Keine Erfindung der DDR

Die Jugendweihe verbinden die meisten Menschen mit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Dort wurde die Feier als Gegenentwurf zur evangelischen Konfirmation und katholischen Firmung politisch instrumentalisiert.

Die Jugendweihe verbinden die meisten Menschen mit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Dort wurde die Feier als Gegenentwurf zur evangelischen Konfirmation und katholischen Firmung politisch instrumentalisiert. Sie diente dazu, Jugendliche im Sinne der marxistisch-leninistischer Weltanschauung zu erziehen. Wer an der Zwangsveranstaltung nicht teilnahm, musste mit Repressalien rechnen. Zum Beispiel wurden Jugendliche nicht zur erweiterten Oberschule oder zum Studium zugelassen oder bekam schlechtere Lehrstellen. Nach der Wende gründete sich die „Interessenvereinigung Jugendweihe e.V.“ mit mehreren Landesverbänden. Nahmen um das Jahr 2000 noch bis zu 40 Prozent der Jugendlichen in Ostdeutschland an Jugendweihen teil, waren es 2009 bundesweit rund 25 000, also nur noch etwa ein Viertel der Teilnehmer. Seit der Wende wird meist der Begriff Jugendfeier für den symbolischen Schritt ins Erwachsenenleben verwendet.

Die Jugendweihe war jedoch keine Erfindung der DDR. Mitte des 19. Jahrhunderts organisierten freireligiöse Gemeinden, in Opposition zu den Kirchen, für Jugendliche einen Moral-Unterricht, der mit der Feier der Jugendweihe abschloss. Die Nationalsozialisten führten die „Schulentlassungsfeier“ ein sowie Aufnahmerituale in die „Hitlerjugend“ und den „Bund Deutscher Mädchen“ und fassten diese zur „Nationalsozialistischen Jugendleite“ zusammen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen freireligiöse Gemeinden und Verbände der Freidenker, die Tradition der Jugendweihe wieder auf. Während diese in der DDR staatspolitische Bedeutung erlangte, blieben Jugendweihen im Westen eine Art Aufnahmezeremonie in die freigeistigen Verbände, mit vorausgehendem Vorbereitungsprogramm. evk

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