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Frankfurt 19.9.2018; Interview mit dem Kinderbeauftragten Roland Limberg

Interview

Kinderbeauftragter Roland Limberg zu Flüchtlingsunterkunft und den mangelhaften Spielplätzen

Den Kinderbeauftragten von Oberrad, Roland Limberg (CDU), treibt zurzeit ein Thema besonders um: die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Wiener Straße. Stefanie Wehr sprach mit ihm über die Belange der Familien, die dort wohnen sollen, und über die fehlenden Spielmöglichkeiten für Kinder im Stadtteil.

Herr Limberg, als das Sozialdezernat und die ABG-Tochter Wohnheim Anfang des Monats den Bürgern in Oberrad die Pläne zum Bau einer Flüchtlingsunterkunft an der Wiener Straße vorstellten, äußerten Sie Bedenken wegen fehlender Freizeitmöglichkeiten für die Kinder, die dort einziehen sollen. Was bemängeln Sie genau?

ROLAND LIMBERG: 140 geflüchtete Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, sollen in 27 Wohnungen unterkommen. Bei einem Gebäude dieser Größe müssen auch Spielplätze vorgesehen sein. Schon ab drei Wohnungen muss laut Landesbauordnung ein Spielplatz gebaut werden. Die ABG hat aber offenbar eine Ausnahmegenehmigung angefordert. Das habe ich sehr kritisiert.

Die ABG hat auf Spielplätze in der Nähe verwiesen.

LIMBERG: Diese Gelände sind aber zu weit weg und nicht in adäquatem Zustand. Besonders erwähnt wird der Spielplatz in der Wiener Straße 128, der liegt gut 300 Meter weiter. Eine Oberräderin hat ihn kürzlich auf Facebook beschrieben: Er würde vor allem als Hundeklo benutzt, sie würde dort nie mit ihren Kindern hingehen.

Warum ist ein Spielplatz so wichtig?

LIMBERG: Die Sprecherin der Sozialdezernentin, Manuela Skotnik, sagte, dass bis zu 50 Kinder zwischen vier und 17 Jahren dort wohnen werden. Ein Spielplatz ist aber essenziell, damit die Mütter ihre Kinder auch mal ’runterschicken können. Sie wollen sich vielleicht auch dazusetzen oder die Wäsche unten aufhängen. Und es muss vor allem auch möglich sein, dass abends die Erwachsenen den Platz als Freiraum nutzen können.

Der Spielplatz sollte also Treffpunkt für alle Bewohner der Anlage sein?

LIMBERG: Ja. Man hat uns ja die Aufteilung der Wohnungen erklärt. In den 80 Quadratmeter großen Wohnungen sollen neun Leute leben, in der 70-Quadratmeter-Wohnung sieben und in der 60-Quadratmeter-Wohnung sechs Leute, und nur die kleineren Wohnungen sind für etwa 30 Familien mit Kindern vorgesehen. Menschen, die auf so engem Raum zusammenleben, und die aus dem südlichen Kulturkreis kommen, wo es üblich ist, viel Zeit draußen zu verbringen, brauchen Freiraum vor dem Haus.

Sie stellen also das Konzept der Wohnanlage im Ganzen in Frage?

LIMBERG: Ja. Ich möchte aber ganz deutlich sagen: Ich wehre mich nicht gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Oberrad. Dass wir die Menschen unterbringen müssen, ist völlig klar. Aber das Gebäude ist ja nicht mal angedacht als Flüchtlingsunterbringung, sondern es soll künftig Wohnraum daraus werden. Dass der Bau sich überdies ganz schnell amortisieren wird durch die Mieteinnahmen pro Bett, das steht auf einem anderen Blatt. Bei 140 Parteien à 400 Euro ist das eine traumhafte Rendite. Da muss erst recht ein Spielplatz drin sein.

Was bringt der Standort an der Wiener Straße noch mit sich?

LIMBERG: Die Wiener Straße und Teile der Offenbacher Landstraße bezeichne ich als Spannungsfeld. Ich wohne hier seit 59 Jahren und sehe die Entwicklung dort. Wir haben einen sehr hohen Migrationshintergrund und hohen Anteil an ökonomisch benachteiligten Bürgern. Mit den Geflüchteten würden Menschen hinzukommen, die mit denjenigen, die schon da sind, in direkter Konkurrenz stehen – jedenfalls empfinden die Menschen das so. Wie sich die psychisch Kranken aus der Reha mit den neuen Nachbarn vertragen, ist auch unklar. Ich denke, es kann durchaus zu Konfrontationen kommen, wenn viele von ihnen sich draußen auf den Straßen bewegen, weil sie zum Beispiel ungestört telefonieren wollen. Die Lage ist schwierig.

Welcher Standort schlagen Sie statt dessen vor?

LIMBERG: Dahinter liegt zur Autobahn hin eine riesige Freifläche. Es hieß, dort dürfe aus ökologischen Gründen nicht gebaut werden. Für mich ist nicht ersichtlich, warum es nicht gehen soll – auch in Bonames liegt eine Flüchtlingsunterkunft im Naturschutzgebiet.

Sie prangern auch die Zustände der Spielplätze in Oberrad generell an.

LIMBERG: Spielmöglichkeiten sind in Oberrad eingeschränkt. Auf dem Spielplatz in der Gruneliusstraße wurde vor Jahren ein Piratenboot eröffnet, mittlerweile ist es marode. Auf einem anderen Spielplatz fehlt ein Sonnensegel. Besonders gravierend ist es im Waldspielpark Scheerwald: Die Tischtennishalle ist zu, die Minigolfanlagen marode. Wir brauchen ein Konzept für den gesamten Spielpark.

Was wünschen Sie sich dort?

LIMBERG: Ich habe bereits mit Jugendlichen und mit Firmen Ideen zusammengetragen. Man könnte eine Pumptrack-Bahn zum Skaten aufbauen. Toll wäre ein Mountainbike-Parcours ähnlich wie im Offenbacher Stadtwald. Auch eine Seniorenfitnessanlage könnte man bauen. Dann könnte dieser schöne Waldspielpark endlich mal seinem ursprünglichen Sinn nach von allen genutzt werden.

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