Flüchtlingsarbeit

Integration im Kleinen hat sich in Eisenbach bewährt

  • schließen

Der Willkommenskreis Eisenbach hat seit seiner Gründung vor zwei Jahren tolle Integrationsarbeit im Dorf geleistet. Grund genug für die Aktiven und die von ihnen betreuten Flüchtlinge, am Samstag, 4. August, auf dem Grillpatz von 15 Uhr an in lockerer Runde zusammen ein Grillfest zu feiern.

Vor zwei Jahren erreichte der große Flüchtlingsstrom nach Deutschland auch den Selterser Ortsteil Eisenbach. Engagierte Menschen im Ort wussten, dass Integration nicht von alleine geht und gründeten spontan einen Willkommenskreis. „Wir waren am Anfang 35 Leute“, berichtet Lothar Siegmund, Ortsvorsteher und Mitstreiter im Willkommenskreis. Damals seien schließlich auch im Ort viele Flüchtlinge zu betreuen gewesen, die sich hier anfangs ohne die nötigen deutschen Sprachkenntnisse natürlich erst einmal schwer getan hätten.

Die „Neuen“ im Ort in allen privaten und beruflichen Lebenslagen zu unterstützen, war das gemeinsame Ziel. Zu Spitzenzeiten lebten bis zu 40 Flüchtlinge in Eisenbach, überwiegend im ehemaligen Saalbau Gattinger. Die meisten Neuankömmlinge von damals sind laut Siegmund mittlerweile gut in die Ortsgemeinschaft integriert. Folglich waren auch beim Willkommenskreis nicht mehr so viele Helfer wie zur Anfangszeit nötig. Die Zahl der Helfer sank auf heute 15.

Ganz aufgeben kann der Helferkreis seine Tätigkeit aber noch nicht, da sich einige wenige der Erstankömmlinge hier mit der Eigenständigkeit noch schwer täten. Zudem lebten noch 20 Personen in der Gemeinschaftsunterkunft, wie Siegmund sagt. Diese stammten aus Syrien, dem Irak, der Türkei, Serbien und Afghanistan.

Nach den Erfahrungen des Eisenbacher Ortsvorstehers gibt es weder unter den Flüchtlingen noch mit Eisenbacher Mitbürgern bisher größere Probleme beim Miteinander. In der Gemeinschaftsunterkunft im früheren Saalbau seien alleinerziehende Frauen genauso untergebracht wie alleinstehende junge Männer und junge Familien. Der Willkommenskreis hat, als der große Flüchtlingsstrom begann, für die ersten Neuen in Eisenbach regelmäßig Deutschkurse angeboten. Das ist mittlerweile laut Siegmund nicht mehr erforderlich, da dieser Unterricht jetzt Bestandteil des vom Sozialamt bezahlten Integrationskurses für Flüchtlinge sei. Die übriggebliebenen Flüchtlinge aus der Anfangszeit würden mittlerweile gutes Deutsch sprechen.

Was aber weiterhin wichtig sei, sei die Menschen bei Behördengängen und -schreiben zu unterstützen, sie mal in den Supermarkt oder nach Limburg mitzunehmen, sie bei Bedarf zum Arzt oder ins Krankenhaus zu bringen. Die Flüchtlinge seien für die Unterstützung immer sehr dankbar, weiß Lothar Siegmund. Unter anderem sei es dem Willkommenskreis gelungen, Kindergartenplätze für die Flüchtlingskinder in Münster über Pfarrer Ulrich Finger zu bekommen, als der Eisenbacher Kindergarten komplett belegt gewesen sei.

Stephan Gries, ein anderer Helfer des Willkommenskreises, freut sich, dass einige Flüchtlinge dabei seien, beruflich hier Fuß zu fassen. Doch es sei schwer, für die Leute vernünftige Stellen zu finden. Folglich würden einige in Schnellrestaurants als Koch oder Pizza-Ausfahrer oder bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten.

„Es ist aber keineswegs so, dass nur unqualifizierte Menschen nach Eisenbach gekommen sind“, weiß Gries. So sei eine Frau dabei gewesen, die Lehrerin sei. Ein Syrer habe in seiner Heimat bereits ein Studium begonnen gehabt. Doch das Problem sei, dass viele hier wieder bei null anfangen müssten, weil sie ihre Vorqualifikationen nicht nachweisen könnten.

Es sei eben nicht so einfach, so Gries, von einer Universität in Syrien Unterlagen von einem ehemaligen Studenten zu bekommen. Dem jungen Mann sei gesagt worden, er müsse nach Syrien zurückkommen und sich die Unterlagen persönlich abholen. Das könne er aber nicht, weil er wisse, dass dort junge Männer für den Bürgerkrieg benötigt würden und er nach einer Einreise nach Syrien voraussichtlich nicht mehr ausreisen dürfe.

Zudem sei es nicht einfach, für Flüchtlinge mit einer Bleibeberechtigung Wohnungen zu finden. Einigen seien neue Unterkünfte über private Kontakte vom Willkommenskreis vermittelt worden. Doch andere warteten immer noch auf eine Wohnung. „Aber die meiste Arbeit für die Flüchtlinge ist hier geleistet“, denkt Gries. Irgendwann werde sich der Willkommenskreis wahrscheinlich ganz auflösen, wenn so gut wie keine neuen Flüchtlinge mehr kämen.

Der Willkommenskreis lädt auch immer mal wieder Flüchtlinge und ihre deutschen Unterstützer zusammen ein, um das Miteinander zwischen alteingesessenen Eisenbachern und Neuankömmlingen zu fördern. Eine erste Feier im Pfarrheim war laut Siegmund sehr gut besucht. Super angekommen sei ebenso ein Kochen, das junge männliche Flüchtlinge initiiert hatten. Sie hätten Speisen aus ihrer Heimat zubereitet, die Gäste zuschauen und mitkochen lassen. Das sei bei den Besuchern sehr gut angekommen.

Schön sei, dass zum Grillfest an diesem Samstag auch einige der früher in Eisenbach betreuten Flüchtlinge ihren Besuch angekündigt hätten. Toll sei außerdem, dass die Kommunionkinder aus Haintchen an der Grillhütte eine Spende an den Willkommenskreis überreichen wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare