+
Paul Fay (Mitte) vom Energiereferat führt zu den innovativsten Projekten, mit denen Energie gespart wird, an der Berger Straße.

Projekte

Klimawandel: So spart die Berger Straße Energie

Zum "Tag der Erneuerbaren Energien" hat das Energiereferat gestern bei einer Führung die innovativsten Projekte entlang der Berger Straße gezeigt. Wir stellen drei von ihnen vor.

Die selbstmahlende Bäckerei: Getreide, das irgendwo wächst, von weit entfernt angekarrt wird und auf dessen Qualität man als Bäcker keinerlei Einfluss hat? Das wollte Klaus Denniger nicht, als er vor 19 Jahren die Bio-Bäckerei Denninger von seinen Eltern übernahm. Er beschloss, sein Getreide künftig direkt bei Bauern im Umkreis von unter 50 Kilometern zu kaufen – und es ist seiner Bäckerei selbst zu mahlen. So kann der 48-Jährige nicht nur mitentscheiden, was angebaut wird, und backt immer mit frischem Mehl, sondern er verkürzt auch die Transportwege – und spart damit Kohlendioxid. Ein Plus für den klimabewussten Verbraucher, denn allein durch seine Ernährung produziert jeder Deutsche jährlich 1,4 Tonnen CO2.

Dadurch, dass zwischen Mahlen, Kneten und Backen kaum Zeit vergeht, spart Denniger außerdem Energie. Würden Teiglinge genutzt, würden diese oft angebacken, heruntergekühlt, transportiert, wieder aufgebacken und so weiter. „Die Energiebilanz ist schlecht“, sagt Denniger. Dass dennoch viele Bäcker so produzierten, liege daran, dass Energie zu billig sei, sagt Paul Fay, stellvertretender Leiter des Energiereferats. „Die CO2-Belastung wird nicht eingepreist.“ Die Abwärme des Backofens nutzt Denniger zudem, um das Brauchwasser für die Bäckerei zu erwärmen.

Klimafreundlich ist auch dieser Trick: Denninger versucht, die Ware durch innovative Rezepte länger frisch zu halten. Im Gegenzug verzichte er darauf, bis kurz vor Schluss frisch zu backen und so Überschuss zu produzieren. „Mir war von Anfang an wichtig, ökologisch zukunftsfähig zu produzieren – in allen Bereichen.“

Das selbstversorgende Haus: Der rechteckige Kasten, der im Erdgeschoss des Berger Palais steht, sieht aus wie eine große Gefriertruhe. Tatsächlich ist es ein Blockheizkraftwerk (BHKW). Zusammen mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach versorgt es 32 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit, in die bald eine Apotheke einziehen soll. Und zwar sowohl mit Strom als auch mit Wärme.

Eingebaut hat das BHKW die Süwag Grüne Energien und Wasser, es ist eines von etwa 30 ähnlichen Projekten in ganz Deutschland. „Man kann sagen, dass sie durchschnittlich 70 Prozent des Stroms lokal produzieren“, sagt Jürgen Herkert, Projektingenieur des regionalen Energieversorgers. Öffnet man den Deckel, wird es plötzlich laut. Denn im Inneren des BHKW dreht sich ein Motor, der aus Erdgas Strom macht. Dieser lokale Strom entlaste nicht nur das Netz, sondern habe auch Vorteile für die Abnehmer: „Der Strompreis liegt bei 22,35 Cent brutto, im Vergleich zu anderen Anbietern ist das relativ günstig“, sagt Herkert.

Und auch das Klima profitiert: Weil die Wärme des BHKW für Warmwasser und Heizung genutzt wird, sei der Wirkungsgrad deutlich höher als bei einem herkömmlichen Kraftwerk: Da die Abwärme abgeleitet wird, hat dieses nur einen Nutzungsgrad von rund 45 Prozent, dazu kommen weitere zehn bis 15 Prozent Verlust durch den Transport. Der BHKW-Wirkungsgrad hingegen liegt bei rund 90 Prozent. „Dadurch ist der Strom sehr CO2-arm“, sagt Fay vom Energiereferat.

Der nachhaltige Anbieter: Manchmal folgen aus sozialen Verbesserungen auch ökologische. Zum Beispiel in Tansania. Früher hatten die dortigen Kleinbauern gegen die Großkonzerne keine Chance – schon allein, weil die zur Kaffeeerntezeit alle Lastwägen mieteten. Die Bauern kamen mit ihren Bohnen nicht zum Hafen und mussten die niedrigen Preise des Großkäufers akzeptieren. Heute wird ihr Kaffee in vielen Weltläden verkauft, zum Beispiel in dem an der Berger Straße.

Was das jetzt mit Klimaschutz zu tun hat? „Viel“, sagt Geschäftsführer Stefan Diefenbach. Denn das Bewusstsein der Kleinbauern für den Klimaschutz sei deutlich höher als das der Großkonzerne. „Die können einfach weiterziehen und verbrannte Erde hinterlassen, die Kleinbauern können nicht weg.“ Deshalb hätten sie ein Interesse daran, dass ihre Lebensgrundlage erhalten werden – und das Klima konstant bleibt.

Zudem seien 80 Prozent der Lebensmittel im Laden bio-zertifiziert, kämen also mit wenig bis keinem Kunstdünger aus. Auch das sei gut, sagt Paul Fay: „Die Pflanzen können den Stickstoff im Dünger nicht aufnehmen, er wird als Lachgas an die Umwelt abgegeben. Und Lachgas ist ein 300-fach stärkeres Treibhausgas als CO2.“

Und noch einen dritten Vorteil haben die Produkte im Weltladen laut Fay: „Viele Sachen sind upgecycelt.“ Das heißt, nach dem Ende ihrer eigentlichen Nutzung wurden sie wiederverwendet – aus Papier wurden Schalen, aus Gummireifen Taschen.

Tag der Erneuerbaren Energien

Am Samstag öffnet die Rhein-Main Biokompost, Peter-Behrens-Straße 8, von 10 bis 16 Uhr ihre Türen zum Komposttag. Es wird gezeigt, wie aus Bioabfall Biogas gemacht wird und wie Kompost entsteht. Zudem können Interessierte eine Bodenprobe (á 0,5 Liter) mitbringen und kostenlos einen Bodenqualitätstest machen lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare