Interview mit Polizeioberkommissar: „Die Nachfrage nach Drogen ist viel zu hoch“

Andrew McCormack (28) ist Polizeioberkommissar und arbeitet seit zweieinhalb Jahren in der Pressestelle des Frankfurter Polizeipräsidiums. Die Razzia am Mittwoch hat er miterlebt. Redakteur Thomas J. Schmidt befragte ihn über den Sinn dieser Großrazzien.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Razzien, zuletzt vor vier Wochen. Hängt das mit den Landtagswahlen zusammen?

ANDREW MCCORMACK: Nein, auf keinen Fall. Wir richten unsere Untersuchungsmaßnahmen nach dem Bedarf aus, nicht nach den Wahlen.

Wird es regelmäßig Razzien geben?

MCCORMACK: Regelmäßig, wenn der Bedarf besteht. Aber nicht, wenn es im Kalender steht.

Was heißt Bedarf? Erklären Sie das bitte.

MCCORMACK: Wenn wir eine Vielzahl an verdächtigen Personen kontrollieren und kriminelle Strukturen aufhellen wollen, dann müssen wir mit erheblichen Aufwand Straßen absperren. Wir können dadurch zum Beispiel sehen, welche Dealer in der Nähe welcher Gaststätten stehen oder sich gar in der Lokalität befinden. Wir können auch diese Lokalitäten durchsuchen und so Zusammenhänge erkennen.

Verglichen mit dem Aufwand, ist die Menge an gefundenen Drogen gering. Sind die Verstecke der Dealer zu gut?

MCCORMACK: In der Tat sind andere Maßnahmen geeigneter, um große Mengen Drogen zu finden. Zumal, wenn wir mit den Mannschaftswagen anrücken, die Szene Bescheid weiß und Drogen in der Kanalisation verschwinden lassen können. Das ist bei solchen Maßnahmen nicht immer unser vordergründiges Ziel. Aber durch unsere massive Präsenz treten wir der Szene auf die Füße, wir zeigen, dass wir das Sagen haben. Und wir sind ja nicht nur mit Großrazzien präsent.

Sondern?

MCCORMACK: Etwa mit ganz vielen Streifen, die das Sicherheitsgefühl erhöhen. Oder mit verdeckten Ermittlungen. Zum Beispiel war die von Ihnen erwähnte Razzia im April gezielt gegen einen albanischen Clan von Drogenhintermännern gerichtet, die zuvor verdeckt ermittelt worden sind.

Gibt es also Erfolge?

MCCORMACK: Wir fahren das Konzept seit etwa zwei Jahren. Seit damals ist die Kriminalität im Bahnhofsviertel in einigen Bereichen um fast 50 Prozent zurückgegangen. Aber wir müssen realistisch sein: Ganz sauber wird es nie. Dazu ist die Nachfrage nach Drogen dort viel zu hoch.

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