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Weil die Kita aus allen Nähten platzt, müssen die Gruppen aus Platzgründen auch in das Gemeindezentrum ausweichen.

Lorsbach

Die Kita wächst, der barrierefreie Raum verschwindet

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Die Erweiterung der Lorsbacher Kindertagesstätte ist beschlossene Sache. Das ist allerdings mit einer baulichen Änderung verbunden, die den Linken übel aufstößt.

Groß war die Empörung, als die Stadt vor einigen Jahren den barrierefreien Umbau des Bahnhofes absagte, ebenso groß die Zufriedenheit darüber, dass jetzt ein neuer Anlauf genommen werden soll. Jetzt wird im Zuge des Ausbaus der Kindertagesstätte der einzige barrierefreie öffentliche Raum im Stadtteil verschwinden. Die Stadtverordnetenversammlung nimmt das aber in Kauf.

Es waren die Linken, denen nach den Beratungen im Ausschuss, aber vor der Stadtverordnetenversammlung aufgefallen war, dass es außer der ehemaligen Altentagesstätte im Gemeindezentrum überhaupt keinen barrierefreien öffentlichen Raum in Lorsbach gibt. Denn aus diesem Raum soll die neue Toilettenanlage für das Gemeindezentrum werden, weil der bisherige Sanitärbereich der angrenzenden Kita zugeschlagen werden soll.

Der Kindergarten leidet unter einer erheblichen

Raumnot

. Beschlossen wurde daher, das Gebäude aufzustocken und in Richtung des Bürgersteiges zu erweitern. Auf diese Weise wird es auch möglich, dass mehr Kinder in der Einrichtung zu Mittag essen können. Außerdem können einige Kinder auch schon vor ihrem dritten Geburtstag aufgenommen werden. Die Pläne stießen auf breite Zustimmung; die SPD hatte im Sozialausschuss noch gemahnt, dafür zu sorgen, dass auch Kinder mit Behinderungen die Räume im Obergeschoss der Einrichtung nutzen können. Mutmaßlich müsste dafür ein Aufzug eingebaut werden. Einen solchen gibt es zum großen Gemeinschaftsraum im Obergeschoss des Gemeindezentrums nicht. Der Treppenlift ist nur nutzbar, wenn der Hausmeister anwesend ist, weiß der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann. Die Linken beantragten daher, die Pläne so zu überarbeiten, dass es entweder weiter einen barrierefreien Raum im Erdgeschoss gibt, oder dass ein Aufzug ins Obergeschoss eingebaut wird.

Magistrat und Mehrheit wollten da nicht mitmachen. Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) fürchtet, der Linken-Vorschlag könnte das

Projekt verzögern

. Tobias Gottschalk (BfH) betonte, wie wichtig der Ausbau des Kindergartens sei, möchte die Frage eines barrierefreien Raumes zwar diskutieren, ließ dies aber nicht in irgendeinen Antrag münden. Britta Schäfer (SPD) wies darauf hin, dass die Altentagesstätte bisher nur fünf bis sieben mal im Jahr genutzt werde, und vertraut darauf, dass es eine Lösung für den Treppenlift schon geben werde. Wolfgang Exner (CDU) sagte zu, der Magistrat werde dazu noch berichten.

Beschlossen wurde zu dem Thema am Ende nichts, gebilligt wurde aber die Erweiterung des Kindergartens zum Preis von 1,7 Millionen Euro. Das ist nur eine grobe Schätzung, die im Laufe der Detailplanung konkretisiert werden muss; außerdem sind die Kosten für die Außenanlagen und die Kindergartenausstattung nicht enthalten. Umgekehrt kann die Stadt mit einem Zuschuss aus dem Landesprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2017 - 2020“ rechnen, der zwischen 50 000 und 100 000 Euro betragen wird.

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