Verein pro familia

Jahresbericht: 156 Frauen erwogen Abtreibung

Frauen, die die Beratungsstellen von pro familia in Limburg und Weilburg aufsuchen, haben Fragen zu Schwangerschaft und Geburt. Sie wollen sich über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung für junge Mütter informieren oder denken über einen Schwangerschaftsabbruch nach.

156 Frauen haben im vergangenen Jahr eine Schwangerschaftskonfliktberatung bei pro familia in Limburg in Anspruch genommen, weil sie eine Abtreibung in Erwägung ziehen. „Es kommen überwiegend Frauen (teilweise mit Partner) zur gesetzlich vorgeschriebenen Konfliktberatung, deren Entscheidung bereits vor der Beratung feststeht“, heißt es im Jahresbericht des Vereins. „Viele Frauen sind jedoch ambivalent und . . . wissen noch nicht, wie sie sich entscheiden werden.“ Einige von ihnen kämen einige Zeit später in die Beratungsstelle zurück, „weil sie sich für das Fortführen der Schwangerschaft entschieden haben“.

Der Anspruch von pro familia laute, umfassend und anschaulich zu beraten sowie die medizinischen, juristischen und finanziellen Aspekte eines möglichen Schwangerschaftsabbruchs zu erläutern.

Die Gründe für eine Abtreibung seien vielschichtig: „Viele Ratsuchende berichten, dass sie sich mit ihrer Lebenssituation überfordert fühlen“, heißt es im Jahresbericht. „Sie können sich nicht vorstellen, wie sie ihr ,Leben mit dem Kind‘ bewältigen können. Sehr häufig stellt sich ihnen die Frage, ob sie bereit sind, ein Kind auch ohne Partner an ihrer Seite großzuziehen. Andere Frauen fühlen sich zu jung oder haben die Familienplanung bereits abgeschlossen.“ Familiäre Probleme, wie pflegebedürftige Elternteile oder keine Akzeptanz der Lebensplanung bei den eigenen Eltern, spielten bei der Entscheidung ebenfalls häufig eine große Rolle.

Obwohl es sich um eine „Pflichtberatung“ handelt, werde die Beratung in vielen Fällen als nützlich erlebt, „weil den Frauen oder Paaren ermöglicht wird, die ebenso vorhandenen Trauer- und/oder Verlust-Gefühle zu besprechen. Dies geschieht mit Respekt und Akzeptanz gegenüber der Entscheidung der Frauen und/oder Paare“, heißt es im Jahresbericht des Vereins weiter.

Die Beraterinnen von pro familia in Limburg und Weilburg stehen aber auch für persönliche Beratungsgespräche von werdenden und jungen Eltern zur Verfügung, die Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und ihr Kind haben. 2017 haben in Limburg 192 solche Beratungen stattgefunden. „Der größte Teil der Beratungen fand während der Schwangerschaft statt, es kamen aber auch viele Ratsuchende nach der Geburt, da erst dann viele Fragen auftraten.“

Sehr häufig befänden sich die Ratsuchenden in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. pro familia gehört zu den Beratungsstellen in Limburg und Weilburg, in denen ein Antrag auf Unterstützung aus der „Bundesstiftung Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ gestellt werden kann. Von dieser Möglichkeit haben 2017 insgesamt 33 Frauen Gebrauch gemacht. Das entspricht einer Zunahme von 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit einem Gesprächskreis für Frauen in Fluchtsituationen hat die Beratungsstelle von pro familia Limburg im vergangenen Jahr ihr Angebot erweitert. Frauen aus Syrien und Somalia nutzten hier die Gelegenheit, sich zum Schwerpunktthema „Gesundheit für die Frau“ zu informieren. Dabei ging es um Vorsorgeuntersuchungen, Verhütung, sexuell übertragbare Erkrankungen und Infektionen, Schwangerschaft, Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern, Eltern-Kind-Bindung sowie Beckenbodentraining. Zudem erhielten die Teilnehmerinnen einen Überblick zur rechtlichen Situation der Frau in Deutschland, zu sozialen Hilfen und Sozialleistungen.

„Da die Frauen in Fluchtsituationen sehr wenig Deutsch sprechen, wurden die Sprachbarrieren durch eine Dolmetscherin überwunden, eine Dolmetscherin mit Migrationshintergrund und zugleich ein Vorbild als Hoffnungsträgerin, ein Modell für gelingende Integration“, heißt es im Jahresbericht. Das Angebot wurde in Kooperation mit dem Mütterzentrum in Limburg durchgeführt. Begleitet wurde das Projekt von Sandra Völpel, Tahara Adda und Jenny Willett-Goßmann unter der Mitarbeit der Hebamme Antje Graeff. red

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