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Irmgard Claudi ist die einzige Frau in der Gemeindevertretung und die einzige Frau in der CDU Elbal.

Politik in Elbtal

Irmgard Claudi ist die einzige Frau in der Gemeindevertretung

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Seit 30 Jahren engagiert sich Irmgard Claudi in der Kommunalpolitik ihrer Heimatgemeinde. Sie ist die einzige Frau in der Gemeindevertretung. Politik in Elbtal ist männlich. Wieso eigentlich?

Als sich Irmgard Claudi vor etwa 30 Jahren entschloss, in die Politik zu gehen und in die CDU eintrat, war die damals 31-Jährige voller Tatendrang und Idealismus – und die einzige kommunalpolitisch engagierte Frau in Elbtal. Sie setzte sich für die Erweiterung des Kindergarten-Angebots ein, für die Erschließung von Neubaugebieten in der Gemeinde und für den damals notwendigen Ausbau der Trinkwasserversorgung.

Ihre Mitstreiter waren fast immer Männer. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit Jahren ist Irmgard Claudi in der Gemeindevertretung allein unter Männern. Sie führt die christdemokratische Fraktion mit großer Leidenschaft. Dennoch hat sie einen großen Wunsch: „Ich würde gerne wenigstens eine junge Frau dabei haben.“ Die ist allerdings nicht in Sicht. Politik in Elbtal ist Männersache.

Eine Erklärung für diese weibliche Zurückhaltung hat sie nicht parat. Vielleicht liegt es am zeitlichen Aufwand, meint sie. Daran, dass es für Frauen noch immer schwieriger ist als für Männer, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen? Aber selbst wenn das zutreffen sollte – eine zufriedenstellende Antwort wäre das nicht.

Denn Irmgard Claudi selbst bewältigt das Mammutprogramm seit Jahren: Durchschnittlich drei Tag verbringt die kaufmännische Angestellte jede Woche im nordrhein-westfälischen Monheim. Den Rest der Woche arbeitet sie im Home Office. Sitzungstermine sind abends, gesellige Zusammenkünfte häufig an Wochenenden. Mit genauer Planung lässt sich das koordinieren, sagt sie.

Richtig überzeugend sei diese Analyse des Zeitdefizits also nicht, auch weil in anderen Gremien der Gemeinde durchaus viele Frauen aktiv dabei sind. Zum Beispiel in der Kirche. Da ist die Situation genau umgekehrt. Nur ein Mann ist hier dabei. Der Pfarrgemeinderat in Elbtal ist fest in Frauenhand, sagt Claudi. Ansonsten sind es ausschließlich Frauen, die im kirchlichen Ehrenamt ihre Erfüllung finden und dafür viel Zeit investieren.

Sind es also die Themen, wegen derer die Frauen in ihrer Heimatgemeinde einen großen Bogen um politische Ämter machen? Irmgard Claudi weiß es nicht. Kindergarten, Baugebiete, Straßen, das sind seit jeher die Dauerbrenner gewesen. Und die betreffen alle. Dass Frauen hier nicht ebenso kompetente Beiträge liefern können wie Männer, sei unsinnig. Auch dass sie nicht respektiert oder akzeptiert würden, kann die CDU-Frau nicht erkennen.

„Ich fühle keinen Unterschied in der Behandlung.“ Für sie steht fest: „Frauen in der Politik sind schon deshalb wichtig, weil sie in vielen Dingen einen anderen Blickwinkel haben.“ Die Ansichten gehen auseinander, und das sei eine Bereicherung, findet sie, die diese Bereicherung in den vielen Jahren ihres politischen Wirkens nur für kurze Zeit erleben konnte. Eine ganze Sitzungsperiode habe keine Frau durchgehalten. In keiner Partei. Die Ursachen lagen im Privaten und Beruflichen, hätten die Kolleginnen jeweils gesagt und sich abgemeldet. In ihrer eigenen Partei gibt es nicht einmal mehr ein weiteres weibliches Mitglied.

Wie es weitergehen soll? Für Irmgard Claudi ein wenig ruhiger, wenn es nach ihr geht. „Allmählich würde ich gerne in die zweite Reihe zurücktreten“, sagt die 61-Jährige. Schon allein, weil sie nicht möchte, dass irgendwann gesagt wird: „Wann geht sie denn endlich?“ Nur ist Irmgard Claudi tatsächlich von einem Rückzug weit entfernt. Als sie nach der letzten Wahl den CDU-Fraktionsvorsitz nicht erneut übernehmen wollte, redeten ihr die Kollegen zu und verwiesen darauf, dass sie in Elbtal die meisten Stimmen bekommen hatte – als einzige Frau unter Männern.

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