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Andreas Heuberger hat den Internationalen Stammtisch gegründet, der Stammtisch feiert jetzt sein 20. Jubiläum in Bockenheim.

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Internationaler Stammtisch feiert 20. Geburtstag

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Passend zu seiner weltoffenen Atmosphäre feiert der Internationale Stammtisch Rhein-Main morgen seinen 20. Geburtstag mit einem persischen Erntedankfest.

„Frankfurt ist ein Dorf“, stellt Maria Giuliano rückblickend fest. Fast 20 Jahre ist es her, dass sie durch Kontakte über den Bockenheimer Tauschring zum Rhein-Main-Network-Stammtisch fand, der sich anfangs in Höchst traf. Ihren Freund lernte sie dort kennen und die belgische Sängerin und Tänzerin Annick Moerman, mit der sie später eine italienische Nacht organisierte. „Damals habe ich richtig romantisch gesungen“, sagt Moermann. Eine Huldigung an „Bella Italia“ und Giovannis italienisches Restaurant „Le Figaro“, in dem der Internationale Stammtisch Rhein-Main damals zu Gast war.

Dieser Adresse in der Grempstraße ist der Stammtisch mit wenigen Unterbrechungen treu geblieben. Er trifft sich dort jeden Donnerstagabend ab 20 Uhr im tibetischen Lokal „Lhamo“. Doch zum 20. Geburtstag lädt die internationale Runde am Donnerstag, 4. Oktober, wenige Meter weiter ins Café Anar in die Friesengasse 22 und feiert, passend zur Jahreszeit, den 20. Geburtstag im Rahmen des iranischen Erntedankfestes „Mehregan“.

„Mehregan bedeutet Zuneigung und Liebe und passt zu unserer Grundeinstellung, Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache und Religion zu treffen und als Freunde zu gewinnen“, sagt der iranische Rechtsanwalt Seyed Sharam Iranbomy, der vor fünf Jahren zum Rhein-Main-Stammtisch kam und das Fest mit Stammtischgründer Andreas Heuberger und der Sängerin Dagmar Kuhn gestaltet. Iranbomy hält eine Ansprache zum Thema internationale Verständigung, Kuhn trägt persische Lieder vor.

Einer der angekündigten Ehrengäste ist Velko Vuksanovic, Ortsvorsteher im Ortsbeirat 2 (Westend, Bockenheim, Kuhwald). Etwa zehn Stammgäste und neue Interessenten kommen jeden Donnerstagabend in der geselligen Runde zusammen. Iranbomy, der als Anwalt Geflüchtete vertritt, gehört ebenso dazu wie der Haitianer Reginald Dalce, der gerade eine Übersetzungs-App in mehreren Sprachen auf den Markt bringt. Mit dem Mannheimer Michael Merkel, der als „Michel vuun Käferdahl“ Unterstützer für eine geplante Rollstuhltour von seiner Heimatstadt nach Barcelona sucht, zählt der Stammtisch sogar einen gelegentlichen Besucher aus dem Rhein-Neckar-Raum in seinen Reihen.

„Ich habe als Lebensberaterin hier viele Anregungen bekommen und interessante Kontakte geknüpft“, sagt Giuliano. Die einen finden neue Freunde und Austauschpartner für ihre Hobbys, die anderen suchen berufliche Kontakte oder wollen für Start-Up-Unternehmen werben. „Netzwerken“ heißt das Zauberwort.

Andreas Heuberger hat sich darauf spezialisiert, versucht seit Jahren, Ideen zu vermitteln und Menschen zusammenzubringen. Seine Kindheit hat der gebürtige Banater Schwabe im kommunistischen Rumänien verbracht, wo gute Kontakte und freundschaftliche Verbindungen überlebenswichtig waren.

„Ich bin auf die Idee gekommen, einen Stammtisch zu gründen, weil ich ähnliche lockere Zusammentreffen von Neubürgern in Berlin und Hannover erlebte“, erinnert sich Heuberger. „Und dann kam ich wie viele Frankfurter aus beruflichen Gründen hierher und kannte zunächst einmal keine Sau“, sagt er. Zunächst lud Heuberger mit Gleichgesinnten zum Stammtisch nach Höchst ein, bevor man in die Grempstraße und zeitweise andere Bockenheimer Lokalitäten umzog.

Aus dem internationalen Stammtisch entstanden der Verein und das Existenzgründernetzwerk Rhein Main Network, die heute eine Bürogemeinschaft in der Mainzer Landstraße haben, und die Mainhattan-Runde als locker organisierte Freizeitgruppe. Gelegentlich lädt der Stammtisch zu Lesungen und Diskussionsrunden ein. „Manchmal könnten wir etwas besser strukturiert sein“, so Heuberger. Doch abgesehen von hohen Feiertagen ist der wöchentliche Stammtisch in 20 Jahren nur selten ausgefallen.

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