„Burg der Kinder“

Vor 125 Jahren wurde aus einer Suppenanstalt einer der ersten Kindergärten der Stadt

Doppelte Geburtstagsfeier in der „Burg der Kinder“ in Bornheim: Seit 20 Jahren gibt es die Kindertagesstätte der katholischen Kirchengemeinde St. Josef an der Heidestraße 62. Doch die erste Kinderbetreuung der Gemeinde an der Josefskirche in Bornheim hat noch eine viel längere Geschichte.

Die Kinderbetreuung der katholischen Gemeinde Josefskirche feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Aus der Chronik der Gemeinde geht hervor, dass am 19. April 1893 die Josefiner in einer ehemaligen Formstecherei im Hof der Heidestraße 62 ihren ersten Kindergarten, der damals noch „Kinderbewahrschule“ hieß, eröffneten. Dieser stand unter der Leitung der Dernbacher Schwestern, wie in der Chronik der Gemeinde zu lesen ist. „Es dürfte einer der ersten katholischen Kindergärten überhaupt in Frankfurt gewesen sein“, schätzt die heutige Leiterin der Burg der Kinder, Maria Perri.

Begonnen hatte alles mit einer Suppenanstalt, in der schon fast 15 Jahre zuvor Suppe an arme Kinder ausgeteilt wurde. Der Zuspruch war groß, so dass 1893 täglich 250 bis 300 Kinder gespeist wurden. Zehn Jahre später entstand ein Neubau in der Heidestraße und bot Platz für die Bewahrschule und ein Kinderheim, in dem zunächst acht Waisen aufgenommen und von einer der Barmherzigen Schwester gepflegt wurden. Ein Jahr später gingen in die Bewahrschule bereits 100 Kinder, 300 bekamen in St. Josef täglich eine kräftige Suppe.

Der Tagesablauf in dem damaligen Kindergarten unterschied sich doch ein wenig vom heutigen: „Bei günstiger Witterung spielen die Kinder im Freien auf dem Hofe oder machen ihren Gang in den Park an der langen Leine, ein rührend schönes Bild. Täglich versammeln sich die Kleinen auch für einige Zeit um ihre Schwester im großen Saal zum Unterricht. Da müssen sie vor allem ruhig sitzen und aufmerksam sein – das Schwerste“, heißt es in der Chronik.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Kindergarten der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt übergeben und aufs Land evakuiert. Ein Luftangriff fügte dem Haus Schäden zu. Doch bereits am 21. Mai 1945 konnte der Kindergarten mit 30 Kindern neu eröffnet werden. Er erhielt 1958 einen Neubau ebenfalls in der Heidestraße – und war damals einer der modernsten Kindergärten Frankfurts. „Dort habe ich vor 26 Jahren angefangen“, erzählt Perri. Vor genau 20 Jahren sei der Kindergarten dann wieder in die Heidestraße 62 umgezogen. „Weil das Gebäude mit dem Türmchen an eine Burg erinnert und die Kinder damals vom Thema Mittelalter so begeistert waren, haben wir ihm den Namen ,Burg der Kinder‘ gegeben.“

Auch innen ist der Kindergarten etwas Besonderes. Über die große Treppe lernen die Kinder sehr schnell, sich alleine zwischen den Stockwerken zu bewegen. „Insgesamt gibt es dort drei Stockwerke“, erklärt Gerold Lutz, Koordinator der sechs Einrichtungen in St. Josef. Viel Platz also – und das, obwohl die Burg gar nicht so groß ist. „Die Kindertagesstätte ist eine der kleinsten in unserer Gemeinde“, so Lutz. „Fünf Erzieher in Vollzeit und eine Auszubildende betreuen dort aktuell 36 Kinder.“

An der Heidestraße 62 gibt es überall kleine Räume, darunter ein Atelier, einen Bauraum, das gelbe Zimmer als Rückzugsmöglichkeit, die Burgwohnung und das Schlösschen als Verkleidungsräume. „Wir arbeiten mit einem offenen Konzept, so dass die Kinder selbst entscheiden, was sie machen wollen“, so Perri.

Die 36 Kinder, die die Burg derzeit besuchen – bis zum Jahresende werden es wieder 42 sein – und deren Eltern haben einiges vorbereitet, um das zweifache Jubiläum morgen in der Gemeinde zu feiern. „Wir sind eine große Familie, das macht den besonderen Charme der Einrichtung aus“, sagt Maria Perri. Um 11 Uhr beginnt ein Kindergottesdienst, in dem die Drei- bis Sechsjährigen Szenen aus dem Evangelium vorspielen. Am Nachmittag wird im Kirchhof ein Kinderfest mit Zaubershow, Tombola und Luftballons gefeiert. Es gibt auch einen Geburtstagskuchen – natürlich in Form einer Burg.

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