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Die Vogelmiere kann man das ganze Jahr über sammeln.

Wildkräuterwanderung

Klein, lecker und manchmal auch giftig

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So richtig grün war es am Wochenende in der Natur noch nicht. Doch wer genau hinschaute, konnte die ersten zarten Triebe der Wildkräuter entdecken. Für kleine Portionen Kräuterbutter reichte die Ausbeute.

„Das wächst ja auch alles beim mir im Garten, aber ich wusste gar nicht, dass man das auch essen kann“, sagte Elke Remde ein ums andere Mal. Sie war eine von zwölf Teilnehmerinnen der „Kulinarischen Wildkräuterwanderung“. Die führt seit 18 Jahren Adrian Stadtaus für den Naturpark Hochtaunus.

Zwei Tage vorher hatte er eine Vortour gemacht und festgestellt, dass vieles in der Natur noch weit zurück ist. „Das meiste ist schon da, aber noch sehr klein, dafür aber wunderbar zart und wohlschmeckend“, sagte er. Ob daraus eine Grüne Sauce werden könne, hänge von der Ausdauer der Sammler ab, meinte er. Er hatte aber noch jede Menge andere Rezepte auf Lager, gab aber zu Beginn allgemeine Tipps fürs Kräutersammeln.

Nicht nur weil Wildpflanzen eher kräftig im Geschmack sind, sollten sie in Gerichten nur sparsam verwendet werden. „Nehmen Sie nur so viel mit, wie Sie auch brauchen“, riet er. Vor allem solle man dort, wo es nur geringe Bestände gebe, diese nicht auch noch ausräubern. „Schon Goethe wusste, dass Unkraut eigentlich ein Unwort ist“, machte Stadtaus deutlich.

Die Brennnessel, mit wissenschaftlichem Namen „urtica dioica“, ist als Lieferant für Vitamin C und Eisen fast unschlagbar. Gekocht brenne sie nicht mehr. Im Salat schmecke sie sowieso nur sehr jung und durch die Säure der Sauce verliere sich das Brennen ebenfalls. Früher seien aus den Fasern älterer Nesselstiele sogar Stoffe für Kleidung und Sehnen für Bögen hergestellt worden. Und eine beliebte Schmetterlingspflanze ist das Kraut auch.

Auch anderes Grünzeug, was viele Gärtner aus ihren Kulturen penibel verbannen, lernten die Exkursionsteilnehmer kennen. Doch die zarten Spitzen des desinfizierend wirkenden Spitzwegerichs und des fein säuerlichen Wiesensauerampfers waren auf der Wiese oberhalb von Brombach nur schwer zu finden, so winzig wie sie waren.

„Für die Schlehen sind wir knapp zwei Wochen zu früh, wir denken uns jetzt die weißen Blüten, auf denen die Schmetterlinge sitzen“, so Stadtaus. Er wies auf die heilsame Wirkung von Schlehenblütentee bei Verstopfung und verriet, wie man aus den Beeren leckere Marmelade oder Aufgesetzten mit Gin machen kann.

Am Waldrand stand jede Menge Scharbockskraut, das inzwischen auch in den Wiesen wächst. Vor der Blüte seien die Blätter in kleinen Mengen unbedenklich, sehr delikat auch die in Essig eingelegten Blütenknospen, von denen aber noch nichts zu sehen war.

Wo man Waldsauerklee, Giersch und Vogelmiere findet, und wie man zarte Fichten-, Buchen- und Birkentriebe sowie die Blätter der Walderdbeere und die immergrüne Brombeere verwendet, erfuhren die Sammler auch. Für alle, die später alleine sammeln, gab es wertvolle Tipps: Nur pflücken und essen, was man kennt, denn viele Kräuter haben ein giftiges Gegenstück. Und nicht an Straßen und am Wegesrand sammeln. Um einer Infizierung mit dem Fuchsbandwurm vorzubeugen, sollte man die Kräuter vor dem Verzehr abkochen. Weniger ist bei Wildkräutern immer mehr.

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