Hommage

Als es in Kirdorf noch ein Kino gab

Unser Leser Waldemar Wehrheim hat schon mehrfach in dieser Zeitung aus seinen Jugenderinnerungen berichtet. Diesmal blickt er zurück in die 1950er Jahre, als es in Kirdorf noch ein Kino gab.

In der Ferienzeit der 1950er Jahre gab es für uns Halbwüchsige drei Möglichkeiten, der Langeweile zu entkommen. Es waren dies Zeltlager und Freizeiten der Kirchengemeinden, eine Dauerkarte für das Seedammbad und Eintrittskarten für das Kino.

Als am 24. Februar 1950 Kirdorfs Kino mit dem Film „Gottes Engel sind überall“ (mit Attila Hörbiger) startete, war das für den Stadtteil eine kleine Sensation. Die „Kurbel“ – so hieß das Lichtspieltheater – war geschmackvoll eingerichtet, die dicken roten Polster gefielen den Zuschauern. Der Betreiber bot eine bunte Mischung aus Spielfilmen. Eine Spezialität waren dabei aber Wildwestfilme, die in den 1940er und 1950er Jahren in Amerika massenhaft produziert wurden. So tauchten wir für 50 Pfennig – so viel kostete für Jugendliche die Kinokarte – in die phantastische Welt der Cowboys ab.

Glenn Ford, Roy Roger und Ken Maynard, um nur einige Filmgrößen zu nennen, waren die großen Idole. Ken Maynard wurde dabei besonders bewundert, denn er trat stets ganz in schwarz auf. Sie alle kämpften für Recht und Ordnung im Wilden Westen.

Warten auf die „Guten“

Wenn die Gangster sich einer Westernstadt näherten, sie ihre Halstücher über Mund und Nase zogen, wurde es mucksmäuschenstill im Kinosaal, und die Spannung stieg. Sehnsüchtig warteten wir Jungen auf die „Guten“, die endlich den Banditen das Handwerk legen sollten. Jubel brandete auf, wenn sie endlich am Horizont auftauchten. Die anschließende Ballerei hielt einige Jungen nicht auf den Plätzen. Vorsorglich hatten sie den Trommelrevolver mit Zündplättchen mitgebracht und mischten sich damit todesmutig in das „blutige“ Geschehen ein.

Besonders Fuzzy St. John, der Didi Hallervorden der damaligen Wildwestfilme, wurde von uns heißgeliebt. Zu komisch, wenn er mit seinem verbeulten Hut, kaum Zähnen im Mund und mit einem wirren Vollbart auf seinem Gaul hing. Hatte er einen der Gauner zur Strecke gebracht, kam es vor, dass er vor Freude einen Purzelbaum hinlegte. Dies hatte zur Folge, dass wir Jungs uns die Bäuche hielten vor Lachen. Die Knallerei mit den Zündplättchen ärgerte vor allem die Putzfrau, die diese nach der Vorstellung vom Boden entfernen musste.

Die Zeit der amerikanischen B-Filme in Schwarzweiß ist lange vorbei. Erinnern möchte ich an den späteren amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, der sich in diesen Filmen ebenfalls tummelte.

Großer Konkurrenzdruck

Übrigens wurde die „Kurbel“ am 31. Januar 1955 geschlossen. Der letze Film mit dem Titel „Hab ich nur deine Liebe“ war mit Johannes Heesters besetzt. Eine fünfjährige Kinogeschichte in Kirdorf ging zu Ende, obwohl die 1950er Jahre die hohe Zeit des Kinos waren. Wahrscheinlich war der Konkurrenzdruck zu groß, schließlich existierten in Bad Homburg noch vier weitere Kinos.

Es gab noch ein kurzes „Aufbäumen“ des Kirdorfer Lichtspieltheaters, das mit 200 Plätzen sehr klein war. Es wurde nochmal eröffnet als „Roxi“, ausgestattet mit grüner Wandbekleidung, einem hellen Vorraum und einer Cinemascope-Leinwand. Vier Monate währte das Glück, am 27. Juni 1956 lief zur Eröffnung der Film „Wenn der Vater mit dem Sohne“ mit Heinz Rühmann. Als letzter Film flackerte am 1. November 1956 „Flammen über Fernost“ mit Gregory Peck über die Leinwand. Dann schloss das „Roxi“ für immer seine Tore.

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