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Michael Roth, der Vorsitzende der Kleingärtner des KGV Süd, und Elfriede Zimmermann waten durch die Fluten. Die Kleingärtner halfen sich kurzerhand selbst, pumpten einen Teil des Wassers ab.

Selbst geholfen

Kleingärtner des KGV Süd beseitigen Wasser mit geliehenen Pumpen

Die Kleingärtner des Vereins KGV Frankfurt-Süd am Ziegelhüttenweg haben ein schlafloses Wochenende hinter sich: Mit vereinten Kräften pumpten sie das Wasser ab, das sich aus einem defekten Trinkwasserrohr über die Gartenanlage ergossen hatte.

Die Kleingärtner hatten ganze Arbeit geleistet: Am Sonntagabend, zwei Tage nachdem das Wasserrohr im Oberen Schafhofweg gebrochen war, frisches Trinkwasser aus dem Erdreich nach oben sprudelte und sich stundenlang sintflutartig über das abschüssige Kleingartengelände ergoss, waren einige Wege und Parzellen wieder trocken.

Die Gartenfreunde konnten sich ein genaueres Bild vom Schaden machen: Der Boden des Vereinshauses, des Pavillons und des Getränkeschuppens ist nicht mehr zu gebrauchen. Ganz zu schweigen von dem Gemüse in ihren liebevoll gepflegten Beeten – Kartoffeln, Kürbisse, Kohlrabi, Salat, Tomaten und vieles mehr sprießte dort –, das im Wasser versunken war und nun nicht mehr genießbar ist. „Ich traue mich nicht, das Gemüse zu essen,“ sagt Kleingärtnerin Elfriede Zimmermann, die am Ziegelhüttenweg wohnt. „Wer weiß, ob das noch gesund ist.“ Ein Jammer, denn die Früchte sehen noch gut aus, wachsen weiter, als wäre nichts passiert.

Weil die Feuerwehr nicht aushalf, besorgten sich die Gärtner privat zwei Pumpen. „Ein Freund hat eine Pumpe aufgetrieben, die zweite hat uns eine Firma kostenlos zur Verfügung gestellt,“ sagt Michael Roth, der Vorsitzende des Vereins. Die Kleingärtner schraubten kurzerhand die Toiletten im überfluteten Vereinshaus ab und leiteten das abgepumpte Wasser in die Abwasserleitung. Die Pumpen liefen am Samstag tagsüber und nachts ohne Pause. „Wir haben letzte Nacht nur zwei Stunden geschlafen, haben die ganze Zeit Wache gehalten,“ erzählt Elfriede Zimmermann.

In der Senke in der Mitte der Anlage hatte sich ein regelrechter See gebildet: Der Boden ist hier aus Lehm, das Wasser versickert nicht. Skurril: Wer mit Gummistiefeln durchwatete, konnte hier und da einen Goldfisch im trüben Nass schwimmen sehen, der höchstwahrscheinlich aus einem Gartenteich entwischt ist. Eine Pächterin vermisste ihre Schildkröte. Am Sonntag fand sie das Tier am anderen Ende der Kleingartenanlage.

Dass die Feuerwehr nichts ausrichten konnte, weil keine Notfallsituation vorgelegen habe, hat die Gärtner sehr enttäuscht. „Man hat uns ziemlich im Stich gelassen. Zwei Dixie-Toiletten als Ersatz hätte man uns doch hinstellen können,“ sagt Elfriede Zimmermann. „Oder wenigstens eine Pumpe.“ Die Frage habe am Freitag, als das Wasser noch lief, niemand gestellt, sagte gestern Hessenwasser-Sprecher Hubert Schreiber. „Falls Bedarf besteht, stellen wir gerne Geräte zur Verfügung.“ Immerhin ist das geborstene Rohr geflickt, das kaputte Stück wurde ausgetauscht.

Die Arbeiten am Rohr waren am Samstagabend beendet – 36 Stunden, nachdem die Leitstelle der Hessenwasser, der Besitzerin des Wasserrohrs, den Schaden bemerkt hatte. Was den Schaden für die Kleingärtner angeht, greift die Haftpflichtversicherung von Hessenwasser. Die Gärtner sollen eine Liste der Geschädigten anfertigen, mit jedem einzelnen werde die Versicherung Termine vereinbaren.

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