Integration

Knapp 1900 Flüchtlinge haben in der Region einen Job gefunden

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht in der Zuwanderung Potenzial gegen den Fachkräftemangel. Doch Flüchtlinge dürften nicht als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden, so die NGG.

Geflüchtet und mit einem Arbeitsvertrag im Landkreis Offenbach angekommen – so ging es Ende vergangenen Jahres 1892 Asylbewerbern. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und spricht von einem „Ankommen in der Gesellschaft – bei Kollegen und Chefs“. Die NGG beruft sich auf eine neue Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach ist die Zahl der berufstätigen Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Herkunftsländern stark angestiegen. Vor drei Jahren zählte die Arbeitsagentur im Kreis Offenbach noch 940 Asylsuchende mit einem Arbeitsvertrag.

„Die Zahlen zeigen, dass ein großer Teil der Menschen, die zu uns gekommen sind, im Berufsleben Fuß fassen konnte. Und zwar trotz Sprachbarrieren und teils enormer bürokratischer Hürden“, sagt NGG-Regionalchef Peter-Martin Cox. Positiv wertet der Gewerkschafter den steigenden Anteil regulärer Jobs. Laut Statistik waren kreisweit 74 Prozent der erwerbstätigen Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Diese Menschen verdienen ihr eigenes Geld, sie zahlen Steuern und Sozialbeiträge“, so Cox.

Zuwanderung könne ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel sein. Gerade auch das Ernährungsgewerbe suche händeringend Nachwuchs, betont Cox. „Hotels, Gaststätten, aber auch Bäckereien, Brauereien und die Lebensmittelverarbeitung haben jahrzehntelange Erfahrungen mit Zuwanderern.“ Die Wirtschaft könne wie schon in den 1960er- und 1970er Jahren ein „Integrationsmotor“ sein. „Unternehmer dürfen die Geflüchteten aber nicht als billige Arbeitskräfte ausnutzen. Es darf keine Zwei-Klassen-Belegschaften und auch keine Ausnahmen beim Mindestlohn oder den Dokumentationspflichten – also beim Festhalten der Arbeitszeiten – geben.“ Denn der Azubi- und Arbeitskräftemangel sei etwa im Gastgewerbe auch durch teils unattraktive Arbeitsbedingungen hausgemacht.

Zwar wollten viele Flüchtlinge möglichst schnell Geld verdienen, um ihre Familien zu unterstützen. „Doch allein mit Helfer-Jobs gibt es kaum solide Berufsperspektiven in Deutschland. Wichtig ist, dass die Flüchtlinge ins duale Ausbildungssystem kommen. ,Azubi statt Aushilfe’ muss auch die Devise der Unternehmen sein“, sagt Cox. Laut Statistik waren im Kreis Offenbach Ende vergangenen Jahres 146 Azubis mit einem Fluchthintergrund gemeldet.

Damit die Integration am Arbeitsmarkt weiter vorankomme, müsse besonders die Politik mehr tun. „Es kann nicht sein, dass immer wieder auch Flüchtlinge, die im Betrieb engagiert sind und gut Deutsch sprechen, von einem Tag auf den anderen abgeschoben werden“, kritisiert Cox.

Von entscheidender Bedeutung sei daher die geplante Einführung eines Fachkräfte-Zuwanderungsgesetzes. Die NGG fordert jedoch erhebliche Nachbesserungen am Gesetz. „Es ist wichtig, dass gesuchte Fachkräfte wie etwa Lebensmitteltechniker, die in Deutschland arbeiten wollen, ein Visum bekommen können. Das muss transparent geregelt werden. Und die Sozialpartner sollten ein Wort dabei mitreden, wo genau der Bedarf in den Branchen liegt“, so Cox. Zentral sei dabei, gute Arbeit zu ermöglichen und Lohn-Dumping zu verhindern.

(red)

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