesbaden.

„Wir sind fröhlich und kreativ“, dieses Motto galt für Marion Saquella und ihre Kollegen von der Friseur-Innung Limburg-Weilburg nicht nur während des obligatorischen Pressefotos am Ende der gestrigen Jahreshauptversammlung. Stets emsig darum bemüht, besonders jungen Leuten die Vorzüge des immer noch sehr beliebten Handwerksberufs näherzubringen, präsentierte sie auf der Versammlung die Presse-Ausbeute des vergangenen Jahres. Also Artikel, in der die neuesten Modetrends vorgestellt oder über die Innung und ihre Mitglieder berichtet wurde.

„Gerade heutzutage ist es wichtig, im Internet und in Print auf unseren Beruf aufmerksam zu machen“, stellte die Obermeisterin fest. Trotz dieser positiven Grundstimmung blieben auch kritische Entwicklungen im Landkreis nicht unerwähnt. So nahm im Laufe des vergangenen Jahres die Zahl der Innungsmitglieder von 61 auf nun 59 leicht ab: Drei Zugängen standen fünf Abgänge gegenüber. Und obwohl Friseure immer noch zu den Top 10 der beliebtesten Berufe gehören, liegt die Abbrecherquote deutschlandweit bei knapp 50 Prozent.

Ein besonderer Kritikpunkt für die Anwesenden war die hohe Zahl der im Landkreis erteilten Ausnahmegenehmigungen, die es faktisch ermöglichen, einen Friseurbetrieb auch ohne Meisterbrief zu führen. „In Hadamar gibt es sechs Meisterbetriebe und 42 Ausnahmegenehmigungen“, erläuterte Vorstandsmitglied Ralf Metz das Ausmaß. Eigentlich ist eine solche Genehmigung nur für Fälle vorgesehen, in denen das Ablegen einer Meisterprüfung als unzumutbar gilt. „Zum Beispiel, wenn der Meister gestorben ist und der Geselle dann mit 55 nach rund 40 Jahren Berufserfahrung das Geschäft übernehmen soll“, nannte Marion Saquella eine typische Situation.

Die Regelung sei von der Idee und Intention her ausdrücklich nicht für junge Gesellen gedacht. Diese sollten vielmehr selbst die Meisterprüfung ablegen. „Die Kosten sind da kein Argument. Schließlich gibt es, wie beim Studieren auch, BAföG“, stellte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Stefan Laßmann klar.

Woran liegt es aber nun, dass offenbar recht viele Ausnahmegenehmigungen erteilt werden? „Zuständig ist die Handwerkskammer in Wiesbaden“, weiß der Geschäftsführer. Und die pflege eine eher laxe Vergabepraxis. Unabhängig von den Genehmigungen läuft die Vergabe von Gewerbescheinen. Diese ist Sache der Kommunen. Die hätten aber gar nicht die Möglichkeit und auch nicht die Aufgabe zu überprüfen, ob im jeweiligen Betrieb ein Meister tätig ist, betonte Laßmann.

Laut einiger anwesender Mitglieder, die selbst angesprochen wurden, gebe es auch wieder die Praxis des sogenannten Meisterkaufs: Ein Geselle bietet einem Meister an, ihn dafür zu bezahlen, dem Geschäft seinen Namen und Titel zur Verfügung zu stellen. „Eine Praxis, die durchaus legal ist, wenn der Meister während 50 Prozent der Öffnungszeiten im Geschäft ist und ein ebenso hohes Gehalt bezieht, bestätigte Stefan Laßmann.

Obwohl es noch ein halbes Jahr dauert, erwähnte Marion Saquella in ihrer Rede bereits die kommende hessische Landtagswahl Ende Oktober. Ein Anlass, für den das Friseurhandwerk sogenannte „Wahlprüfsteine“ ausgearbeitet hat. Das sind die offiziellen Forderungen des Handwerks, welche die Mitglieder den politisch Verantwortlichen mit auf den Weg geben sollen.

Zu den Forderungen gehören unter anderem eine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf arbeitsintensive Dienstleistungen sowie die Absenkung der Mehrwertsteuerfreigrenze für Kleinstbetriebe. Ebenfalls zur Forderungsliste gehört schon fast traditionell der Ruf nach einem Bürokratieabbau. Gerade für Kleinbetriebe stelle sie eine enorme Belastung dar. Weitere Forderungen waren die Sicherung der bewährten dualen Ausbildung sowie keine zusätzlichen Belastungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ihre Rede beendete Marion Saquella mit der Aufforderung: „Wir müssen daran arbeiten gute Fachkräfte zu gewinnen, dabei ist eine gute Ausbildung das A und O.“ Dafür wolle die Innung auch das Image des Friseurberufs weiter nach oben bringen.

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