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Künstler Tobias Rehberger vor dem Café Herz. Über dem Eingang hängt seine Skulptur in Form eines Gaststättenschildes.

Stadtgeflüster

Kaffee im Herzen

Das Neonlichtschild flackert. So als wäre es schon sehr alt und kaputt. Das ist es aber nicht, sondern so gewollt. Das ist nämlich Kunst.

Das Neonlichtschild flackert. So als wäre es schon sehr alt und kaputt. Das ist es aber nicht, sondern so gewollt. Das ist nämlich Kunst. Und schaut man ganz genau hin, leuchten vier rote Buchstaben auf, die zusammen das Wort „Herz“ ergeben.

Das Kunstwerk ist von niemand Geringerem als Tobias Rehberger, Städelschul-Professor und Gewinner des renommierten „Goldenen Löwen“ der Biennale von Venedig. Mit grüner Bomberjacke, wie immer freundlich-entspannt und nebst seinen Kindern steht er am Mittwochnachmittag bei der Enthüllung seines Neonleuchtschildes, das über dem „Café Herz“ in der Braubachstraße 31 hängt. Und zwar an einem der prächtigen Häuser in der neuen Altstadt.

Das „Café Herz“ ist das neue „Baby“ der Brüder Mengi und Taff Zeleke, die bislang „nachts Leute zusammengebracht haben“, und zwar einst in ihrem legendären Club „Unity“, heutzutage im Club „Oye“ im Frankfurter Bahnhofsviertel. „Jetzt wollen wir die Leute auch tagsüber zusammenbringen“, sagt Mengi Zeleke.

Über dem neuen Café wohnen bereits die neuen Altstadtbewohner, die ebenso wie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zur Eröffnung gekommen sind. Auch Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel ist mit von der Partie. „Weil Mengi eine coole Socke ist und meine Kaffee-Tweets legendär sind“, sagt er. Noch gibt es aber keinen Kaffee, nur Sekt. Was aber ganz gut zum durchaus feierlichen Anlass passt.

„Das Schild war noch vor dem Café fertig“, sagt Rehberger und grinst. Das Café selbst soll erst Ende Oktober eröffnet werden. „In Äthiopien kann eine Kaffeezeremonie schon mal drei Stunden dauern“, erzählt dann Taff Zeleke. Die Zeleke-Brüder selbst wurden in Asmara im Nachbarland Eritrea geboren. Schon seit 1988 leben sie in Frankfurt am Main. Abends soll ihr „Café Herz“ eine Bar sein.

Eigentlich hängen Tobias Rehbergers Leuchtschilder in Museen und Galerien. Aber Mengi Zeleke sei eben ein sehr guter Freund. Das Kunstwerk auch darum ein Geschenk. „Ich habe Mengi kennengelernt, als er noch Bierkisten als Barmann im ,Lissania Essay’ in der Kaiserstraße geschleppt hat“, sagt Rehberger und lacht.

So ein besonderes

Freundschaftsgeschenk

in Form eines Leuchtschildes habe er ansonsten nur noch Sam Kamran für dessen „Pizzeria Montana“ im Bahnhofsviertel kreiert. Es ist nicht das erste Kunstwerk, das Rehberger für die Zelekes gemacht hat: Das war ein Geschenk für ihren legendären Club „NuSoul“ in der Sonnemannstraße. Diesen mussten sie aber 2012, nach nur drei Jahren Betriebsdauer, schließen. Die Fans des Clubs trauerten. Und der jahrelange Rechtsstreit um das Kunstwerk von Tobias Rehberger mit ihrem Vermieter, der Deka-Bank, war sogar in den überregionalen Medien immer wieder ein Thema. „Ich hoffe, dieses Kunstwerk hat eine bessere Zukunft“, sagt Rehberger und lächelt.

Liest man den Satz des Café-Schildes komplett, steht da „Hello I’m here to perpetuate your socially accepted dependenz“. Frei übersetzt heißt das in etwa: „Ich bin hier, um deine sozial akzeptierte Droge zu verewigen.“ Denn das sei eben Kaffee, sagt Rehberger. Er selbst trinke aber immer nur Kräutertee. Kathrin Rosendorff

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